"Es musste jetzt was passieren"

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"Gehe zum Letzten in Österreich, das ist mir bewusst"

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Morgenstund hat Gold im Mund!

Viele trauten ihren Augen nicht, als sie am Mittwochmorgen den seit Sommer vereinslosen Stefan Maierhofer zusammen mit Günter Kreissl und einem Trikot des SC Wiener Neustadt posieren sahen.

Die Transfer-Sensation war perfekt. Der 32-jährige ehemalige ÖFB-Teamstürmer hilft beim Tabellenletzten der Bundesliga aus. Vorerst einmal für vier Spiele, im besten Fall für die Niederösterreicher sogar bis Sommer.

Doch in dieser Hinsicht bleibt sich der zuletzt bei Millwall engagierte 2,02-Meter-Hüne treu. Das Ausland ist weiterhin sein Ziel, schon im Jänner soll es damit klappen.

Im LAOLA1-Interview erklärt Maierhofer ausführlich, warum es an der Zeit war, wieder aktiv zu werden, warum gerade bei Wiener Neustadt und warum es für ihn wichtig ist, seinen Preis zu haben und sich nicht dubiosen Vereinen auszuliefern.

LAOLA1: Zuletzt ist es in sportlicher Hinsicht still um dich geworden. Wie spontan kam das Engagement bei Wiener Neustadt schlussendlich wirklich zustande?

Stefan Maierhofer: Günter Kreissl und ich haben vor drei, vier Wochen erstmals Kontakt gehabt, was sich in Telefonaten und gutem Austausch vertieft hat. Ich habe mit einem Berater in Deutschland engen Kontakt und eigentlich hätte im September, Oktober etwas passieren sollen. Wegen Trainer- und Präsidentenwechsel wird es wahrscheinlich erst im Jänner klappen, dass ich dorthin wechseln kann. Somit musste jetzt einfach etwas passieren. Da gibt es die Chance, das möchte ich machen. In Absprache mit dem Berater und dem Trainer vom anderen Verein mache ich jetzt die vier Spiele und dann schauen wir, was passiert.

LAOLA1: Du hast im Sommer betont, keine große Eile bei der Klubsuche zu haben. Wie groß war die Sehnsucht schlussendlich?

Maierhofer: Natürlich war sie groß und viele Leute werden jetzt sagen, dass ich nichts gefunden habe und zu Wiener Neustadt gehe, weil ich eh nichts anderes finde. Blödsinn! Ich hätte jetzt vielleicht noch in die zweite oder dritte deutsche Liga gehen können. Mit Duisburg habe ich immer wieder engen Kontakt gehabt, auch andere Vereine haben sich gemeldet, die mich unbedingt wollten und wo womöglich auch mehr Geld zu verdienen gewesen wäre. Für mich ist einfach wichtig, dass ich nicht wieder fünf, sechs Wochen in einem Hotel wohnen muss, um auszuhelfen, wo ich nicht wirklich einen Bezug dazu habe. In Wiener Neustadt ist das schon so. Ich habe dort mit Salzburg meinen zweiten Meistertitel gefeiert, dort eines meiner schönsten Tore gemacht, kann daheim in meiner Umgebung bei meiner Familie, Freunden und Freundin wohnen und kann die nächsten vier Wochen im normalen Umfeld, aber trotzdem unter professionellen Bedingungen trainieren und habe Wettkampfbedingungen mit den Spielen.

LAOLA1: In der aktuellen Situation war dir somit wichtig, dass alles Hand und Fuß hat, und nicht nur auf Spontanität aufgebaut ist.

