"Ich war fasziniert von Sacchi"

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"Beste Entscheidung, nach Österreich zu kommen"

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Kurt Jara, Giovanni Trapattoni, Co Adriaanse, Huub Stevens, Ricardo Moniz, Roger Schmidt, Adi Hütter, Peter Zeidler.

Vor der elften Saison in der Red-Bull-Ära übernahm zum zweiten Mal ein Deutscher das Trainer-Amt bei den Salzburgern, zum ersten Mal wurde dabei ein Coach innerhalb des Klubs befördert.

Der 52-jährige Zeidler, der die vergangenen drei Jahre höchst erfolgreich mit dem Farmteam des FC Liefering arbeitete, hat die Chance bekommen, sich an vorderster Front zu beweisen.

Vor seinem Bundesliga-Debüt am Samstag in Mattersburg spricht der neue Cheftrainer im LAOLA1-Interview über seinen bisherigen Weg, Inspiration im Ausland und warum das Alter eines Spielers für ihn keine Rolle spielt.

LAOLA1: Als Adi Hütter seinen Hut nahm, wie sehr dachten Sie an diesen Job?

Peter Zeidler: Ich habe es in Frankreich mitbekommen und es war für mich überraschend. Aber ich war im Urlaubs-Modus, habe es am Anfang gar nicht glauben können. In weiterer Folge habe ich mitbekommen, dass die Nachfolge nicht entschieden war und dann bekam ich relativ schnell einen Anruf. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch mit anderen Trainern gesprochen wurde. Mit mir gab es auch Gespräche und die Verantwortlichen haben gesehen, dass ich viele Kriterien erfülle und in diesem Kontext die optimale Lösung bin. Jetzt geht es darum, dass wir das unter Beweis stellen.

LAOLA1: Wie wurden Sie Trainer?

Zeidler: Ich war natürlich selbst aktiv und habe in der Jugend in regionalen Auswahlen gespielt. Ich habe es dann nicht in den Profi-Bereich geschafft und so habe ich mich relativ schnell auf meine universitäre Laufbahn konzentriert. Daneben habe ich weiter Fußball gespielt – also ich kann dieses Spiel auch selbst spielen (lacht). Auch wenn es nicht professionell war, so ist ein Aufstieg in die fünfte oder vierte Liga eben etwas Großes. Da herrschen oft die gleichen Gesetzmäßigkeiten. Als Trainer habe ich relativ früh (mit 23 Jahren, Anm.) zu arbeiten begonnen, war beim VfB Stuttgart in der Jugend und habe schnell gemerkt, dass ich ein gewisses Talent dafür habe. Aber ich dachte mir nicht, dass ich Profi-Trainer werde. Ich habe meinen Beruf (Lehrer, Anm.) ausgeübt und mich daneben mit Fußball beschäftigt. In meiner Zeit in Aalen habe ich mich auch für die UEFA-Lizenz beworben und 2008 kam dann ein Sprung zu Hoffenheim. Für mich persönlich war mein Engagement in Tours ein großer Schritt. Ein große Weiterentwicklung fand dann beim FC Liefering statt. Hier habe ich richtig gelernt, im Team zu arbeiten. Dieses Team hat mich, aber vor allem das Ganze stärker gemacht. Das war das Prägendste. Und jetzt habe ich diese Möglichkeit und da bin ich mit vollem Elan dabei. Wir wissen, wie wir es angehen.

LAOLA1: Hat Sie Ralf Rangnick geprägt oder haben Sie einfach zueinander gefunden?

