"Jeder, der mit uns die Reise gehen will, ist eingeladen"

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Im Blitzlichtgewitter und im Scheinwerferlicht zahlreicher Kameras betrat Ralf Rangnick um 12:43 Uhr das Podium des Salzburger Presseraums.

Mit dabei: Roger Schmidt, der neue Cheftrainer der „Bullen“, Oliver Glasner, der Sportkoordinator und Volker Viechtbauer, Vorstandsmitglied und Leiter der Rechtsabteilung im Dosen-Konzern.

Knapp 50 Minuten referierten die drei Herren – Glasner blieb ohne Kommentar - über die zukünftige Ausrichtung des RB-Fußball-Imperiums.

Vor allem Rangnick stand im Mittelpunkt des Interesses, ist der Deutsche doch ab sofort der neue starke Mann bei Red Bull.

LAOLA1 hat den Ausführungen des 53-Jährigen aufmerksam zugehört und die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

… DEN ERSTEN KONTAKT ZU RED BULL:

Es ist alles sehr schnell gegangen. Am Freitag vor einer Woche gab es den ersten Kontakt. Herr Mateschitz hat mich angerufen, daraufhin haben wir uns getroffen. Ich hätte das damals für schlicht unmöglich gehalten, aber die Gespräche mit Herrn Mateschitz waren nicht nur zügig, sondern auch schnell zur Sache kommend. Wir waren schnell auf einem gemeinsamen Nenner, was die Vereine Salzburg und Leipzig betrifft.

… DEN REIZ SEINER NEUEN AUFGABE:

Es war für mich schon in den letzten zwei Monaten klar, dass es wieder losgehen kann. Es geht viel um Motivation. Für mich war klar, dass ich nur dann anfange, wenn alles passt. Und ich spüre, dass es die richtige Aufgabe ist. So eine Aufgabe hatte ich bislang noch nicht – es ist eine riesige Herausforderung. Wir wollen alle mit auf die Reise nehmen, jeden motivieren. Jeder, der mit uns die Reise gehen möchte, ist herzlich eingeladen.

… SEINEN AUFGABENBEREICH:

Ich habe in den Gesprächen mit Houllier und Herrn Mateschitz relativ schnell gemerkt, dass ich zu den Aufgaben nicht auch noch den Trainer machen kann. Mein Aufgabengebiet ist so anspruchsvoll und groß, man muss zum jeweiligen Zeitpunkt die richtigen Prioritäten setzen. Ich habe auch schon bei Hannover, Ulm und Hoffenheim viele Dinge parallel gemacht und war nicht nur Fußballlehrer auf dem Platz. Ich war auch „Projektleiter“, das heißt viele Aufgaben sind mir nicht neu.

… DIE ZIELE MIT SALZBURG UND LEIPZIG:

Es gibt weltweit keine andere Konstellation, wo zwei Vereine in zwei Ländern unter dem gleichen Dach angesiedelt sind. Unser Ziel ist es, nach ähnlichen Grundsätzen und Vorgaben in beiden Vereinen zu arbeiten. Dann können in den nächsten Jahren schöne Synergien entstehen. In Leipzig wollen wir mit einem überdurchschnittlichen Etat für die vierte Liga in die dritte Liga aufsteigen. Salzburg war in den letzten Jahren ein paar Mal Meister, hat sich aber nie für die Champions League qualifiziert. Auch die Art und Weise, wie gespielt wurde, habe ich beobachtet. Es kann nicht sein, dass nur 3.000 Zuschauer ins Stadion kommen. Salzburg war einmal eine richtige Fußball-Stadt und wir wollen die Leute mit Offensiv-Fußball wieder ins Stadion bekommen.

… DIE DAUER SEINES VERTRAGES:

Mein Vertrag läuft drei Jahre. In Hoffenheim haben wir einen Kontrakt für fünf Jahre abgeschlossen, aber das war etwas anderes, da der Verein vorher noch nie im Profi-Fußball auf der Landkarte war. Hopp hat damals im ersten Gespräch zu mir gesagt, dass er mit 70 Erstliga-Fußball sehen möchte. Dass es dann in zwei Jahren geklappt hat, war nicht vorherzusehen. Man wird sehen, wie es bei Red Bull aufgeht. Wir sind jedenfalls heiß drauf, die richtigen Schritte auf den Weg zu bringen. Wir wollen attraktiven Fußball zeigen und die Zuschauer begeistern. Daran müssen wir uns messen lassen.

… DAS PROZEDERE BEI TRANSFERS:

Percy van Lierop (Nachwuchschef, der bislang auch bei Personalentscheidungen mitreden konnte, Anm.) kennen wir beide noch nicht. Ich weiß auch nicht, was er bisher gemacht hat. Aber bei uns wird es so sein, wie bei jedem anderen Bundesliga-Klub in Deutschland auch. Wir werden es so handhaben, wie wir es kennen, deshalb ist auch wichtig, dass Roger und ich eine hohe Affinität zueinander haben. Wenn wir von einem Spieler sprechen, den wir beide kennen, werden wir uns immer austauschen. Wenn Roger einen Spieler haben will, den ich nicht kenne, hat er sicher einen Stern mehr. Das habe ich als Trainer auch so gehalten. Aber im Normalfall streben wir an, dass wir beide einen Spieler wollen.

