Keine Salzburg-Transfers: "Kein Grund zum Handeln!"

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Wenn am Montag der Salzburg-Flieger ins Trainingslager nach Belek abhebt, freut sich einer ganz besonders auf die bevorstehenden Einheiten: Christoph Leitgeb.

Anfang Jänner meldete sich der Mittelfeldspieler nach schwerer Hüftverletzung zurück.

Nach einem verfrühten Kaltstart in die Vorbereitung - Leitgeb begann fünf Tage früher als das Gros der "Bullen"-Truppe - ist er mittlerweile warm gelaufen.

Beim 3:1-Erfolg im Test gegen die SpVgg Unterhaching lieferte er in den ersten 46 Minuten eine starke Leistung ab, die er mit dem Treffer zum 1:0 krönte.

Im großen LAOLA1-Interview spricht der 27-Jährige über Transfer-Geflüster, Salzburger Handlungsbedarf und die etwas andere Winterpause mit Polterer in Las Vegas und Hochzeit.


LAOLA1:
Herr Leitgeb, stimmt es, dass sie ihren Weihnachtsurlaub zum Poltern in Las Vegas genützt haben?

Christoph Leitgeb (schmunzelt): Ja, aber es war nicht so wie beim Film „Hangover“. Wir waren fünf Tage in Las Vegas und hatten eine wirklich gute Zeit. Wir haben ein wenig gefeiert, waren auch im Casino. Aber hauptsächlich haben wir untertags relaxed und waren am Abend unterwegs.

LAOLA1: Geheiratet haben Sie auch schon?

Leitgeb: Ja, am 28. Dezember in Anif. Es war ein wunderschöner Tag. Schlussendlich haben wir es uns auch da ziemlich gut gehen lassen. Und bevor Sie fragen: Ja, ich bin jetzt Ehemann, aber es hat sich nicht viel verändert.

LAOLA1: Wie sehr hat sich diese intensive Zeit auf ihre Werte bei der Leistungsdiagnostik ausgewirkt?

Leitgeb: Ich hatte konditionell schon ein bisschen Rückstand was  aber  an meiner recht schweren Hüftverletzung aus dem Herbst und der daraus resultierenden langen Pause liegt. Ich durfte im Urlaub nichts machen, bin nur fünf, sechs Mal am Rad gesessen. Sonst war das nur Erholung und Ruhe. Dafür bin ich jetzt auch schmerzfrei. Jetzt habe ich fünf Wochen Zeit, um den Rückstand aufzuholen.

LAOLA1: Hat es Sie überrascht, dass beim Trainingsstart abgesehen vom erst 16-jährigen Norweger Zymer Bytyqi keine neuen Spieler da waren?

Leitgeb: Nein, eigentlich nicht. Denn es gab aus meiner Sicht nicht viel Grund zum Handeln. Wir haben in den letzten zwei Monaten im Herbst gezeigt, wie wir spielen können. Ich denke also nicht, dass man im Winter-Transferfenster großartig etwas machen muss.

LAOLA1: Auf der anderen Seite wurden zahlreiche Spieler, wie Douglas, Maierhofer oder Lindgren abgegeben oder verliehen?

Leitgeb: Ich gehe davon aus, dass wir davon profitieren. Mit 30 Spielern am Platz trainiert es sich einfach nicht so gut. Jetzt sind wir 21 Feldspieler, das passt perfekt. So können wir optimal arbeiten.

LAOLA1: Hannover 96 hat sie im Herbst beobachtet, Sie waren wieder einmal Transfer-Thema und also eine „heiße Aktie“. Ist das eine Ehre für Sie oder nervt es manchmal?

Leitgeb: Es gehört, glaube ich, in diesem Geschäft dazu. Die meisten erwarten von mir, dass ich bald ins Ausland gehe. Aber ich mache mir keinen Druck, schaue, dass ich fit bin und eine gute Rückrunde spiele. Dann werde ich mir den Kopf darüber zerbrechen, wie es weitergeht.

LAOLA1: Sie haben auch früh gesagt, dass ein Transfer im Winter kein Thema ist. Warum eigentlich nicht?

Leitgeb: Ich wollte im Winter nicht wechseln, das habe ich auch dem Trainer gesagt. Klar, Hannover ist eine sehr gute Adresse in Deutschland, aber für mich war das trotzdem nie ein Thema. Ich war verletzt, die Vorbereitung im Winter ist kürzer, da macht das keinen Sinn.

LAOLA1: Im Sommer haben Sie im Interview bei uns gesagt, dass ein Tapetenwechsel in nächster Zeit nicht schlecht wäre. Also packen Sie im Sommer ihre Koffer?

Leitgeb: Ich bin grundsätzlich offen für Alles, aber es muss auch passen. Es gibt auch genug Beispiele, wo Spieler ins Ausland gegangen sind und es hat nicht gepasst. Die haben dann nicht gespielt, haben viel Zeit auf Bank oder Tribüne verbracht und sind dann vielleicht irgendwo hin verliehen worden. Das möchte ich auf keinen Fall!