Zeidler: Wir haben dieselbe Auffassung von Fußball und auch dieselben Wurzeln, wie wir zu unserem Job gekommen sind. Wir haben beide an der Uni Stuttgart studiert, er Sport und Englisch und ich Sport und Französisch. Wir haben uns dort kennengelernt und er wollte auch damals, dass ich zum VfB komme. Wir waren dann immer in Verbindung und er hat mich nach Hoffenheim geholt. Nach meiner Zeit in Tours kam Red Bull, wohin er mich auch lotste. Eigentlich wollte ich in Frankreich bleiben, zumal die Möglichkeiten da waren. Im zweiten Anlauf bin ich gekommen und ich habe es nie bereut. Es war die beste Entscheidung meiner Trainer-Karriere, nach Österreich zu kommen. Im Ausland bekommt man auch einen anderen Blick auf den Fußball, das verbindet Ralf und mich ebenso, nämlich, dass wir uns Ende der 80er Jahre auch um den ausländischen Fußball gekümmert haben. Was macht eigentlich Arrigo Sacchi? Was macht Dynamo Kiew? Vielleicht schauen wir auch einmal, was die Spanier machen? Bei uns gab und gibt es Kaiser Franz, den wir natürlich alle bewundern, der nach dem WM-Titel 1990 sagte, mit den Jungs aus dem Osten sind wir auf Jahre unschlagbar (grinst).

LAOLA1: Von welchem Fußball waren Sie angetan?

Zeidler: Ich war fasziniert von Sacchi, mich hat auch früh der französische Fußball interessiert, zumal wir immer in den Ferien in Frankreich waren. Es gab Jugend-Turniere und ich bin mit dem VW Käfer an die Cote d’Azur gefahren. Es ist vielleicht typisch Deutsch, dass man sich zu sehr auf die Bundesliga fokussiert. Ich wollte mehr sehen und dachte, vielleicht könnte ich mir etwas abschauen.

LAOLA1: Was haben Sie sich abgeschaut?

Zeidler: Konkret das Raumdeckungsverhalten von Sacchi, das Pressing von Dynamo Kiew, nämlich auf dem ganzen Platz. Auch das Französische mit ein, zwei Ballkontakten. Vom systematischen Aspekt haben wir ebenfalls etwas mitgenommen, nämlich, dass es auch etwas abseits des 3-5-2 gibt. Da waren wir gewissermaßen Vorreiter, weil man das auch nirgends sehen konnte. Mittlerweile ist es normal, weil junge Menschen auch die Medien dazu haben, um andere Ligen zu verfolgen. Jetzt geht es darum, weiter Vorreiter zu bleiben und sich das Offene beizubehalten.

LAOLA1: Vor allem unter Roger Schmidt gab es Spiele, die nahe der Perfektion waren. Auch unter Adi Hütter spielte Salzburg erfolgreich. Was haben Sie vor?

Zeidler: Es ist in erster Linie so, dass wir viele neue Spieler haben. Wenn man sich die beiden vergangenen Saisonen ansieht, fehlen doch viele. Aber das ist kein Problem, denn wir haben neue. Auch wenn die Kampls, Manes, Ilsankers, Gulacsis sehr gut gespielt haben, jetzt gilt es etwas Neues aufzubauen. Wir wollen diese Dinge, die hier schon passiert sind, wieder aufgreifen, unseren Stil prägen und versuchen, erfolgreich Fußball zu spielen.

LAOLA1: Der Einzug in die Gruppenphase der Champions League wird zwar nicht proklamiert, die Mannschaft will das Ziel aber freilich erreichen. Kann sie nächste Woche schon Ihre Idealvorstellungen umsetzen?

Zeidler: Sicher noch nicht, aber wir werden konkurrenzfähig sein. Und wir werden topvorbereitet sein. Doch zuvor steht Mattersburg am Programm und ich weiß aus der vergangenen Saison, was uns dort erwartet. Da werden wir höchstkonzentriert sein, weil wir auch dazu aufgefordert sein werden. Wir müssen sehr gut spielen, um dort zu gewinnen. Wir wissen alles, was es dann für das erste Quali-Spiel in der Champions League zu wissen gilt. Aber der dauerhafte Erfolg einer Mannschaft zeichnet sich dadurch aus, sich auf das Momentane zu konzentrieren.

LAOLA1: Ist es eine Umstellung für Sie, nachdem Sie drei Jahre mit sehr jungen Spielern zusammengearbeitet haben, nun mit Routiniers zu arbeiten, oder bleibt es vom pädagogischen Standpunkt gleich?