Maierhofer: So ist es. Ich kann mich auch in den Flieger setzen und brauche dort vielleicht auch noch ein Auto und ein Hotel für fünf Wochen. Natürlich ist es hier eine Herausforderung. Ich gehe zum Tabellenletzten in der österreichischen Bundesliga, das ist mir schon bewusst. Aber trotzdem habe ich davor auch keine Scheu. Jeder andere würde sagen: Warum soll ich denn zum Letzten gehen? Ich habe damit kein Problem. Ich glaube, dass in diesen vier Spielen sehr viel möglich ist und dass im Kader sehr viel drin steckt, auch wenn sie in 15 Spielen nur neun Punkte geholt haben. Aber das ist eine Momentaufnahme. Wenn man sich vor drei Wochen die Tabelle in der deutschen Bundesliga angeschaut hat, war Dortmund Vorletzter und Bremen Letzter. Du darfst nie nach dem aktuellen Stand gehen. Abgerechnet wird bei uns in der österreichischen Bundesliga am 36. Spieltag, dann hoffe ich natürlich, dass die Mannschaft zumindest Vorletzter ist.

LAOLA1: Für Wiener Neustadt ein Glücksgriff. Kann diese Zusammenarbeit in der aktuellen Situation für beide eine Win-Win-Situation werden?

Maierhofer: Das kann man vielleicht so ausdrücken, aber das müssen andere beurteilen, das will ich selber gar nicht. Für mich ist wichtig, dass ich unter professionellen Bedingungen trainiere. Ich kenne den einen oder anderen Spieler, gegen den ich schon gespielt habe und kenne Denis Mimm, mit dem ich meine B-Lizenz-Trainerprüfung gemeinsam gemacht habe, persönlich. Die Gespräche mit Kreissl waren auf einer ehrlichen und offenen Basis. Deswegen ist es dann am Dienstag eigentlich schnell über die Bühne gegangen, so dass wir den Vertrag unterschrieben haben.

LAOLA1: Vier Spiele oder auch noch das Frühjahr? Das ist noch die offene Frage.

Maierhofer: Vier Spiele im Winter sind Fakt. Wie es im Jänner weitergeht, wird man sehen. Natürlich habe ich einen Vertrag bis Sommer unterschrieben, einfach weil es von den Statuten der österreichischen Bundesliga her gar nicht anders möglich ist, ein Spieler muss bis Ende der laufenden Saison verpflichtet werden. Das sind die Fakten.

LAOLA1: Mit den Worten „Motivator, Energiepaket, Vollprofi, charismatisch, erfolgreich“ wirst du von deinem Neo-Klub beschrieben. Schmeichelt das?

Maierhofer: Das sind sehr schöne Worte vom Verein. Die Gespräche mit Kreissl waren auf einer sehr freundschaftlichen Basis, wo wir uns beide ganz offen und ehrlich gesagt haben, was wir voneinander halten und welche Philosophien wir im Fußball anstreben. Er ist auch in einer schwierigen Situation, weil er einen neuen Trainer sucht. Da war es für ihn auch schön, dass wir zum Entschluss gekommen sind, dass wir das machen wollen. Ich hoffe, dass ich die Worte, die er gewählt hat, dem einen oder anderen Spieler vermitteln kann, um gemeinsam Gas zu geben.

LAOLA1: Dir wurde bereits das Karriereende angedichtet, nebenbei hast du die B-Lizenz gemacht, bist das Gesicht einer Spielerberatungs-Agentur. Wie sehr brennt das Fußballfeuer noch in dir?

Maierhofer: Das Problem ist, dass ich gerne mit der A-Lizenz weitergemacht hätte, aber das ist als aktiver Spieler nicht möglich, was ich seitens des ÖFB traurigfinde. Ich würde mich jetzt schon gerne nebenbei, sowie mit einem Fernstudium, weiterbilden, um mich auf die Zeit nach meiner Karriere vorzubereiten. Ich kann es aber auch verstehen, du stehst im Training und würdest dem Verein insgesamt vier Wochen fehlen. Trotzdem finde ich es schade. Ich habe diesen Drang in mir, dass ich nach meiner Karriere mit Fußball weitermache, aber eingeschränkt bin, was meine Ausbildung betrifft. Ich muss meine Karriere beenden, um diese weiterzumachen. Aber trotzdem will ich noch zwei, drei Jahre auf hohem Niveau spielen.

