"Das weckt bei Sabitzer natürlich Begehrlichkeiten"

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Marcel Sabitzer. Louis Schaub. Christopher Dibon. Guido Burgstaller. Terrence Boyd.

Namen über Namen, die zuletzt die Gerüchteküche zum Brodeln brachten und den Rapid-Verantwortlichen wohl schlaflose Nächte bereiteten.

Vor allem Ersterer soll bereits mit einem Fuß bei einem neuen Verein stehen. Doch Sportdirektor Andreas Müller will davon nichts wissen:

„Sabitzer hat nichts gesagt, es hat kein offizielles Angebot gegeben. Die Ausstiegsklausel gibt es in schriftlicher Form, also erwarte ich mir auch, dass uns schriftlich mitgeteilt wird, wenn jemand diese ziehen will.“

Die Kaderplanung ist in vollem Gange, zu vermelden gibt es allerdings noch nichts, auch wenn mit "mehr als zwei Spielern" Gespräche geführt werden. Viel mehr beschäftigen die Öffentlichkeit die Abwanderungsgerüchte.

Im Gespräch mit LAOLA1 klärt Müller offene Fragen, nimmt zu Sabitzer, Schaub und Co. Stellung, kann aber gleichzeitig die Gefahr möglicher Abgänge nicht ausschließen.

LAOLA1: Während andere in den Urlaub gehen, herrscht für Sie die intensivste Zeit. Wie weit ist die Kaderplanung schon fortgeschritten?

Andreas Müller: Wir haben schon in der gesamten Frühjahrssaison intensiv daran gearbeitet, wie unser Kader aussehen soll. Aber wir werden sicherlich noch einige Zeit brauchen, um definitiv die Spieler, die wir gerne zu Rapid holen wollen, verpflichten zu können. Es ist eigentlich noch gar nicht so richtig Transferzeit, die kommt erst noch. Aber der Markt ist schon langsam in Bewegung. Wichtig für uns ist, dass wir klar positioniert sind, auf welchen Positionen innerhalb des Kaders wir uns gerne optimieren möchten. Die Gespräche mit den Spielern, die wir geführt haben, waren sehr positiv. Jetzt sind natürlich Gespräche mit den Vereinen an der Reihe. Das kann mitunter dauern.

LAOLA1: Verstärkungen sollen mitunter aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Trotzdem wird man um Neuverpflichtungen nicht herum kommen, oder?

Müller: Verstärkungen aus dem Nachwuchs klingen sehr ambitioniert, denke ich. Wir haben hoffnungsvolle und gut positionierte Spieler in unseren Reihen - in der Amateurmannschaft oder auch in der U18. Aber der Zeitpunkt muss richtig gewählt werden. Für den einen oder anderen wird es sicherlich die Möglichkeit geben, in der Vorbereitung bei der Kampfmannschaft dabei zu sein. Dann werden wir uns davon überzeugen, inwieweit es Sinn macht, den einen oder anderen dazu zu nehmen. Auf der anderen Seite ist es klar, dass wir auch innerhalb Österreichs Ausschau halten, aber die Blicke gehen auch einmal ins Ausland, um Spieler zu finden, die von der Mentalität, vom Charakter, von der Leistungsfähigkeit und vom wirtschaftlichen Rahmen zu Rapid passen. Da sind wir am arbeiten. Es wird sicher noch ein bisschen gehen. Aber ich bin guten Mutes, dass wir zur neuen Saison wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben, um unsere Ziele zu erreichen.

LAOLA1: Ihr Wunsch ist es auch, mit Christopher Dibon in die Zukunft zu gehen, seiner auch. Trotzdem zieht sich das schon sehr lange. Wann kann man eine endgültige Entscheidung erwarten, schließlich ist die Pause bis zum Trainingsstart gar nicht so lange?

Müller: Das sind eben Verhandlungssachen. Wir sind mit unseren Finanzen ja nicht auf Rosen gebettet. Deswegen ist es wichtig, dass man hartnäckig bleibt und das Bestmögliche für den Verein – das ist meine Verantwortung – herausholt. Mit dem Spieler sind wir uns einig: Er möchte zu uns, wir möchten ihn unbedingt holen. Jetzt geht es darum, eine Lösung zwischen uns und Salzburg zu finden. Die ist noch nicht da. Wir arbeiten intensiv daran, aber ich bin leicht optimistisch, dass wir das bis zum Beginn der Vorbereitung geklärt haben.

LAOLA1: Liegen konkrete Angebote für Spieler vor? Zuletzt gab es Gerüchte um Guido Burgstaller, auch Terrence Boyd könnte sich in die Auslage geschossen haben.

Müller: Konkret liegt im Moment nichts vor, aber es gibt immer sehr, sehr viele Spekulationen. An denen werde ich mich überhaupt nicht beteiligen.

LAOLA1: Trainer Zoran Barisic hat gemeint, dass man in der Kaderplanung zwei- bis dreigleisig fährt, um alle Eventualitäten abzudecken. Ist das unverzichtbar?

