"Eine unglaubliche Geschichte!"

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"Richtige Funktionäre für unglaublichen Weg"

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Happy Birthday, SV Ried!

Am Samstag jährt sich der Geburtstag des erfolgreichsten Dorfvereins der Gegenwart zum 100. Mal.

Die Mannschaft gastiert an diesem Jubeltag in Kapfenberg, deswegen wird erst tags darauf richtig gefeiert. Während es schon am Nachmittag Programm gibt, steigt die große Gala am Abend.

Nicht fehlen darf dabei Klaus Roitinger, Mann der ersten Stunde des Rieder Märchens. Der heute 53-Jährige führte die „Wikinger“ 1991 als Spieler-Trainer ins Profi-Geschäft, später als Coach in die Bundesliga (1995), zum ersten Cupsieg (1998) und damit im selben Jahr in den Europacup.

Mit LAOLA1 hat der heutige Volksschullehrer über die guten, alten und aktuellen Jahre gesprochen.

LAOLA1: Dieser Tage klingelt Ihr Telefon wohl öfters als sonst. Gefällt’s oder nervt’s?

Klaus Roitinger: Natürlich gefällt es mir. Es bedeutet ja, dass mein Name mit Ried in Verbindung gebracht wird und das glaube ich auch zu Recht. Ich war viele Jahre Trainer, habe den Weg von der Landesliga bis in den Europacup mit dem Verein bestritten und deswegen ist das nicht zu leugnen.

LAOLA1: Wie blicken Sie heute auf diesen unglaublichen Weg nach Europa zurück?

Roitinger: Es hat eine Entwicklung genommen, die vor 20 Jahren fast nicht vorstellbar war. Ried war in der Landesliga damals ein Verein, wie viele andere auch. Wir waren damals regional bekannt, mittlerweile österreichweit und sind nun eine fixe Größe, gehören wohl zu den fünf, sechs besten Mannschaften. Ried ist gesetzt, keine Eintagsfliege. Aufgrund der ganzen Entwicklung ist Ried eine Fixgröße im österreichischen Fußball und das ist unglaublich.

LAOLA1: Warum hat Ried das geschafft, was andere Dorfklubs nicht geschafft haben?

Roitinger: Da gibt es sicherlich viele Parameter. Im Innviertel ist die Begeisterung für Fußball offensichtlich sehr groß. Der Verein strahlt zudem die Sympathie aus, die man hat, wenn man kontinuierlich arbeitet. Und wenn man nicht einem großen Mäzen ausgeliefert ist, sondern es aus eigener Kraft schafft. Das wird im Innviertel gedankt und geschätzt. Es ist eine Geschichte, die kaum ein Verein mit ähnlichem Hintergrund, jemals geschafft hat.

LAOLA1: Ist es das schönste Märchen, das der Fußball in Österreich jemals geschrieben hat?

Roitinger: Das glaube ich schon. Denn die Mannschaften, die sich jetzt auf Augenhöhe befinden, sind lauter Spitzenklubs und Vereine, die aus Großstädten kommen. Ried hat 12.000 Einwohner und das aus eigener Kraft geschafft. Das ist jetzt keine Kritik, aber Pasching war auch einmal vorne dabei, aber immer von Präsident Grad abhängig, der mit viel Geld viel bewegt hat. Ried hat das immer mit Kontinuität und eigenen Mitteln geschafft. Das ist dauerhaft und nachhaltig.

LAOLA1: Und Ried hat dem LASK auf ganzer Linie den Rang abgelaufen. Auch unglaublich, wenn die Ausgangssituation herangezogen wird.

Roitinger: Das ist auch unglaublich, weil der LASK der Traditionsverein in Oberösterreich ist. Der hätte ein Potenzial, das nahe an Rapid kommt. Das müsste man schüren und diesen Riesen-Laden einmal aufwecken. Der wird aber offensichtlich nicht geweckt, die Fußball-Interessierten tendieren natürlich nach Ried, weil hier ehrliche Arbeit verrichtet und ausgezeichneter Fußball geboten wird.

LAOLA1: Sie hatten 1991 maßgeblichen Anteil am Aufstieg der SV Ried ins Profi-Geschäft, nämlich als Spieler und Trainer.

Roitinger: Beim entscheidenden Duell mit Flavia Solva vor 20 Jahren habe ich das beste Spiel meiner Karriere abgeliefert. Wir haben vor 6000 Zuschauer, so viele waren damals noch nie bei einem Spiel, 3:0 gewonnen und ich habe zwei Mal getroffen. Damals war ich Spielertrainer, was ich nur noch ein Jahr durfte. Deswegen habe ich meine aktive Karriere eine Saison später beendet. Mir war das auch recht, weil die Doppelbelastung in diesem Jahr sehr stark war.

LAOLA1: War es immer Ihr Ziel, Trainer zu werden?

Roitinger: Eigentlich schon. Ich habe in meiner Karriere als Fußballer viele Trainer gehabt und einiges abgeschaut, aber mir auch gedacht, da muss noch mehr herauszuholen sein. Ich habe gewusst, in Ried sind die richtigen Funktionäre, die den Weg mit mir mitgehen. So ist es auch gewesen.

LAOLA1: Sie werden oft als Kulttrainer bezeichnet. Können Sie damit etwas anfangen?

Roitinger: Nichts. Ich weiß nicht, was Kult sein soll. Das ist eine Floskel, die dann fällt, aber das hefte ich mir nicht an.

