"Ich sehe es nicht als Duell"

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"Für mich gibt es nie einen Konkurrenten"

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Erst im Frühjahr durfte sich Helge Payer wieder über den Aufstieg zur Nummer eins bei Rapid freuen. Nach einem entspannten Urlaub muss er nun aber einen neuen Konkurrenten begrüßen.

Mit Jan Novota will Trainer Peter Schöttel den Konkurrenzkampf forcieren. Für Payer ist die neue Situation jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

"Wenn ich an Rapids Stelle wäre, würde ich es wahrscheinlich genauso machen", gibt der 31-jährige Keeper im LAOLA1-Interview offen zu.

Zudem nimmt er Stellung zu seinem neuen Vorgesetzten Raimund Hedl, erklärt, warum eine Kahn/Lehmann-Beziehung nicht funktionieren könnte und verrät, was die Derby-Vorfälle ihn ihm verändert haben.

LAOLA1: Mit Jan Novota wurde dir ein Konkurrent an die Seite gestellt. Ist die Entscheidung für dich nachvollziehbar?

Helge Payer: Naja, nachvollziehbar. Mir tut es leid für Lukas Königshofer, der sich gefreut hat, dass er die Nummer zwei wird. Andererseits sind zumindest die Top-Vereine der Bundesliga fast doppelt gleichwertig besetzt. Das wollte Rapid auch machen, das ist für mich ganz legitim. Wir haben große Ziele bei Rapid und dazu braucht man drei gute Torhüter.

LAOLA1: Trainer Schöttel wollte unbedingt einen weiteren Torhüter. Siehst du das nicht als fehlendes Vertrauen in deine Person?

Payer: Überhaupt nicht. Peter Schöttel hat sich vor der Saison mit mir getroffen und mir mitgeteilt, dass sich Rapid um einen Konkurrenten für mich umschaut. Wenn ich Rapid wäre, würde ich es wahrscheinlich genauso machen. Ich freue mich auf ein gutes, faires Konkurrenzverhältnis. Wenn beide Torhüter stärker werden, dann hilft das auch dem Verein. Letztendlich wollen wir ja Großes erreicht.

LAOLA1: Tatsache ist, dass ein Keeper geholt wurde, mit dem du dir ein Duell um die Nummer eins liefern sollst.

Payer: Ich sehe kein Duell, für mich gibt es nie einen Konkurrenten. Ich habe mir in den letzten Jahren angewöhnt, den Fokus auf mich zu legen. Wenn du immer an das große Konkurrenz-Verhältnis denkst, kannst du als Tormann keine Leistung bringen. Es kann dich anspornen, aber wenn es dich lähmt, wird es dir nicht weiterhelfen. Konkurrenz belebt das Geschäft und macht mich sicher stärker.

LAOLA1: Lukas Königshofer ist wohl der größte Verlierer bei diesem Transfer. Hätte er sich deiner Meinung nach, nicht eine Chance verdient?

Payer: Einerseits tut es mir leid für Lukas, andererseits war es bei mir in seinem Alter genauso. Es sind immer wieder Torhüter gekommen. Bei Christian Gratzei sind in den letzten fünf, sechs Jahren immer Torhüter gekommen, die auf einmal Nummer eins waren. So was muss man verkraften, auch in jungen Jahren. Ich kann nur an Lukas appelieren, dass er jetzt erst recht zeigen soll, wie gut er ist.

LAOLA1: Welchen Eindruck hast du von Rapids neuem Torhüter Jan Novota?

Payer: Jan ist ein sehr netter Kollege. Er erinnert mich vom Schmäh her ein bisschen an Ladi Maier. Er hat sich sehr gut präsentiert. Ich bin sehr angetan von seinen technischen Fähigkeiten, die meist bei großen Torhütern nicht so ausgereift sind. Für seine Größe ist er ein großartiger Tormann.

LAOLA1: Kann eine Kahn/Lehmann-Beziehung - zwei Keeper, die sich nicht leiden konnten - mehr pushen, als ein Duell unter Freunden?

