Tradition verpflichtet

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"Es sind Leute mit Handschlag-Qualität am Werk"

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"Darauf war ich nicht vorbereitet.“

Im Gespräch mit LAOLA1 zeigt sich Ivica Vastic ein wenig überrascht, jetzt schon Cheftrainer der Wiener Austria zu sein. Geplant sei nämlich etwas anderes gewesen.

Nichtsdestoweniger ist der 42-Jährige voller Tatendrang. In Lara, Antalya bereitet sich Österreichs einziger EURO-Torschütze derzeit mit den Violetten auf das Frühjahr vor.

Davon, was anders laufen soll, als unter Karl Daxbacher im Herbst hat er konkrete Vorstellungen, die er auch erläutert. Zudem spricht Vastic über Vorbild Osim, Neuzugang Holland und seine Talente.

LAOLA1: Etwas mehr als zweieinhalb Jahre nach deinem letzten Bundesliga-Spiel bist du Bundesliga-Trainer. Wie macht man das?

Ivica Vastic: Ich hatte mit Waidhofen und den Austria Amateuren zwei Zwischenstationen. So ist die Situation entstanden, in der ich gefragt wurde, ob ich bereit sei, die Kampfmannschaft zu übernehmen. Ich war der Meinung, dass ich das kann.

LAOLA1: Gehört auch Glück dazu?

Vastic: Natürlich. Aber ich glaube auch, dass ich in den letzten Jahren ganz gut gearbeitet habe. Das haben die Verantwortlichen auch gemerkt und gesehen.

LAOLA1: Hast du geglaubt, dass es so schnell geht?

Vastic: Nein. Ich war darauf nicht vorbereitet. Als ich zur Austria gekommen bin, war geplant, dass ich ungefähr in drei Jahren mit der Kampfmannschaft starte. Jetzt ist es eben schon früher so gekommen.

LAOLA1: Warum ist die Austria die richtige Station, um die Karriere als Bundesliga-Trainer zu starten?

Vastic: Man kann sich das nicht aussuchen. Aber ich war schon als Amateur-Trainer davon überzeugt, dass die Austria der richtige Verein ist. Der Klub ist infrastrukturell gut aufgestellt und auch die Struktur innerhalb des Vereins gefällt mir. Es sind Leute mit Handschlag-Qualität am Werk – das schätze ich sehr.

LAOLA1: Es ist wohl auch ein Vorteil, dass du den Klub in- und auswendig kennst...

Vastic: Ich war schon als Spieler hier, habe den Verein damals schon kennengelernt. Einige der Leute von damals sind immer noch hier.

LAOLA1: Was hat sich in deiner täglichen Arbeit im Vergleich zu deinem Job als Trainer der Amateure geändert?

Vastic: Nicht viel. Ich habe mich vorher auch schon auf jedes Training gut vorbereitet. Vielleicht muss ich jetzt noch ein bisschen mehr auf die Details schauen. Bei den Amateuren war die Entwicklung der Spieler sehr gefragt. Obwohl man das hier bei den Profis auch nicht vernachlässigen darf. Man muss jeden einzelnen Spieler nach vorne bringen. Außerdem ist der Druck gestiegen, die Ergebnisse zählen mehr. Wir stehen alle unter einem positiven Erfolgsdruck. Das ist uns allen bewusst. Die Austria ist ein Verein mit hohen Ansprüchen. Die Tradition ist enorm – man denke nur an Spieler wie Prohaska, Sara und Ocwirk. Wir müssen versuchen, an die Erfolge der Vergangenheit anzuschließen.

LAOLA1: Ist der Druck als Trainer viel größer, als als Spieler?

Vastic: Druck kann man mit Kompetenz und Wissen verdrängen. Ich war es auch als Spieler gewohnt, ständig unter Druck zu stehen. Ich bin damit aber immer gut umgegangen. Ich denke, auch als Trainer diesem Druck standhalten zu können. Ich sehe das mehr als positive Anspannung, als Trieb, immer alles zu geben.

LAOLA1: Hast du Vorbilder als Trainer?

Vastic: Natürlich. Ivica Osim war einer meiner größten Lehrer und Förderer. Ich versuche, in dieser Linie zu wirken und zu arbeiten.

LAOLA1: Welches Spielsystem bevorzugst du?

