"Auf der Copacabana spielt man vielleicht körperlos“

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Salzburgs Brasilianer, sie hatten auch in Ried zugeschlagen.

Erst traf Leonardo zum ersten Mal in der Bundesliga, dann erhöhte Alan sein Torkonto in dieser Saison auf drei Tore.

Ihre Treffer, ihre Dribblings – es sind jene Aktionen, die die ganze Bundesliga in Staunen versetzt.

Auf der anderen Seite ist es aber auch ihr Temperament, das für Aufsehen sorgt. Alan flog gegen Ried mit Gelb-Rot vom Platz.

"Wenn er Pecht hat, sieht er knallrot“, ist Sportdirektor Heinz Hochhauser klar. Der Brasilianer hatte gegen Anel Hadzic übel nachgetreten.

Auch sein Landsmann Leonardo, der schon beim Gastspiel in Innsbruck seine Emotionen nicht in den Griff bekam, rüttelte an Gelb-Rot.

"Emotionale Spieler sind immer die besten, das war bei Edgar Davids oder Ruud van Nistelrooy auch so. Robin van Persie wurde deswegen schon abgestempelt. Natürlich muss man daran arbeiten, aber Emotionen gehören begleitend dazu – das ist grundsätzlich nichts Dramatisches", versucht Salzburg-Trainer Ricardo Moniz zu beruhigen.

"Es liegt in unserer aller Verantwortung, dass wir keine negative Stimmung machen. Lasst uns das Positive sehen", hofft der Niederländer darauf, dass seine Schützlinge nicht abgestempelt werden.

Für Sportdirektor Heinz Hochhauser liegt aber auf der Hand: "Sie können nicht immer auszucken."

Der Oberösterreicher spricht im LAOLA1-Interview auch über den aktuellen Status quo, Pflicht und Dominanz sowie Transfers.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie bislang mit ihren neuen Spielern?

Heinz Hochhauser: Sie haben sich bislang nicht so schlecht entwickelt. Wir sind nach vier Runden mit drei Punkten Vorsprung Tabellenführer. Drei Siege und ein Unentschieden, da können wir natürlich zufrieden sein.

LAOLA1: Leonardo hat gegen Ried sein erstes Bundesliga-Tor geschossen und traf auch schon in der Europa League. Viele sagen, sein Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.

Hochhauser: Wir wissen ja, dass er die Qualität besitzt. Bei ihm stellen sich nur die Fragen, ob er körperlich stärker werden kann und ob er sich im Griff hat. Das hat man heute gesehen, dass es bei den Brasilianern gefährlich ist: Sie müssen einfach damit umgehen, dass man in Österreich attackiert wird. Da kann man nicht jedes Mal auszucken.

LAOLA1: Beim Auswärtsspiel in Innsbruck war das auch schon zu beobachten. Kann dem entgegengewirkt werden?

Hochhauser: Kann man schon. Aber sie müssen sich auch auf die andere Spielweise einstellen. Auf der Copacabana spielt man körperlos, aber bei uns in der Bundesliga nicht. Damit müssen sie umgehen lernen.

LAOLA1: Wie haben sie den Ausschluss von Alan gesehen?

Hochhauser: Da brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Wenn er Pech hat, bekommt er knallrot. Im Endeffekt müssen wir uns für Gelb-Rot bedanken. Das war eine Tätlichkeit.

LAOLA1: Abgesehen davon hat das Beispiel Alan gezeigt, dass sich Geduld bezahlt macht.

Hochhauser: Er hat anfangs nicht so viel gespielt und konnte nicht so sehr zeigen, was er kann. Die Brasilianer brauchen viele Freiheiten, die können nicht so in ein Schema gezwängt werden. Diese Freiheiten bekommt er jetzt und das wirkt sich positiv aus.

LAOLA1: Das liegt wohl auch an der Philosophie von Trainer Ricardo Moniz.

Hochhauser: Genau so ist es.

LAOLA1: Scheinbar entspricht diese mehr als jene unter seinem Vorgänger Huub Stevens.

Hochhauser: Er hat eine andere Philosophie, das sieht man auf dem Platz. Er nimmt mehr Risiko, das zahlt sich bislang aus.

LAOLA1: Passt diese offensive Ausrichtung nicht auch besser zur gesamten Marke Red Bull?

Hochhauser: Das ist richtig. Deswegen ist er auch Trainer geworden.

LAOLA1: Sie haben es vorher angesprochen: Vorne passt es, hinten passt es. Dazu fehlen aktuell einige Kräfte. Könnte Salzburg heuer die Liga dominieren?

Hochhauser: Das kann man jetzt nicht nach der vierten Runde sagen. Ich glaube, niemand wird die Liga dominieren, sondern es wird wieder eng. Im Endeffekt ist es mir aber wurscht, ob wir die Liga dominieren oder nicht.Wir wollen am Ende vorne sein und das ist das Ziel.

LAOLA1: Ist es aber nicht der Anspruch von Red Bull, die österreichische Liga zu dominieren?

Hochhauser: Man kann eine Liga nicht dominieren. Auch Barcelona dominiert nicht die Liga, Dortmund oder Bayern München auch nicht. Es wird immer schwieriger. Die anderen Mannschaften werden von den Trainern auch sehr gut organisiert, in der Defensive sowie durch die Fitness kann man sich da sehr viel helfen. Darum gibt es keine Liga mehr, in der man konkurrenzlos durchmarschiert.

LAOLA1: Sie sind Sportdirektor, der 31. August – auch bekannt als Schlusstag am Transfermarkt – naht: Was wird bei Salzburg noch passieren?

Hochhauser: Wir haben mit Joaquin Boghossian einen Stürmer abgegeben und an einer Nachfolge sind wir dran. Wir brauchen auch einen Angreifer, hatten auch keinen mehr auf der Bank. Sollte Cziommer längerfristig ausfallen, müssen wir im Mittelfeld auch noch was machen.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Warum waren in der Vergangenheit dann immer wieder so genannte Defensiv-Apostel am Werk?

Hochhauser: Wir haben nicht defensive Trainer geholt.

LAOLA1: Trapattoni, Stevens?

Hochhauser: Bei der Bestellung Trapattonis war ich nicht dabei. Er war aber einer der besten Trainer der Welt. Co Adriaanse war der Offensiv-Apostel schlechthin, es gibt kaum einen offensiveren Trainer auf der Welt. Bei Huub Stevens haben wir geglaubt, wir haben die Mischung gefunden, aber das ist mehr nach hinten los gegangen. Jetzt haben wir wieder jemanden, der mehr Wert darauf legt, dass wir Tore erzielen. Zudem haben wir erst zwei Tore in der Saison erhalten, was bedeutet, die Mischung passt und hoffentlich bleibt es so.

LAOLA1: Am Donnerstag wartet das Playoff-Hinspiel in der Europa League gegen Omonia Nikosia. Ist es für Red Bull Salzburg Pflicht, in die Gruppenphase einzuziehen?

Hochhauser: Im Fußball ist gar nichts Pflicht. Wir wollen aber natürlich rein. Das wird gegen Nikosia wieder ein ganz anderes Spiel. Sie haben eine technisch sehr gute Mannschaft, wir spielen bei sehr schwierigen Bedingungen. Aber wir können immer wieder das selbe Spielchen spielen: Man kämpft ein Jahr lang darum, in die Gruppenphase einzuziehen, und dann kann man nicht jammern, es wäre so heiß, kalt, anstrengend. Es ist einfach so. Wir wollen aufsteigen und deswegen brauchen wir ein gutes Ergebnis in Nikosia.

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