"Kann gute Geschichte werden"

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"Das kann eine ganz gute Geschichte werden"

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Für Rapid könnte die neue Saison nicht früh genug beginnen.

Platz fünf in der Liga, Halbfinal-Aus im Cup und damit verpasster Europacup-Startplatz sowie Platzsturm der Fans im Wiener Derby – trotz EL-Gruppenphase war 2010/11 zum Vergessen.

Vor allem auch für Steffen Hofmann. Der Kapitän, der sich vor dieser Seuchen-Saison gegen einen Wechsel und für einen neuen Vertrag bis 2014 entschied, hatte fast durchgehend zu kämpfen.

Seine Schambein-Verletzung ließ die grün-weiße Offensiv-Schaltzentrale zu selten zur Topform auflaufen. Nun scheint alles besser.

„Ich denke, ich werde topfit in die Saison gehen“, schildert der 31-Jährige im LAOLA1-Interview.

Der Deutsche nimmt zudem zum neuen Kader, zum neuen Trainer Peter Schöttel, zu seiner Positon und den Fans Stellung.

LAOLA1: Ist deine Schambein-Verletzung endgültig Geschichte?

Steffen Hofmann: Das hoffe ich. Es war im Frühjahr noch so, dass ich häufig Adduktorenprobleme hatte. Im Moment spüre ich dahingehend nichts. Ich kann zum ersten Mal seit langer Zeit schmerzfrei trainieren und das macht viel Spaß. Ich hoffe, dass es so weiter geht und wir gut in die Saison starten können.

LAOLA1: Geht also ein topfitter Steffen Hofmann in die Saison?

Hofmann: Ich denke schon. Wir haben sehr gut gearbeitet und ich fühle mich auch ganz gut.

LAOLA1: Vergangene Saison war für dich und Rapid so gut wie zum Streichen. Wurde sie dennoch aufgearbeitet?

Hofmann: Man darf nicht den Fehler machen, alles zu lange mit sich herumzuschleppen, aber auch nicht mit dem letzten Spiel alles abzuhaken. Man muss sich Gedanken machen, was alles schief gelaufen ist, und versuchen, im folgenden Jahr das deutlich besser zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das schaffen.

LAOLA1: Was ist denn mit Abstand betrachtet wirklich schief gelaufen?

Hofmann: Viele Sachen. Wir hatten zum einen viele Verletzte, auf der anderen Seite gab es eine Phase, in der große Unruhe im Verein herrschte. Dazu kommen viele kleine Sachen, die nicht sein sollten. Aber ich habe mir meine Gedanken gemacht, meine Kollegen hoffentlich auch und wir wissen, was wir besser machen müssen.

LAOLA1: Hattest du es während dieser Seuchen-Saison - unabhängig von deiner Verletzung - einmal bereut, vergangenes Jahr einen Vertrag bis 2014 unterschrieben zu haben und nicht doch gewechselt zu sein?

Hofmann: Eigentlich nicht. Natürlich kommt es vor, dass man sich denkt, was wäre wenn… Aber das führt ja zu nichts. Meine Entscheidung habe ich damals so getroffen. Jetzt haben wir eine schlechte Saison gehabt. Ich hatte ein Jahr, in der aufgrund meiner andauernden Verletzung fast nichts gepasst hat und ich hoffe nun einfach, dass ich in dieser Saison wieder bei 100 Prozent bin.

LAOLA1: Präsident Rudolf Edlinger hat einen Neustart proklamiert. Wie siehst du als Kapitän den Umbruch in der Mannschaft?

Hofmann: Wir haben viele Spieler dazubekommen, viele Spieler sind gegangen und wir haben ein neues Trainer-Team. Jetzt heißt es aus den neuen Möglichkeiten das Beste zu machen und ich bin fest davon überzeugt, dass wir unser Ziel, das Erreichen eines Europacup-Platzes, erreichen werden.