LAOLA1: Erfolgstrainer trifft es auf jeden Fall. Ihre Mannschaft hat 1998 erstmals den Cupsieg nach Ried geholt. Am Mittwoch hat die Spielvereinigung neuerlich den Finaleinzug fixiert. Immer wieder schön?

Roitinger: Absolut. Die Tatsache ist eigentlich unglaublich, dass Ried die Austria eindeutig beherrscht hat und in einem so wichtigen Spiel als klarer Sieger hervorgegangen ist. Es war ja nicht so, dass die Austria den Chancen nachtrauert, sondern Ried mit spielerischen Mitteln gewann.

LAOLA1: 1998 haben Sie mit ihrer Mannschaft das Team der Stunde im Cup-Finale ausgeschalten: Sturm.

Roitinger: Richtig, Sturm war damals in Ihrer Blüte, später in der Champions-League-Gruppenphase und sehr, sehr gut. Es war eine Sternstunde, dass wir Sturm besiegt haben. Wobei man sagen muss, dass damals der Unterschied zwischen den Spitzenmannschaften und dem Rest sehr groß war. Das ist nicht so wie jetzt, wo die Liga sehr ausgeglichen ist und sich Mannschaften wie Ried toll weiterentwickelt haben.

LAOLA1: Inwieweit muss hier Manager Stefan Reiter lobend hervorgehoben werden?

Roitinger: Man muss ihn lobend hervorheben. Er hat ein sehr gutes Händchen bewiesen und das über Jahre hinweg. Aufgrund der finanziellen Gegebenheiten darf sich Ried kaum Fehler erlauben und es spricht für ihn, dass er immer wieder Spieler findet, die die Mannschaft verstärken und ins Umfeld passen.

LAOLA1: Spielt der Charakter generell eine große Rolle bei Ried?

Roitinger: Es ist bestimmt so, dass sich über die Jahre der Großteil der Spieler, die geholt wurden, wohl gefühlt hat. Alle sagen, dass es eine schöne Zeit war, weil sie sich heimelig gefühlt haben. Der familiäre Charakter wurde immer wieder gewahrt und ist bestimmt auch ein Erfolgserlebnis.

LAOLA1: Sie haben es mit Ried nach wenigen Jahren in den Europacup geschafft.

Roitinger: Wir sind gegen MTK Budapest aufgestiegen und dann gegen Maccabi Haifa ausgeschieden. Da hat damals ein gewisser Yossi Benayoun gespielt, der zirka 19 Jahre war und von dem ich damals behauptete, er würde irgendwann bei Real Madrid spielen. Er hat auch seinen Weg gemacht, war damals auch schon der entscheidende Spieler, der uns den Gar ausgemacht hat.

LAOLA1: 1999 haben Sie ihre Tätigkeit als Ried-Trainer beendet. Nur 2003 sprangen Sie noch einmal kurz ein, den Abstieg konnten Sie aber nicht mehr verhindern.

Roitinger: Es war sicher nicht gescheit von mir, aber nachdem mir der Verein ans Herz gewachsen ist, bin ich eingesprungen. Im Nachhinein war der Abstieg aber vielleicht ganz gut. Wir waren damals acht Jahre in der Bundesliga, es hat sich alles ein wenig abgenützt. In dieser Zeit wurde mit dem Bau des neuen Rieder Stadions ein weiterer Meilenstein gesetzt. Von dem profitierte natürlich der Verein, alles erlebte dadurch wieder einen Aufschwung.

LAOLA1: Zum Thema Abstieg aber noch nachgehakt: Am letzten Spieltag verlor der zuvor festgestandene Meister Austria zu Hause gegen Bregenz, das Ried noch überholte. Ärgert Sie das noch?

Roitinger: Ich bin froh, dass Sie das ansprechen. Es war schon so, dass die Austria da schon gefeiert und eben Bregenz gewonnen hat. Aber letzten Endes darf man da nicht auf andere schauen. Wir haben aber natürlich nicht damit gerechnet, dass Bregenz auswärts gewinnt.

LAOLA1: Warum sind Sie nicht im Trainer-Geschäft geblieben?

Roitinger: Bis zu meinem 39. Lebensjahr gab es in meinem Leben nur ein Thema, Fußball. So gesehen hatte ich auch keine anderen Interessen. Insgeheim habe ich beim Ausstieg nach elf Jahren gewusst, dass ich das wahrscheinlich nicht mehr machen würde, weil ich auch kein Feuer mehr in mir spürte.

LAOLA1: Sie stehen zur Wahl als Trainer des Jahrhunderts – werden Sie es oder Paul Gludovatz?

Roitinger (lacht): Ich schätze Paul Gludovatz sehr, er hat Großartiges erreicht. Aber nachdem ich sehr viel länger in Ried war und sozusagen Lokalmatador bin, könnte es sein, dass ich Favorit für diese Auszeichnung bin.

LAOLA1: Was wünschen Sie der SV Ried zum 100. Geburtstag?

Roitinger: Ich wünsche ihr, dass dieser Weg der vergangenen Jahre so weiter geht. Davon bin ich auch überzeugt. Ried ist auf allen Linien sehr gut aufgestellt, sei es Mannschaft, Umfeld, Akademie, Begeisterungsfähigkeit der Fans. Ich denke, der Weg wird weiter nach oben gehen und die Kluft zwischen Ried und den großen Vieren immer kleiner. Das könnte bald der Fall werden.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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