"Das fängt vorne an und hört hinten auf"

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Es ist Anfang März und Salzburg ist so gut wie aus dem Titelrennen.

Vom Zeitpunkt her eine Premiere in der Red-Bull-Ära, die seit 2005 währt. Offiziell haken die „Bullen“ die Titelverteidigung aus rein rechnerischer Hinsicht noch nicht ab, aber auch Kapitän Alexander Walke muss im Gespräch mit LAOLA1 eingestehen: „Das wird nun eine schwierige Aufgabe für uns.“

De facto ist es eine unlösbare, sieht man sich die Rekordform des Tabellenführers Austria Wien an.

Das 1:1 im Nachtrag in Wolfsberg war wie das 3:3 zu Hause gegen Rapid zum Frühjahrsauftakt ein Salzburger Rückschlag, der die große Aufholjagd gleich zu Beginn ins Stocken geraten ließ.

LAOLA1: Austria-Trainer Peter Stöger hat nach eurem 1:1 beim WAC Gratulationen zum Titel abgewehrt. Zu Recht? Ist es dafür noch zu früh?

Alexander Walke: So lange es rechnerisch noch möglich ist, ist es immer zu früh. Ich denke, im Fußball sind schon oft genug Dinge passiert, mit denen man nicht gerechnet hat. Aber im Großen und Ganzen wird das nun eine schwierige Aufgabe für uns.

LAOLA1: Weil es aus Salzburger Sicht zu wenig ist, was man zeigt und etwa in Wolfsberg gezeigt hat?

Walke: Mit Sicherheit. Im Endeffekt entscheidet das Ergebnis, wir haben genauso viele Treffer wie der Gegner erzielt und von daher war es nur eine Punkteteilung.

LAOLA1: Woran scheiterte die große Punktejagd bislang 2013?

Walke: Wir machen es momentan dem Gegner zu einfach, Tore zu schießen. Und wenn wir das Spiel in Wolfsberg hernehmen, muss man sagen, dass wir für unsere Verhältnisse zu wenige Torchancen hatten.

LAOLA1: Fangen wir defensiv an: Worauf basiert die Abwehrschwäche?

Walke: Es ist aktuell so, dass jeder einmal einen Fehler macht und das summiert sich dann. Das ist ganz einfach, das müssen wir einfach abstellen. In der Schlussphase, in der wir offensiver spielen mussten, weil wir noch gewinnen wollten, hatte Wolfsberg Konterchancen. Das ist normal. Aber zuvor hatten sie auch keine richtigen Chancen.

LAOLA1: Trägt folglich das offensiv ausgerichtete System keine Schuld an den defensiven Problemen?

Walke: Das hat mit dem System nichts zu tun. Jeder hat seine Aufgabenbereiche, die müssen einfach erfüllt werden. Das fängt vorne an und hört hinten auf. Wenn wir unsere individuellen Fehler abstellen, dann ist das schon einmal ein großer Schritt nach vorne. Das ist der Hauptpunkt.

LAOLA1: Kommen wir ins Mittelfeld: Du bist der älteste Stammspieler (29), aber im Tor. Fehlt manchmal ein Routinier, der das Spiel beruhigt oder für Ordnung in hektischen Phasen sorgt?

Walke: Ich denke, man muss nicht alt sein, um das Spiel beruhigen zu können. Zudem haben wir gestandene Spieler, die schon zahlreiche Bundesliga-Partien absolviert haben. Ich glaube, so einer fehlt uns nicht.

LAOLA1: Und zu guter Letzt die Offensive: Ist diese manchmal zu verspielt oder zu ideenlos?

Walke: Wir haben in den letzten Spielen etwas zu kompliziert gespielt, manchmal ist der einfachere Ball die bessere Lösung. Sicherlich ist das in der Kürze der Zeit, die einem für einen Pass bleibt, nicht immer leicht, das zu entscheiden. Aber zuvor hat uns das auch ausgezeichnet und schließlich hat unsere Offensive in den zwei Spielen zuvor sechs Treffer erzielt. Am Mittwoch haben wir unter schwierigen Bedingungen auch eines gemacht. So schlecht sind wir offensiv auch nicht.

LAOLA1: Und dennoch liegt die Austria weit voran. Liegt das alleine an ihrer unglaublichen Saison?

Walke: Wir haben sicherlich in der Hinrunde viele Punkte liegengelassen, die wir nicht liegen hätten lassen müssen oder Spiele abgeliefert, in denen wir uns selbst nicht belohnt haben. Es ist schwierig zu sagen.

LAOLA1: Wie sieht es innerhalb der Mannschaft aus? Gibt es mehr Optimisten oder Realisten?

Walke: Wir tun gut daran, darüber weniger nachzudenken. Einfach ans nächste Spiel denken, das ist am Sonntag auswärts gegen Wacker. Das wird schwierig genug, dann wartet auch auswärts die Admira. Von einer Partie zur nächsten denken und versuchen, die Punkte zu holen.

LAOLA1: Und man könnte die Mannschaft, die dieses Jahr keinem Umbruch unterzogen werden sollte, wohl für die kommende Saison samt möglicher Champions-League-Quali vorbereiten, oder?

Walke: Sicherlich, aber im Fußball geht es so schnell. Jetzt schon von nächster Saison zu sprechen, das ist etwas verfrüht.

LAOLA1: Zumindest sollte die Champions-League-Quali aber gesichert sein, sieht man sich die kriselnden Klubs dahinter an, oder?

Walke: Wir brauchen uns nicht über die anderen Klubs unterhalten. Wichtig ist, dass wir unsere Spiele gewinnen. Dann sollte das passen.

LAOLA1: Ist es aber vor allem für das Umfeld beruhigend, das heuer auch ein zweiter Platz für die CL-Quali reicht?

Walke: Ja, mit Sicherheit.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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