LAOLA1: Du meintest einmal, die Abgänge von Veli Kavlak, Yasin Pehlivan und Tanju Kayhan hätten dich weniger überrascht, weil sie auch weg wollten. Waren sie am Ende nicht mehr so bei der Sache?

Hofmann: Das will ich ihnen keinesfalls unterstellen, aber man hat eben gemerkt, dass die Jungs eine neue Herausforderung suchen und wo anders hingehen wollen. Da ist nichts Schlimmes dabei, sie haben auch gute Leistungen beim Verein gebracht und es sich dadurch verdient, woanders die Chance zu suchen. Mich haben die Abgänge nicht überrascht, aber zu sagen, sie hätten vergangene Saison nicht alles gegeben, wäre unfair.

LAOLA1: Was sagst du zu den Neuen?

Hofmann: Ich denke, wir haben sehr viel Qualität dazubekommen. Es sind hungrige Spieler nun dabei, die von einem kleineren Verein gekommen sind und damit einen großen und spannenden Schritt gemacht haben. Wir haben in der Mannschaft jetzt fast jede Position doppelt besetzt, dadurch haben wir Kämpfe um die Startplätze und das ist ganz gut.

LAOLA1: Ist dieser Kader stärker als in der vergangenen Saison?

Hofmann: Das werden wir am Ende sehen. Man kann das vorher nie genau einschätzen. Es braucht auch in gewissen Situationen das nötige Glück oder einen kleinen Lauf. Im Großen und Ganzen denke ich aber, dass wir gut aufgestellt sind und die Möglichkeiten haben, vorne mitzuspielen.

LAOLA1: Peter Schöttel ist seit knapp einem Monat in Amt und Würden. Was ist neu?

Hofmann: Jeder Trainer ist anders, hat seine eigene Art. Peter Schöttel ist jemand, der auf die Spieler zugeht, viel mit ihnen redet und ein Trainer-Team hat, das auch sehr viel im Training steuert und macht. Bislang sind wir alle zufrieden, entscheidend ist dann aber, was am Platz passiert.

LAOLA1: Es ist immer wieder von Spielern zu hören, das Training sei modern. Wie unterscheidet es sich von jenem von Peter Pacult?

Hofmann: Wir trainieren öfters in kleineren Gruppen, das ist der größte Unterschied, den wir am Platz haben. Bei den Laufeinheiten hat jeder seine Puls-Uhr und läuft dementsprechend. Da wurden vorher auch die Werte genommen, das war früher anders. Früher waren wir aber auch fit und haben 90 Minuten laufen können.

Steffen Hofmann kann voll angreifen

LAOLA1: Den Trainingsalltag verbringt die Mannschaft momentan gemeinsam. Wird das während der Saison fortgesetzt?

Hofmann: Das weiß ich noch nicht. Bislang ist es so, dass wir sehr viel Zeit gemeinsam verbracht haben. In der Vorbereitung ist das auch ganz gut, dass man die Möglichkeit hat, zusammen zu sein oder zwischen den Einheiten zu schlafen. Von daher hatten wir die besten Bedingungen. Als wir in Kagran trainierten, waren wir etwa in Tageszimmer in Hotels untergebracht. Das war schon sehr angenehm, sonst lungerte man zwei Stunden irgendwo herum und wartete auf das nächste Training.

LAOLA1: Ist Peter Schöttel ein angenehmerer Trainer als Peter Pacult?

Hofmann: Das muss jeder mit sich ausmachen. Er spricht sicher mehr mit den Spielern als es Peter Pacult gemacht hat. Aber das alles ist nicht entscheidend. Entscheidend ist nur, wo wir nächsten Mai stehen.

LAOLA1: Schöttels Ziel ist es, das Rapid-Spiel dynamischer zu machen. Das ist wohl auch in deinem Sinne.