LAOLA1: Auch als Model hast du Jobs einstreifen können. Ist das für dich weiterhin nebenbei vorstellbar?

Maierhofer: Ja, da sind auch einige Anfragen interessant gewesen. Aber ich musste einiges abblocken, weil ich nicht gewusst habe, ob ich dann noch da bin und ständig in Verhandlungen war. Ich bin da hineingekommen und es macht immer wieder Spaß. Warum nicht? Wenn es die Zeit erlaubt, ist es doch für jeden Menschen etwas Schönes, vor der Kamera zu stehen.

LAOLA1: Nach Stationen bei Rapid und Salzburg hast du eine Rückkehr nach Österreich eher ausgeschlossen. Warum nun der Sinneswandel?

Maierhofer: Das haben zwar viele gesagt, ich habe Österreich aber nie konkret angesprochen. Letztes Jahr im Herbst hat mich Oliver Lederer angerufen, den ich schon seit Jahren privat kenne. Damals habe ich gesagt, dass ich es mir nicht vorstellen kann. Jetzt ist die Situation einfach eine andere gewesen, da ich in Verhandlungen mit einem anderen Verein stehe. Dadurch, dass dort Unstimmigkeiten herrschen, konnte der Transfer jetzt nicht stattfinden. Im Jänner sind dann andere Sachen möglich. Bevor ich vier Wochen gar nichts mache, möchte ich Fußball spielen und dem Verein helfen.

LAOLA1: Wie zuversichtlich bist du, dass es im Winter schon wieder zum Abschied aus Wiener Neustadt und einem Engagement im Ausland kommt?

Maierhofer: Es ist nicht nur ein Verein in Deutschland, es sind zwei, drei Vereine in und außerhalb Europas, wo die Frage ist, ob ich das wirklich machen will oder nicht. Ich war im Jänner auch mit einer chinesischen Mannschaft auf Trainingslager, wo dann auf einmal ganz dubiose Sachen im Vertrag gestanden sind. Etwa, dass es nur noch 50 Prozent vom Gehalt gibt, wenn sie dich in die zweite Mannschaft geben. Ganz dubiose Sachen, was die Verträge in Asien betreffen. Deshalb bin ich sehr vorsichtig und daher ist noch nichts zustande gekommen.

LAOLA1: Wäre Deutschland aufgrund deiner Erfahrungen und Kontakte somit die sicherste Variante?

Maierhofer: Die sicherste? Fußball ist ein dreckiges Geschäft, man kann sich auf niemanden verlassen. Deswegen hat es mir auch so imponiert, wie mich Kreissl kontaktiert hat und wir uns offen und ehrlich auch über finanzielle Sachen unterhalten haben. Das ist in der heutigen Zeit sehr schwer vorzufinden. Deshalb habe ich mir das vorstellen können, und es passt.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Hast du die Hoffnung nie aufgegeben, doch noch irgendwann im Ausland zu landen?

Maierhofer: Nein, das ist auch kein Hoffen. Es sind Sachen da, die sich im Ausland ergeben würden, aber es muss einfach passen. Ich bin 32 Jahre alt und brauche nicht in ganz dubiose Länder wie Ukraine oder Russland zu gehen, wo die Angebote finanziell jetzt auch nicht so gut gewesen wären. Und dann sitzt man irgendwo und weiß nicht, was passiert. Es muss einfach das ganze Umfeld passen. Natürlich wäre es auch schön gewesen, wenn ich in London bei Millwall geblieben wäre, aber es war auch finanziell nicht so, dass dich das rausreißt. Du lebst dort, brauchst ein Appartement, das auch wieder 2.500 bis 3.000 Pfund kostet und du hast nichts Besonderes. Natürlich wäre die Stadt schön gewesen, aber ich muss auch eine gewisse sportliche Perspektive sehen. Jetzt werden wieder viele fragen: Warum geht er dann nach Wiener Neustadt zum Letzten? Weil ich dort mit der Mannschaft in vier Spielen hoffentlich das Bestmögliche herausholen kann.