...DAS VIEL ZITIERTE 8-8-8-MODELL:

Nach diesen Kriterien habe ich noch nie einen Kader zusammengestellt. Es kommt natürlich auf die Ausgeglichenheit an, aber ich schaue mir nicht jeden Tag die drei Achter an. Wenn wir bei 7-9-6 stehen, ist es auch in Ordnung. Wir werden jetzt die aktuellen Spieler anschauen und dann einen Schritt schlauer sein. Was haben wir da, wo gibt es noch Defizite? In Hoffenheim hatten wir ein Durchschnittsalter von 22 Jahren, der älteste Spieler war damals Andi Ibertsberger. Salzburg und Leipzig haben jetzt ein Durchschnittsalter von rund 28 Jahren. Da geht es darum, dass wir verjüngen und zusätzliche Qualität herbeiführen.

 … DIE WICHTIGKEIT DES NACHWUCHSES:

Mein Job beinhaltet alle Aufgabenbereiche, auch und gerade den Nachwuchs. Es sollte in Leipzig kein junges Talent aus der ehemaligen DDR geben, das nicht durch die Akademie von RB Leipzig geht. Die Rahmenbedingungen sind überragend, jetzt geht es um die Durchlässigkeit. Es geht darum, dass die Besten oben eine Chance haben. Es muss das Ziel sein, dass ein Vater einen jungen Alaba oder Harnik zu RB Salzburg oder Leipzig bringt.

… DEN VERZICHT AUF NIKO KOVAC:

Ich kenne Niko Kovac nicht. Ich kannte zwar auch Roger Schmidt nicht, aber es hat etwas mit der zukünftigen Ausrichtung zu tun. Es geht um unseren Weg. Darum war es eine klare Entscheidung für Roger Schmidt, für die Art Fußball, wie ich sie mir vorstelle. Da fallen mir persönlich auch gar nicht so viele Kandidaten ein, die da dazu gepasst hätten.

Aufgezeichnet von Kurt Vierthaler

… SEINEN GESUNDHEITSZUSTAND NACH SEINEM BURNOUT:

Es geht mir wieder gut, ich fühle mich so gut wie schon ewig nicht mehr. Die körperliche Frische ist da, dazu stecke ich voller Tatendrang und Energie. Nach Hoffenheim beziehungsweise vor Schalke war das nicht so. Da waren meine Werte auch richtig schlecht. Die Dinge waren nicht in der Balance, aber ich möchte sie nicht mit einem medizinischen Bulletin langweilen. Fakt ist, dass ich einige Dinge verändert habe. Man kann nicht ständig online sein, dafür ist der Mensch nicht geschaffen. Auch meine Ernährung habe ich verändert, hoffentlich nachhaltig. Außerdem schalte ich jetzt auch mal drei, vier Stunden das Handy aus und bin nicht erreichbar. Das habe ich aus den vergangenen Monaten gelernt.

… SEINEN KÜNFTIGEN WOHNSITZ:

Ich werde mir eine Wohnung in Salzburg suchen, das wird mein Ausgangspunkt sein. Ich habe aber noch einen Wohnort in  meiner Heimat Backnang. Mein jüngster Sohn macht noch ein Jahr Abitur, deswegen bleibt die Familie dort wohnen. Aber es gibt sehr gute Verbindungen von Stuttgart nach Salzburg. Auch von Stuttgart nach Leipzig ist es nicht so weit.

… DEN ERSTEN KONTAKT MIT ROGER SCHMIDT:

Zum allerersten Mal haben wir am Donnerstag miteinander gesprochen, am Freitag haben wir uns dann das erste Mal gesehen. Es ist so, dass ich nicht nur Spieler gescoutet habe, sondern auch geschaut habe, wie entwickeln sich Trainer. Volker Finke hat einmal gesagt: Eines der Probleme im deutschen Fußball ist, dass es keine Trainersichtung gibt. Ich habe die Entwicklung von Roger genau mitverfolgt, vor allem in der vergangenen Saison, als er mit Paderborn für Furore sorgte. Er hat auch schon in unteren Ligen gute Arbeit geleistet. Der Fußball funktioniert immer nach den gleichen Prinzipien, egal in welcher Liga. Wir haben uns intensiv über unsere Entwicklungen und Ansichten ausgetauscht, und gleich gemerkt, dass wir die gleiche Philosophie vertreten.

… DIE KÜNFTIGE ZUSAMMENARBEIT MIT HOULLIER:

Er hat eine unglaubliche Erfahrung und ein unglaubliches Charisma. Er war auch bei den ersten beiden Gesprächen dabei. Gerard wird für viele Dinge zuständig sein: Für die Akademien und auch für New York. Sein Hauptsitz wird in Paris sein. Derzeit ist er noch für die UEFA bei der EURO vor Ort. Sein Netzwerk und sein Know-how in Frankreich und England wird uns enorme Dienste erweisen, gerade auch im Nachwuchs. Wir können alle von ihm als Mensch und von seinen Erfahrungen profitieren, er wird sicher auch öfter mal hier in Salzburg sein.

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