Hofmann: Ich hoffe natürlich, dass wir in der Offensive wieder zeigen können, welche Qualität wir haben. Und die haben wir in jedem Fall. Ich denke, vergangene Saison hat es vorne wie auch hinten nicht gut ausgeschaut. Daraus müssen wir die Lehren ziehen.

LAOLA1: Es scheint noch offen, auf welcher Position genau du spielen wirst. Wo siehst du dich?

Hofmann: Keine Ahnung. Bis jetzt habe ich in der Vorbereitung immer in der Mitte gespielt, als Sechser oder Achter. Das werden wir sehen.

LAOLA1: Wie definierst du für dich die Position des Sechsers?

Hofmann: Es ist schon lange her, dass ich sie gespielt habe, aber davor habe ich auch eine Zeit lang dort agiert und daher ist es machbar. Es ist natürlich nicht ganz so offensiv, wie bisher, aber man hat in der Mitte auch mehrere Möglichkeiten. Ich bin eigentlich davon überzeugt, wenn es in der Defensive einigermaßen gut klappt, dann kann das eine ganz gute Geschichte werden.

LAOLA1: Wie schwer fällt es dir, Defensiv-Aufgaben zu meistern?

Hofmann: Es ist kein Problem, es macht mir sogar Spaß.

LAOLA1: Wenn du rechts im Mittelfeld gespielt hast, wurde der Rechtsverteidiger gerne als „armer Hund“ bezeichnet. War es so ausgerichtet, dass du weniger nach hinten tun musstest?

Hofmann: Überhaupt nicht. Ich verstehe das Thema auch überhaupt nicht. In den meisten dieser Spiele habe ich mich offensiv überall bewegt und in der Defensive war ich rechts. Es sind auch nicht mehr Tore über die rechte Seite als über die linke gefallen. Von daher verstehe ich die ganze Diskussion nicht.

LAOLA1: Wo bist du dann am besten aufgehoben?

Hofmann: Das wird man sehen. Ich denke, der Trainer plant mit mir aktuell in der Mitte. Das macht mir Spaß. Wenn ich rechts spielen soll, spiele ich rechts, wenn links, dann links und wenn ich zweiter Stürmer spielen soll, dann spiele ich dort. Wichtig ist, dass wir erfolgreich sind und nicht, was mir am meisten Spaß macht.

LAOLA1: Den Fans macht es momentan nicht Spaß, momentan herrscht ein Boykott. Nach den Vorfällen rund um den Derby-Platzsturm ist einiges zerbrochen worden. Wann wird sich alles wieder einrenken?

Hofmann: Gute Frage. Ich bin momentan nicht wirklich darin involviert und weiß nicht, wie die Gespräche dahingehend laufen. Ich glaube, man darf nicht vergessen, dass wir viele Jahre lang die tolle Stimmung der Fans genossen haben. Jetzt ist etwas passiert, dass so nicht hätte passieren dürfen. Das ist eben die andere Seite. Jetzt müssen alle zur Ruhe kommen, das verdauen und dann hoffe ich, dass wir alle gemeinsam wieder so zusammenarbeiten können, wie es vorher der Fall war.

LAOLA1: Du warst damals gemeinsam mit deinen Töchtern im Stadion. Hast du die Vorfälle für dich persönlich verarbeitet?

Hofmann: Für mich ist das vorbei. Am Anfang war es natürlich nicht leicht, aber jetzt ist es kein Thema mehr.

LAOLA1: Dein konkretes Ziel für die Saison?

Hofmann: Den Europacup-Platz müssen wir natürlich unbedingt erreichen. Wenn wir ganz oben stehen, nehmen wir das natürlich auch. Und den Cup wollen wir jetzt auch einmal unbedingt gewinnen.

LAOLA1: Was sagst du zur Konkurrenz?

Hofmann: Wie jedes Jahr ist Salzburg Favorit auf den Titel. Da wird sich so schnell nichts daran ändern. Man merkt aber auch, dass es eben kein Selbstläufer ist und die anderen Mannschaften auch Qualität haben.

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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