Zeidler: Man muss natürlich mit einem 30-Jährigen anders umgehen als mit einem 18-Jährigen, aber die pädagogischen Grundsätze bleiben die gleichen. Die beinhalten immer zwei Dinge: Es geht um Liebe, also dass man die Spieler mag, und um Konsequenz. Ob der Spieler 18 oder 30 ist, ist dabei egal. Wenn der Ball bei Soriano beim Training im Aus ist, ist es dasselbe wie bei Konrad Laimer. Es ist egal bei wem, wenn es Verhaltensweisen gibt, die es zu verbessern gilt. Trotzdem müssen die Spieler merken, dass man für sie da ist und sie unterstützt. Es ist spannend. Ich kann mit Christian Schwegler über den internationalen Fußball reden, aber auch mit Smail Prevljak über ganz andere Themen. In Tours und auch in Liefering, zum Beispiel Aufhauser, Mair, Konrad, Schrott oder Bammer, habe ich mit älteren Spielern gearbeitet. Da hat es auch gepasst. Ich hatte hier das Gefühl, dass die routinierten Spieler gespannt auf mich sind, aber auch schnell gemerkt haben, dass einer in seiner Funktion als Cheftrainer etwas erreichen will. Spieler merken schnell, ob ein Trainer sie annimmt und mag oder ob er sie nur benutzt. Es geht um harte Arbeit und der Trainer muss auch einmal nervig sein, richtig auf den Geist gehen und Dinge einfordern.  

LAOLA1: Salzburg und Leipzig sind für viele untrennbar. Wie verhält es sich für Sie?

Zeidler: Wir haben unsere eigene Identität. Wir verfolgen natürlich mit großem Interesse, was Leipzig macht. Da gibt es auch Querverbindungen, etwa auch was Scouting oder Forschung betrifft. Wir versuchen zum Beispiel immer wieder einmal, innovativ zu sein. Aber Red Bull Salzburg kann in Europa eine Rolle spielen, das kann RB Leipzig derzeit noch nicht.  

LAOLA1: Aus Lieferinger Zeiten kennen wir Sie sehr lebhaft an der Seitenlinie. Nehmen Sie das in die Bundesliga mit?

Zeidler: Ich möchte mitgehen, aber auch nicht überziehen. Wichtig ist für mich, dass ich klar analysieren kann. Die Entwicklungen im Spiel sollen nicht an mir vorbeigehen, nur weil ich mich gefreut oder geärgert habe. Das soll mich nicht abhalten, genau zu wissen, was gerade abläuft.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Ist die Trainer-Arbeit im Vergleich zu Liefering nun anders?

Zeidler: Es verändert sich immer etwas. Etwa in der Medienarbeit. Aber so wie man Fußball sieht, so wie man erfolgreich Fußball spielen will, das ist immer gleich. Egal, ob unten oder oben. Es geht darum, dass man klare Vorstellungen hat, die Spieler gleich denken, mit Konsequenz Dinge einfordert und es mit Begeisterung macht. Die Art und Weise der Mannschaftsführung sowie vom Team rundherum ist sehr wichtig, so dass man sich auch Energie geben kann. So sehe ich die Ansätze.

LAOLA1: Wie soll Ihre Handschrift aussehen?

Zeidler: Ich will einfach, dass man sieht, die Mannschaft hält zusammen, hat einen klaren Plan und macht gemeinsam etwas mit und gegen den Ball. Sie soll als Einheit auftreten. Wir wollen mit diesen besonderen Bedingungen, die wir in Salzburg haben, einen besonderen Fußball spielen. Wir wollen das, was in den vergangenen beiden Jahren war - offensiv verteidigen und weiter eine Rolle spielen. Wir verfolgen seit Trainingsbeginn klare Ziele, wie wir spielen wollen. Es gibt einen roten Faden. Mit großer Begeisterung einüben, trainieren und dann auf den Platz bringen. Aber große Töne spucken, das liegt mir fern. Sie werden nichts von einem unheimlichen Gegenpressing hören. Wir haben natürlich den Anspruch, besonders zu spielen und dann die Taktik als zwölften Mann einzusetzen. Durch synchrones Agieren bei Ballbesitz und wenn der Gegner den Ball hat. Wir sagen nicht, Jonatan Soriano haut die Bälle sowieso rein und bei Martin Hinteregger brennt nichts an – so werden wir die Hälfte der Spiele schon gewinnen. Wir haben einen Anspruch und das ist ein Prozess.

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