"Sturm fördert die Jugend extrem"

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Sascha Horvath war der Shooting-Star der Saison 2013/14.

Eine starke U17-EM im Sommer 2013, danach Glanzleistungen in der UEFA Youth League, Teilnahme an der U17-WM, Bundesliga-Debüt für die Austria im Alter von 17 Jahren, zwei Monaten und zwölf Tagen, gegen Saisonende unter Interimscoach Herbert Gager sogar Stammkraft bei den Profis.

Nach dem steilen Aufstieg folgte in der abgelaufenen Saison aber Stagnation. Horvath war öfter wegen seines auslaufenden Vertrags, den er nicht verlängern wollte, in den Schlagzeilen als wegen sportlicher Leistungen. Lediglich zwei Mal (insgesamt 65 Minuten) durfte er in der Bundesliga ran. Ein Talent am Abstellgleis.

„Ich habe in diesem Jahr gesehen, wie es im Fußball laufen kann – es geht nicht immer nur nach oben“, sagt der 18-Jährige im LAOLA1-Interview. Mittlerweile hat der Offensivspieler die Veilchen hinter sich gelassen und für drei Jahre beim SK Sturm unterschrieben.

Doch bevor es in Graz so richtig losgeht, nimmt er noch mit der ÖFB-U19 an der EM in Griechenland (6.-19. Juli) teil.

Horvath sagt, was er vom Turnier erwartet, warum er sich für Sturm entschieden und wie er das vergangene Jahr bei der Austria erlebt hat.

LAOLA1: Du stehst mit dem U19-Nationalteam vor der nächsten Endrunde. Ist das mittlerweile Routine?

Sascha Horvath: Nein, das ist keineswegs selbstverständlich, sondern eine Ehre. Es war wieder ein schwerer Weg bis dahin. Uns ist aber viel zuzutrauen, wir haben schon bewiesen, dass wir auch starke Nationen schlagen können.

LAOLA1: Was macht dieses Team so erfolgreich?

Horvath: Wir sind schon jahrelang super Freunde, kennen uns persönlich sehr, sehr gut. Es ist ein richtiges Team, wenn wir zusammenkommen, ist es, als ob wir uns jeden Tag sehen würden. Außerdem kennt jeder die Laufwege des anderen, wir können uns gegenseitig gut in Szene setzen. Zudem macht es uns aus, dass wir nie aufgeben, auch wenn es nicht so gut läuft.

LAOLA1: Hat sich euer Spielstil im Laufe der Jahre verändert?

Horvath: Ja. Wir sind technisch stärker als früher. Wir spielen nicht nur hohe Bälle, obwohl die durchaus eine unserer Waffen sind, sondern auch richtig schönen Fußball. Wir haben schon ein bisschen etwas geleistet, weshalb wir uns mehr zutrauen.

LAOLA1: Als dieser Jahrgang zum ersten Mal zusammengekommen ist, habt ihr da erwartet, dass ihr so viel erreichen werdet?

Horvath: Nein, das hat sich keiner von uns erwartet. Wir sind Österreich, nicht Frankreich, Spanien oder eine andere große Nation. Wir hatten es am Anfang auch schwer. Aber mittlerweile kann man mit uns rechnen.

"Die Meisterschaft wird nicht wieder so einseitig sein"

LAOLA1: Was ist für den SK Sturm in dieser Saison drinnen? Foda hat am Ende der vergangenen Saison für die neue Spielzeit mit dem Meistertitel geliebäugelt.

Horvath: Die Meisterschaft wird nicht wieder so einseitig sein, Salzburg wird auch Probleme haben. Wir wollen vorne mitspielen, das muss unser Ziel sein.

LAOLA1: Du kommst von der Austria, wo es eineinhalb Jahre alles andere als nach Wunsch gelaufen ist, zu Sturm, wo doch ein wenig Euphorie herrscht. Wie erlebst du die Stimmung in Graz?

Horvath: Es ist ja nicht so, dass wir bei der Austria nur mit hängenden Köpfen herumgelaufen sind, wir hatten beim Training auch unseren Spaß. Aber natürlich war es eine schwere Zeit. Die Stimmung ist schon anders, weil Sturm nicht so eine negative Phase wie die Austria erlebt hat.

LAOLA1: Erschwert es deinen Start bei Sturm, dass du die Vorbereitung wegen der U19-EM unterbrechen musst?

Horvath: Es stört mich nicht, immerhin ist die EM ein Ziel jedes jungen Spielers. Vielleicht schaut sich der Trainer ja auch das eine oder andere Spiel im Fernsehen an. Anschließend werde ich im Training alles geben und versuchen, auf mich aufmerksam zu machen.

LAOLA1: War es letztendlich ein verlorenes Jahr bei der Austria?

Horvath: Das finde ich gar nicht. Bei mir ist es davor immer bergauf gegangen, jetzt bin ich stehen geblieben. Okay, ich habe nicht gespielt, aber ich habe bei den Profis trainiert und mich körperlich weiterentwickelt. Ich habe im Kraftbereich mehr gemacht als früher. Ich habe mich mit der Situation abgefunden und für mich trainiert – immerhin geht es um meine Karriere. Ich habe in diesem Jahr gesehen, wie es im Fußball laufen kann – es geht nicht immer nur nach oben. Das war eine wichtige Lektion.