LAOLA1: Im Sommer war von einer Verlängerung bei Millwall sowie anderen Interessenten die Rede. Warum ist daraus nichts geworden?

Maierhofer: Weil ich mit 32 Jahren meinen Preis habe und die mir das geben wollten, für was ich in den drei Monaten im Frühjahr gespielt habe, weil ich davor nicht im Einsatz war und meinen Trainerschein gemacht habe. Sie wollten diese Rahmenbedingungen im Kader nicht extrem ausreizen. Ich habe meinen Preis, somit ist das nichts geworden. Das ist bei Verhandlungen im Fußball aber so gang und gäbe.

LAOLA1: Bei Stationen wie Bayern, Köln, Duisburg, Wolverhampton, Rapid oder Salzburg sticht Wiener Neustadt schon heraus. Siehst du es trotzdem eher als Chance, um dich wieder zu präsentieren und nicht als Imageschaden?

Maierhofer: Herausstechen schon, ich würde das jetzt aber nicht ins Negative ziehen. Wiener Neustadt hat einfach auch den Vorteil gegenüber Vereinen aus der zweiten oder dritten Liga in Deutschland oder England, dass ich in Österreichs höchster Spielklasse spiele. Ob das jetzt der Fünfte oder der Zehnte der Tabelle ist, ist in dem Fall egal.

LAOLA1: In Wiener Neustadt ist der Abstieg ein heißes Thema. Die Erwartungen an dich sind dementsprechend groß, nicht zum ersten Mal in deiner Karriere.

Maierhofer: Auf jeden Fall und ich hoffe auch, dass ich dem einen oder anderen Spieler vielleicht den Druck nehme. Es ist nicht so, dass ich jetzt die ganze Verantwortung auf mich ziehe, aber ich hoffe, dass vielleicht einige lockerer werden und dementsprechend die Qualitäten noch besser zeigen können. Ich habe das im Frühjahr mit Millwall live miterlebt. Wenn du die Zeitungen aufschlägst oder im Internet siehst, dass du unter dem Strich bist, ist es nicht einfach. Du fährst zum Training und hast diesen Druck, diese Gedanken immer im Hinterkopf. Natürlich ist es nicht einfach, sechs Punkte Rückstand auf den Vorletzten zu haben. Aber darin sehe ich die Chance. Wenn du nichts zu verlieren hast, kannst du vielleicht das Bestmögliche herausholen.

LAOLA1: Du konntest dich zuletzt nur individuell fit halten. Fühlst du dich körperlich für diese Herausforderung bereit?

Maierhofer: Ich sehe mich in einem guten Zustand, aber Wettkampfbedingungen sind was anderes. Ich habe jetzt drei Tage, um mich professionell auf das Spiel gegen den WAC vorzubereiten. Dann wird man sehen, wie sich das entwickelt und ob es für einen Startelf-Einsatz reicht. Ich glaube, dass ich mit jedem Tag und Training wieder mehr herankomme. Natürlich ist es etwas anderes, wenn ich selbstständig laufen, Radfahren oder ins Fitnessstudio gehe. Vom Gewicht her bin ich in einer körperlich guten Verfassung, so wenig (98 kg) habe ich schon lange nicht mehr gehabt. Das spricht dafür, dass ich viel im Ausdauerbereich gearbeitet habe, extrem viele Lauf- und Fahrrad-Einheiten betrieben habe und eher weniger in der Crossfit-Schiene, wo ich 102 kg gehabt habe. Da merkt man, dass jedes Kilo, das man mehr mitschleppt, eine Belastung ist. Jetzt hoffe ich, dass ich auch wieder zu meiner Beweglichkeit und Schnelligkeit finde.

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