Vastic: Das wird man sehen. Momentan kann ich das noch nicht sagen. Man muss als Team auch flexibel sein. Es wird von den Spielern, die spielen, abhängen. Wir werden das System anpassen müssen.

LAOLA1: Warum hat dich Neuzugang James Holland überzeugt?

Vastic: Er ist ein sehr guter, junger Spieler, der Perspektive hat. Er ist australischer Teamspieler, der im defensiven Bereich sehr stark ist. Mir gefällt sein Zweikampfverhalten. Zudem hat er einen Drang nach vorne, ist laufstark und beidbeinig. So ein Spieler hat uns gefehlt. Ich bin überzeugt, dass er diese Lücke schließen kann. Er war bei AZ Alkmaar unter Vertrag, hat dort sicher eine gute Schule genossen.

LAOLA1: Mit Martin Harrer und Philipp Koblischek sind zwei Spieler, die im Herbst noch bei den Amateuren waren, mit auf Trainingslager. Sind sie die nächsten, die den Sprung schaffen?

Vastic: Sie haben bei den Amateuren gezeigt, dass sie auf einem guten Weg sind. Vielleicht waren sie unten unterfordert, vielleicht werden sie jetzt im Moment überfordert sein (lacht). Es geht jetzt um eine Anpassungsphase, die sehr wichtig ist. Sie müssen sich an den Profi-Fußball gewöhnen. Ich denke, dass sicher von Zeit zu Zeit Fortschritte machen und an Bedeutung gewinnen werden.

LAOLA1: Eine weitere interessante Personalie ist Srdjan Spiridonovic, der zu Saisonbeginn bei den Amateuren sehr stark gespielt hat. Wie siehst du seine Entwicklung?

Vastic: Er entwickelt sich sehr gut. Obwohl er eine Phase hatte, in der er verletzt und anschließend nicht richtig in Form war. Auf seiner Position sind wir ganz gut besetzt. Er muss sich erst bei den Amateuren noch mehr beweisen und konstanter werden. Drei, vier Spiele reichen da nicht. Er muss über die gesamte Saison konstant gute Leistungen bringen.


Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Was ist das konkret?

Vastic: Vor allem die menschliche Seite. Ich habe seinen Umgang mit den Spielern sehr geschätzt. Es ist immer das Menschliche im Vordergrund gestanden. Wir haben Privates und Geschäftliches getrennt. Außerdem war er ein sehr kompetenter Trainer, er war mit sehr viel Wissen ausgerüstet.

LAOLA1: Apropos Umgang mit Spielern: Du kennst viele noch aus deiner aktiven Zeit. Wie gehst du damit um, dass du plötzlich nicht mehr Kollege, sondern Chef bist?

Vastic: Es wird sich nicht viel ändern. Wir sind da, um Leistung zu bringen. Daran werden wir alle gemessen. In diesem Fall bin ich der, der abschätzen muss, ob eine Leistung gut ist. So muss ich handeln. Ich will sehr bewusst mit Fakten arbeiten und versuchen, ein fairer Trainer zu sein. Jeder soll die gleiche Ausgangsposition haben.

LAOLA1: Ihr habt den Herbst sehr genau analysiert. Was muss besser werden, wieso hat es nicht nach Wunsch geklappt?

Vastic: Es gab in der Mitte sehr viele freie Räume. Die Balance zwischen Offensive und Defensive hat nicht gestimmt. Das sieht man an der Tordifferenz. Eine Mannschaft wie die Austria sollte nicht so viele Tore kassieren. Wir müssen den defensiven Bereich intensiv trainieren, um im Ballbesitz die richtige Ordnung zu haben. Im Herbst sind sehr viele Gegentore aus Kontern gefallen.

LAOLA1: Trotzdem wird die Austria ein Team bleiben, das den Weg nach vorne sucht...

Vastic: Natürlich. Das ist eine Anforderung. Wir haben solche Spieler, die das wollen. Auch die Fans haben diesen Anspruch. Für mich ist das eine Herausforderung. Ich will auch nach vorne spielen, gut kombinieren. Dennoch benötigt es eine kontrollierte Defensive, um bei Ballverlust besser zu stehen.

LAOLA1: Ist es ein Problem, dass die Austria traditionell schön spielen muss, man sich nie einfach einmal hinten reinstellen kann?

Vastic: Das wollen wir gar nicht. Wir wollen spielen, gewinnen – das wird unser Ziel sein. Aber wir müssen auch einen Plan B haben.

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