LAOLA1: Themenwechsel: Du bist seit ein paar Wochen bei Sturm Graz. Wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?

Horvath: Ich habe bei der Austria nicht mehr gespielt, was ich akzeptiert habe. Deshalb habe ich ein neues Ziel gebraucht. Mit Sturm habe ich einen tollen neuen Klub gefunden – ein Traditionsverein, bei dem junge Spieler spielen und ein super Trainer arbeitet. Es ist wichtig für mich, mich dort noch mehr zu entwickeln. Ich glaube, dass ich in Graz noch mehr lernen und mich steigern kann. Ich habe mich vom ersten Tag an extrem wohlgefühlt.

LAOLA1: Die meisten haben damit gerechnet, dass es dich ins Ausland zieht. Warum hast du dich für einen Verbleib in Österreich entschieden?

Horvath: Ich habe in dieser Saison bei der Austria nicht viel gespielt, habe praktisch nur bei den Amateuren Einsätze bekommen. Deshalb wollte ich nicht gleich in die deutsche Bundesliga wechseln, sondern bin der Meinung, dass es besser für mich ist, noch in Österreich zu bleiben. Sturm ist eine super Adresse. Ich will in Graz zu meinen Einsatzminuten kommen, dann schauen wir weiter.

LAOLA1: Welche Rolle hat Trainer Franco Foda bei deiner Entscheidung gespielt? Er ist bekannt dafür, pro Saison zwei, drei jungen Spielern zum Durchbruch zu verhelfen.

Horvath: Das hat natürlich eine Rolle gespielt. Ich wollte nicht wohin gehen, wo keine Jungen spielen. Sturm schaut sehr auf die Jugend, die gesamte Mannschaft ist sehr jung.

LAOLA1: Auf welcher Position sieht dich der Trainer?

Horvath: Im Zentrum – auf der Zehn oder der Acht – oder am linken Flügel. Wo ich spiele, ist mir aber egal, Hauptsache ich spiele. Mein Ziel in der ersten Saison ist es, mich in die Mannschaft zu spielen. Ich will nicht wieder nur zuschauen.

LAOLA1: Frankreich, Griechenland und die Ukraine – was wisst ihr schon über eure Gegner?

Horvath: Am meisten haben wir uns bisher natürlich mit Auftaktgegner Frankreich auseinandergesetzt. Das ist eine wirklich starke Mannschaft. Wir werden uns auf den Gegner einstellen und dann schauen wir, was dabei rauskommt.

LAOLA1: Was ist drinnen bei der Europameisterschaft?

Horvath: Wir denken nur von Spiel zu Spiel. Es wäre übertrieben, zu sagen: Wir kommen ins Finale! Natürlich wollen wir dorthin, aber wir sind Österreich, wir müssen am Boden bleiben.

LAOLA1: Könnt ihr, angesichts der Erfolge, die ihr bisher gefeiert habt, überhaupt noch überraschen?

Horvath: Seit dem 5:1 gegen Deutschland wahrscheinlich nicht mehr. Aber vielleicht haben die Gegner ja trotzdem im Kopf, dass Österreich nur ein kleines Land ist. Vielleicht werden wir doch noch nicht so ernst genommen.

LAOLA1: Angefangen hat das Problem ja schon im vergangenen Sommer, als die Austria mit dir verlängern wollte, um dich zu verleihen.

Horvath: Das war im Gespräch, ja. Es hat einfach nicht sein sollen, dass ich spiele. Sicher war das schade, ich habe mich auch darüber geärgert. Aber das liegt hinter mir. Ich schaue nur nach vorne. Ich lasse die Austria hinter mir und konzentriere mich auf Sturm.

LAOLA1: Ich muss trotzdem noch nachfragen. Die Austria hat immer wieder beteuert, dass sie deinen Vertrag verlängern will. Wie realistisch war es ab dem Winter, dass ihr doch noch eine Lösung findet?

Horvath: Es hat Gespräche gegeben, darüber will ich aber nicht viel sagen. Ich bin ein junger Spieler. Und ein junger Spieler muss spielen – wenn er das nicht tut, ist das nicht gut. Also habe ich einen neuen Verein gesucht, bei dem die Jugend gefördert wird. Sturm tut das extrem. Sandi Lovric ist ein 1998er Jahrgang und hat schon seine Einsätze gekriegt – Wahnsinn!

LAOLA1: Mit welchem Gefühl hast du die Austria letztendlich verlassen?

Horvath: Ich war ein bisschen traurig. Ich habe der Austria ja viel zu verdanken. Ich wurde dort ausgebildet und durfte meine ersten Bundesliga-Spiele machen. Aber die Vorfreude auf Sturm war groß. Es ist ein neuer Schritt in meiner Karriere, ich kann mich neu beweisen.

LAOLA1: Und du hast sicher wieder mehr Spaß als davor.

Horvath: Ich hatte bei der Austria auch Spaß. Immerhin konnte ich mit meinen Freunden trainieren und spielen. Okay, ich habe bei den Amateuren gespielt. Aber vielleicht wird das bei Sturm auch so sein. Es ist ja nicht so, dass ich wechsle und sage: Jetzt spiele ich Bundesliga! Mir macht Fußball immer Spaß. Aber wenn man spielt, macht es eben noch mehr Spaß.

Das Gespräch führte Harald Prantl

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