Payer: Zwischen Kahn und Lehmann ist sehr viel aufgebauscht worden, die haben sich nicht gewollt. Die hätten nie bei einem Verein spielen können, im Nationalteam ist das was anderes. Bei einer großen Mannschaft wie Deutschland kann das pushen, in Österreich kann das auch nicht funktionieren. Wir können nur gut spielen, wenn die Mannschaft harmonisch ist. Wenn da die Torhüter Unruhe reinbringen, würden wir als Außenseiter in den meisten Spielen nie erfolgreich sein.

LAOLA1: Mit Raimund Hedl hast du einen neuen Torwart-Trainer. Ist es ein komisches Gefühl, von einem früheren Kollegen trainiert zu werden?

Payer: Überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich habe mich sogar für ihn eingesetzt. Er kennt mich seit knapp 15 Jahren und weiß genau, wie ich ticke. Er weiß, was ich brauche, um Top-Leistungen zu bringen. Das ist sehr wichtig und wird uns beide pushen. Es taugt mir, mit „Mundi“ zusammen zu arbeiten.

LAOLA1: Wie kann man sich die Beziehung zwischen dir und "Mundi" vorstellen?

Payer: Wir kennen uns schon so lange, da ist man auch außerhalb des Platzes befreundet und redet über andere Dinge. Am Platz geht es aber ums Geschäft. Da geht es darum, dass er mich stärker macht und ich auf ihn höre. Das fällt mir sehr leicht, weil wir eine ähnliche Philosophie haben. Das war eine gute Entscheidung.

LAOLA1: Vom Konkurrenten zum Vorgesetzten aufzusteigen, ist aber selbst im Fußball-Geschäft nicht so üblich.

Payer: Vor ca. 20 Jahren war es das gleiche mit „Funki“ Feurer, der nur ein Jahr nach seiner Karriere Tormann-Trainer von Michael Konsel wurde. Das hat super funktioniert. Das weiß Rapid. Feurer hat Hedl auch von Mattersburg zu Rapid zurückgeholt, mit dem Hintergedanken, dass er Tormann-Trainer wird. Das ist über die letzten Jahre aufgebaut worden.

LAOLA1: War der Umbruch bei Rapid nach der verpatzten Saison deiner Meinung nach notwendig?

Payer: Es ist immer die Frage, wann ein Umbruch kommt. Jetzt ist er zustande gekommen und es ist oft gut, wenn sich was in einem Verein tut. Nach der letzten Saison hat es nach einem Umbruch geschrien.

LAOLA1: Haben die Derby-Vorfälle in dir etwas verändert?

Payer: Natürlich haben die Derby-Vorfälle vieles verändert. Wenn man ins Hanappi-Stadion gekommen ist, war es das Schönste, vor den Fans zu stehen und zu wissen, dass sie fast die beste Stimmung auf der Welt machen. Da ist in einigen Spielern schon ein Teil gestorben. Das muss man erst verarbeiten und schauen, wie man in Zukunft damit umgeht.

LAOLA1: Welchen Eindruck hast du von "Rapid-Neu"?

Payer: Ich habe einen extrem positiven Eindruck. Es hat sich viel getan. Ich kann nur hoffen, dass wir gut in die Saison starten, dann ist mit dieser sehr jungen, schlagkräftigen und dynamischen Mannschaft wieder sehr viel möglich.

LAOLA1: Ist Schöttel der richtige Mann für den Neuanfang in Wien-Hütteldorf?

Payer: Ich habe mit Peter selbst noch gespielt und kenne ihn schon sehr lange. Er ist in dieser Phase der richtige Mann, weil er die nötige Ruhe mitbringt und es den Spielern vermitteln kann. Vor allem bei Jungen ist es wichtig, dass sie nicht nervös ins Spiel gehen. Ich glaube, dass mit diesem Trainerteam die richtige Mischung gefunden wurde.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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