Seine finale Kaderplanung

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"Wäre kein Problem gewesen aufzuhören“

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Es waren ereignisreiche Tage und Wochen für Thomas Parits.

Zuerst das Zittern mit seiner Austria im Kampf um einen internationalen Startplatz. Dann der Poker um einen neuen Vertrag und schlussendlich die Trainersuche.

Die Ergebnisse sind bekannt: Die Veilchen müssen nächste Saison im Europacup zusehen, der Burgenländer bleibt ein weiteres Jahr in Wien-Favoriten als AG-Vorstand Sport im Amt und mit Gerald Baumgartner wurde der 30. violette Trainer seit 1990 präsentiert.

Zeit zum Ausruhen bleibt dem 67-Jährigen jetzt dennoch keine, ist doch die Kaderplanung im vollen Gang.

Diese wird Paritis ein letztes Mal in Angriff nehmen, denn spätestens im nächsten Sommer ist Schluss. Sobald ein Nachfolger gefunden wird, könnte der Ex-Internationale seinen Stuhl sogar früher räumen.

Im LAOLA1-Interview spricht Austrias Sportmanager über die Aktivtäten am Transfermarkt, seinen Status beim Klub und das Engagement von Gerald Baumgartner.

LAOLA1: Herr Parits, Gerald Baumgartner ist der neue und zugleich 30. Austria-Trainer seit 1990. Warum wird es eine erfolgreiche Zusammenarbeit?

Thomas Parits: Gerald hat in den letzten zwei Jahren bewiesen, dass er gute Arbeit geleistet hat. Er hat mit Pasching den Cup gewonnen und ist mit St. Pölten ins Finale eingezogen. Zudem hatte er gute Lehrjahre in Salzburg. Ich habe mich bei verschiedenen Trainern, die mit ihm zusammengearbeitet haben, erkundigt. Es gab ein sehr positives Feedback. Er steht für einen offensiven Fußball und daher glaube ich, dass er sehr gut zu uns passt. Gerald wird die Chance bei uns nützen, sich als Trainer weiterzuentwickeln.

LAOLA1: Es ist kein Geheimnis, dass Baumgartner nicht die erste Wahl war. Was hat nach der Schmid-Absage für ihn gesprochen?

Parits: Wir wollten einen österreichischen Trainer und die Philosophie, die unter Peter Stöger begonnen hat – also frühes Pressing – fortsetzen. Wir wussten, dass die Gespräche mit Köln bezüglich Manfred Schmid durch die ganze Geschichte rund um die Ablöse von Peter Stöger sehr schwer werden würde. Die Chance ihn zu bekommen, war sehr gering, dennoch haben wir es bis zum Schluss probiert. Danach war Gerald Baumgartner unser Ansprechpartner. Auch da war es nicht klar, ob es funktioniert, da wir keine hohe Ablösesumme an St. Pölten bezahlen wollten. Schlussendlich wurde eine gute Lösung gefunden. Ich bin froh, dass ihm die Chance bei uns nicht verbaut wurde.

LAOLA1: Beinhaltet dieses Lösung, dass noch ein Spieler der Austria nach St. Pölten übersiedelt?

Parits: Wenn der neue St.Pölten-Trainer einen Spieler von unseren Amateuren haben will, können wir darüber reden. Es kommt natürlich auch darauf an, ob unser Spieler zu St. Pölten will. Wir sind jedenfalls so verblieben, dass wir den Niederösterreichern einen Akteur kostenlos ausleihen, genauso wie es letztes Jahr bei Martin Harrer und Altach der Fall war. Mal sehen, welchen Mann sich der neue St. Pölten-Trainer aussucht.

LAOLA1: Rechnen Sie eigentlich damit das volle Jahr im Amt zu bleiben? Immerhin hat die Austria bereits angekündigt, dass wenn ihr Nachfolger gefunden ist, für Sie Schluss sein könnte.

Parits: Wenn zum Beispiel im letzten Drittel des Jahres ein Neuer kommt, wird er dazukommen oder ich werde meinen Urlaub konsumieren. Ich habe noch genug Tage stehen. Der Vertrag wird aber sicher über ein Jahr laufen. Mal schauen was passiert. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich für den Posten des Vorstands Sport jemanden einschulen muss. Kommt der Mann rechtzeitig, wird er auf jeden Fall die neue Saison planen.