Müller: Das ist normal, aber ich denke, dass es schon im Vorfeld ein Jahr vorher geplant sein sollte. Wir müssen jetzt sicherlich die kurze Zeit nützen, um unseren Kader wirklich qualitativ auf die Beine zu stellen, von dem wir überzeugt sind, dass wir eine gute Saison spielen können. Aber dann geht es sicherlich schon weiter, dass man für das nächste Jahr auf jeder Position im Prinzip drei, vier, fünf Spieler hat, wo man sagen kann, dass man die weiterhin intensiv beobachten kann, um nächstes Jahr für die Transferzeit gewappnet zu sein. Ich denke, dass ist für einen Verein, der gutes Scouting und Planung betreiben will, unabdinglich.

LAOLA1: Die Gefahr, in dieser Transferperiode den einen oder anderen Leistungsträger noch zu verlieren, kann man nicht ausschließen, oder?

Müller: Ich denke, das ist in der Vergangenheit bei Rapid immer so gewesen und für alle Beteiligten nichts Neues. Es ist sicherlich so, dass wir gerne eine Mannschaft, die sich wirklich gut gefunden hat, längerfristig zusammenhalten wollen. Aber es gibt auch Gesetzmäßigkeiten, wo wir einfach nicht dagegenhalten können. Es ist zwar wünschenswert, aber wir arbeiten daran, dass wir uns wirtschaftlich eine bessere Basis in der Zukunft erarbeiten, um dann auch möglicherweise für Angebote an unsere Spieler gewappnet zu sein. Aber so weit sind wir noch nicht. Deswegen müssen wir immer mit der Gefahr leben, dass uns Spieler, die sich bei uns prächtig entwickelt haben, weggekauft werden.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Die Causa Marcel Sabitzer hat zuletzt die Schlagzeilen dominiert. Wie ist ihr Stand der Dinge bzw. können Sie die Rapid-Fans beruhigen?

Müller: Ich weiß nicht, ob man da Ruhe reinbringen kann, weil da sehr viele Spekulationen sind. Jeder beteiligt sich dran, wir tun das nicht. Ich habe schon mehrmals erwähnt, dass es bis zum heutigen Tag keine offizielle Anfrage eines anderen Klubs an uns gibt. Fakt ist auch, dass Sabitzer eine Ausstiegsklausel hat, die nur fürs Ausland gilt. Bisher haben wir noch von keinem Verein ein Anzeichen bekommen, dass die Klausel gezogen werden soll. Aber natürlich wäre es fahrlässig, wenn wir uns nicht damit beschäftigen. Er ist sicherlich ein interessanter Spieler, hat eine sehr gute Frühjahrssaison gespielt. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Von daher müssen wir uns wappnen, für den Fall, dass es so kommen sollte. Dann sehen wir weiter.

LAOLA1: Sie haben erst kürzlich in einem LAOLA1-Interview gemeint, dass Sie sehr viel Wert auf Vieraugen-Gespräche legen und von Spielern ein klares Bekenntnis fordern. Welches Gefühl hatten Sie bisher bei Sabitzer?

Müller: Wenn ich seine Leistung beurteile, hat er das in jeder Sekunde, in welcher er auf dem Feld stand, getan. Das ist für mich entscheidend. Nicht nur seine Aktion nach vorne, sondern er hat auch auf der Seite sehr kräftig nach hinten mitgeholfen. Von daher kann ich überhaupt nichts Negatives finden. Im Gegenteil, er hat eine sehr gute Entwicklung hinter sich, ist jetzt auch physisch in einer sehr guten Verfassung. Möglicherweise wird sich ihm eine neue Chance auftun. Wir werden dagegenhalten und alles dafür zu tun, dass er bleibt. Aber letztendlich ist es seine ureigene Entscheidung, das muss man dann auch so in der Weise akzeptieren, wenn es soweit kommen sollte, dass er uns verlassen möchte.

LAOLA1: Louis Schaub ist aufgrund seines Talents längst über die Grenzen hinaus bekannt. Inwieweit arbeitet man daran, diesen Spieler längerfristig zu halten?

Müller: Er hat noch ein Jahr Vertrag. Aber wir haben die Gespräche schon aufgenommen. Ich habe bereits das eine oder andere mit ihm persönlich gehabt, aber auch schon mit seinem Berater. Es liegt ein Angebot vor. Er kommt bald wieder aus dem Kurzurlaub zurück, dann werden wir sehr schnell wieder Kontakt haben, um auszuloten, ob wir seinen Vertrag über 2015 hinaus verlängern können. Es ist unser Wunsch. Ich glaube auch, dass er sich im Verein sehr wohl fühlt und weiß, dass seine Entwicklung noch lange nicht zu Ende ist und er sich in diesem Umfeld, mit der Mannschaft, mit dem Trainerteam am besten weiterentwickeln kann. Diese Vorzüge haben wir aufgezeigt. Aber letztendlich muss er entscheiden.

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