"Gehen nicht den bequemen Weg"

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Gerald Baumgartner bleibt vorerst Trainer der Wiener Austria.

Obwohl der Stuhl des Salzburgers nach dem 0:1 bei Schlusslicht Wiener Neustadt schon ordentlich gewackelt hat, hat sich die Klub-Führung entschieden, dem Coach noch eine Chance zu geben.

„Er hat mir vermitteln können, dass er nach wie vor voll motiviert ist und im Hinblick auf das Spiel gegen Sturm Graz die Motivation der Mannschaft sieht, die Partie erfolgreich zu gestalten“, sagt AG-Vorstand Markus Kraetschmer, als ihn LAOLA1 am Sonntag-Abend erreicht.

Der Wiener spricht über die Gründe, die noch für Baumgartner als Trainer sprechen und die Labilität der Mannschaft.

LAOLA1: Es gibt angenehmere Tage, um aus dem Urlaub zurückzukehren.

Markus Kraetschmer: Es war nur ein Kurzurlaub. Aber ja, es war nach dem gestrigen Spiel ein untypischer Sonntag.

LAOLA1: Es hat heute Gespräche zwischen Franz Wohlfahrt und Ihnen gegeben. Auch über den Trainer.

Kraetschmer: Man braucht sich der Situation nicht zu verschließen. Nach der großen Enttäuschung gestern hat es viele Gespräche gegeben. Ich habe auch mit dem Trainer sehr lange telefoniert, Franz Wohlfahrt war am Vormittag bei der Mannschaft, hat mit Spielern und dem Trainer gesprochen. Wir haben schon beim Amtsantritt Wohlfahrts gesagt, dass wir die Mannschaft und den Trainer auch in harten Zeiten bestmöglich unterstützen werden. Nach den heutigen Gesprächen sind wir zu dem klaren Schluss gekommen, dass wir Trainer und Mannschaft weiter diese Unterstützung geben.

LAOLA1: Gerald Baumgartner hat nach dem Spiel in Wiener Neustadt sehr ratlos gewirkt. Welchen Eindruck hat er heute auf Sie gemacht?

Kraetschmer: Man muss da unterscheiden. Unmittelbar nach dem Spiel sind Statements bei der Pressekonferenz und bei den TV-Interviews abzugeben – das ist auch der Job des Trainers. Wir haben uns das Spiel heute noch einmal angeschaut. Wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat – auch wenn es nur eine kurze Nacht war –, sieht man gewisse Dinge doch etwas anders und klarer. Ich hatte im Gespräch mit dem Trainer den Eindruck, dass er auf der einen Seite extrem enttäuscht ist. Er hat mir aber auch vermitteln können, dass er nach wie vor voll motiviert ist und im Hinblick auf das Spiel gegen Sturm Graz die Motivation der Mannschaft sieht, die Partie erfolgreich zu gestalten. Er ist sehr ehrgeizig.

LAOLA1: Was spricht tatsächlich noch für ihn?

Kraetschmer: Dass wir nach 22 Runden auf Platz sechs liegen, da brauchen wir uns nichts vormachen. Eine Tabelle lügt nicht. Das können nicht unsere Ansprüche sein. Dass das Eis bei einem Klub wie der Austria vielleicht dünner als bei anderen Klubs ist, ist kein Geheimnis. Was dafür spricht, dass wir in dieser Konstellation weitermachen, ist, dass wir den Willen erkennen. Es gibt Ansätze und es gibt Gründe dafür, warum es nicht so gelaufen ist. Wir haben von Beginn weg gesagt, dass es Unterstützung geben muss. Wir sind aber auch nicht blauäugig. Wir wissen, dass wir nicht nur ein Erfolgserlebnis brauchen, wir müssen in die Erfolgsspur. Es ist für den gesamten Klub keine einfache Konstellation. Wir sehen aber einen Trainer, der uns mit der Mannschaft ganz klar das Bild vermittelt, den Weg aus dem Tal herausgehen zu wollen.

LAOLA1: Man muss aber auch kein Prophet sein, um zu sagen, dass das Spiel in Graz für den Trainer ein Schicksalsspiel sein wird.

Kraetschmer: Mir gefällt das Wort Schicksalsspiel nicht. Es gibt Schicksale…

LAOLA1: Dann formuliere ich es gerne anders…

Kraetschmer: Es ist ein entscheidendes Spiel – für den gesamten Klub in seiner Entwicklung. Was uns alle konsterniert hat, waren – nach einer guten Vorbereitung, in der Fortschritte erkennbar waren – die Auftritte in den Auswärtsspielen gegen den WAC und Wiener Neustadt. Wie wir da aufgetreten sind, war absolut unbefriedigend. Und dann war dazwischen das Spiel gegen Altach, wo klar zu sehen war, wohin die Mannschaft gehen will. Wenn alles in den Gang kommt, funktioniert es auch. In Wiener Neustadt war der Spielbeginn auch durchaus okay und dann kam eine Bruchlinie und man ist aus diesem Sumpf nicht mehr herausgekommen. Es geht in Graz auch um die Art und Weise, wie wir auftreten – da müssen wir eine Entwicklung sehen.

LAOLA1: So wie Sie gerade die drei Frühjahrsspiele Revue passieren haben lassen, kann man das mit der gesamten Saison tun. Und man kommt zu dem Schluss, dass die Mannschaft die ganze Zeit sehr labil ist. Liegt das an der Kaderzusammenstellung oder an der Arbeit des Trainers?

Kraetschmer: Wenn es so einfach zu lösen wäre… Wir haben im Winter im Kader Veränderungen vorgenommen, haben versucht, mit neuen Spielern Inputs zu geben. Auch die Entscheidung Franz Wohlfahrt war für den Klub sehr wichtig. Es ist leider so, dass sich die Inhalte des Gespräches, das wir gerade führen, wie ein roter Faden durch die Saison ziehen. Unsere Aufgabe ist es, nicht den bequemen, sondern den analytischen, detailgenauen Weg zu gehen. Und dieser Weg hat uns eben zum Schluss gebracht, dass wir im Spiel gegen Sturm Graz eine Entwicklung sehen wollen und müssen.

LAOLA1: Und die bisherige Saison hat uns auch gezeigt, dass Baumgartner seine Schnittpartien immer gewinnt.

Kraetschmer: (lacht) Wenn dem so ist, dann sollten wir in Graz ja erfolgreich sein. Spaß beiseite: Wir kennen das Geschäft, sind lange genug dabei und wissen, worum es geht. Wir sind in einer kritischen Situation, die es in dieser Saison schon mehrfach gegeben hat. Jetzt muss eine Reaktion gezeigt werden.

Das Gespräch führte Harald Prantl

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