LAOLA1: Sind Sie froh, dass Sie mit Gerald Baumgartner wohl zum letzten Mal eine Trainerfrage klären haben müssen?

Parits: So etwas ist immer schwierig. Das letzte Jahr war nicht einfach. Wenn ein Trainer so erfolgreich arbeitet wie Peter Stöger, er zu dir kommt und sagt, er hat ein super Angebot aus Köln und will dort hin, kannst du ihm den Weg nicht verbauen. Es ist praktisch dasselbe bei Gerald Baumgartner. Er hatte das Angebot von uns. Da kann sich St. Pölten eigentlich nicht auf die Beine stellen und sagen: Du musst bei uns bleiben. Diese Chance kann man jemanden nicht verbauen.

LAOLA1: Glauben Sie, dass der Schatten, den Peter Stöger auf die letzte Saison geworfen hat, nun etwas verblichen ist?

Parits: Ja. Von dem müssen wir uns trennen. Wir können nicht mehr von dieser Zeit schwärmen. Was war, gehört der Vergangenheit an. Das war auch das Problem von Nenad Bjelica. Wir hatten mit ihm durch den Einzug in die Champions League einen unglaublichen Erfolg, dennoch wurde immer wieder gesagt: Bei Peter was das so und so.

 

Das Gespräch führten Martin Wechtl und Harald Prantl

LAOLA1: Wie sieht ansonsten die Kaderplanung aus?

Parits: Wir sind gut besetzt. Der Abgang von Tomas Jun wurde durch Marco Meilinger kompensiert. Da Kaja Rogulj in die Schweiz zu Luzern gegangen ist, besteht in der Innenverteidigung Handlungsbedarf. Ich bin in guten Gesprächen mit einem routinierten, internationalen Teamspieler. Klappt es, sind wir sehr gut aufgestellt. Es kommen maximal noch drei weitere Spieler dazu. Unabhängig davon, ob Spieler wie Lindner, Hosiner oder Suttner bleiben. Wir sind in der Planung auf einem guten Weg.

LAOLA1: Kehrt Rubin Okotie im Sommer zurück?

Parits: Rubin hat noch einen Vertrag bei uns. Er hat sich aber sehr gut in Dänemark präsentiert. Er kann jederzeit zu uns zurückkommen. Sein Manager hat mit aber gesagt, dass er gute Angebote vorliegen hat. Vielleicht bleibt er in Dänemark.

LAOLA1: Gibt es Neuigkeiten im Werben um Richard Windbichler?

Parits (lacht): Nein, wir haben noch keine Verhandlungen mit Windbichler geführt. Aber er ist ein sehr guter Spieler.

LAOLA1: Zu ihnen persönlich: Ihr Vertrag wurde um ein Jahr verlängert, danach ist aber definitiv Schluss. Wie gehen Sie damit um?

Parits: Ich hoffe sehr erfolgreich. Es wäre optimal, sich mit einem Titel zu verabschieden. Auch Platz zwei und damit die CL-Quali wäre sehr schön. Ich hatte mit Präsident Wolfgang Katzian sehr gute Gespräche. Aufzuhören wäre für mich kein Problem gewesen. Wir haben uns aber auf eine Verlängerung geeinigt. Ich hatte hier eine schöne und erfolgreiche Zeit und war sehr zufrieden. Der Verein hat jetzt ein Jahr Zeit, einen Nachfolger zu finden. Das ist eine gute Lösung. Ich hoffe, es wird ein guter Mann gefunden, der meine Arbeit fortsetzen wird.

LAOLA1: Sind Sie in der Nachfolger-Suche involviert?

Parits: Nein. Das mache ich nicht. Das muss der Klub machen. Ich gehe aber davon aus, dass ein kompetenter Mann gefunden wird.

LAOLA1: Das heißt, Wolfgang Katzian hat Sie nicht gefragt, wenn Sie nehmen würden?

Parits: Nein.

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