LAOLA1: Spielen wir Wunschkonzert. Welche Liga dürfte es denn für einen Auslands-Transfer sein?

Leitgeb: England wäre sehr reizvoll, aber Deutschland liegt nahe.  Wobei man sagen muss, dass die Entwicklung der deutschen Bundesliga schon faszinierend ist. Ich schaue regelmäßig, natürlich auch wegen der Legionäre. Vom Umfeld her ist Deutschland sicher die beste Liga.

LAOLA1: Am 25. Jänner treffen Sie in einem Testspiel auf den 1. FC Kaiserslautern. Wann haben Sie eigentlich Franco Foda das letzte Mal getroffen?

Leitgeb: Wir haben uns vor einiger Zeit in Graz getroffen. Aber sonst ist da nichts. Ich freue mich aber auf das Wiedersehen und darauf wieder einmal gegen Franco zu spielen und hoffe auch, dass er den Aufstieg schafft. Aber es wird sehr, sehr schwer.

LAOLA1: Sie wären vor drei Jahren fast in Gladbach gelandet. Denken Sie manchmal darüber nach, was wäre gewesen wenn?

Leitgeb: Damals wollte ich eigentlich gehen. Aber Huub Stevens hat so lange auf mich eingeredet, dass ich schlussendlich nicht nach Gladbach gewechselt bin. Natürlich macht man sich dann Gedanken und schaut, wenn man so ein Angebot hat, wie es dem Klub geht.

LAOLA1: Was müsste passieren, damit Sie einen neuen Vertrag in Salzburg unterschreiben?

Leitgeb: Es wäre für mich auch kein Problem, wenn ich hierbleibe. Ich habe mit dem Verein schon fast alles erreicht, nur die Champions League fehlt. Das wäre noch etwas, ein absolutes Highlight. Die Hymne hören und gegen die Großen spielen. Außer gegen Barcelona

LAOLA1: Warum?

Leitgeb: Das ist die beste Mannschaft der Welt, es gibt zur Zeit nichts besseres. Ich schaue mir Barca auch gerne bei LAOLA1 an. Aber gegen sie spielen ist, glaube ich, nicht so fein. Da machst du in 90 Minuten vielleicht zehn Ballkontakte (lacht).

LAOLA1: Schmerzt es noch, dass im Sommer die erste Hürde Düdelingen nicht genommen werden konnte?

Leitgeb: Das war sehr, sehr bitter für uns. Du spielst das ganze Jahr für die Champions League, wirst Meister, gehst in die Quali und dann scheiterst du am Underdog und bist die Lachnummer. Das tut weh und war ziemlich hart für uns alle. Das darf nicht passieren, aber mittlerweile ist es aus den Köpfen draußen.

LAOLA1: Seit Düdelingen hat sich viel getan. Der neue Trainer Roger Schmidt hat ein neues System etabliert und einige neue Spieler integriert.

Leitgeb: Es hat sich gut entwickelt. Die neuen Spieler haben sich gut eingefügt, wir haben uns gut auf das neue System eingestellt. Spielerisch ist es auf jeden Fall besser als letzte Saison!

LAOLA1: Würden Sie sagen, dass das jetzt die beste Salzburger Mannschaft ist, seit Sie hier sind?

Leitgeb: Vom Potenzial her ja. Wir haben sehr viele junge Spieler mit Luft nach oben. Aber ob das die beste Mannschaft ist? Schwer zu sagen! Dafür brauchen wir Titel. Wenn du Zweiter wirst und im ÖFB-Cup ausscheidest, brauchst du nicht von der besten Mannschaft sprechen. Aber wir sind auf einem guten Weg. Wir haben jetzt fünf Wochen Zeit für eine ordentliche Vorbereitung und dann machen wir hoffentlich dort weiter, wo wir im Herbst aufgehört haben.

LAOLA1: Die Austria geht mit sieben Punkten Vorsprung ins Frühjahr. Viel Holz, oder?

Leitgeb: Naja, sieben Punkte schaut viel aus, aber es ist jetzt nicht die Welt. Das kann man aufholen. Wenn die Austria zwei Mal ausrutscht und wir gewinnen, schaut es gleich wieder ganz anders aus. Aber es wird eine schwere Aufgabe. Die Wiener hatten einen sehr guten Lauf, haben gut gespielt und stehen verdient oben.

LAOLA1: Führt der Weg zur Titelverteidigung für Salzburg vielleicht sogar über Rapid. Immerhin hat man im Herbst zwei Mal gegen die Hütteldorfer verloren?

Leitgeb: Das Heimspiel war katastrophal. In Hütteldorf haben wir 90 Minuten dominiert, unsere Chancen aber nicht genützt. Das war Pech und Unvermögen vor dem Tor. Aber Rapid kommt nach dem Derby in der zweiten Runde im Frühjahr nach Salzburg. Da müssen wir sie schlagen und vielleicht sind sie dann auch schon aus dem Titel-Rennen.

LAOLA1: Red Bull Salzburg wird Meister, weil …

Leitgeb:… wir am Ende auch das nötige Glück haben. Das gehört in so einer Meisterschaft auch dazu.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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