Hochhauser: "Wir haben es nicht leicht!"

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Zwei Liga-Niederlagen in Folge, Tabellenführung verloren, auf Platz drei abgerutscht.

Gemessen an den Ansprüchen von Red Bull Salzburg war die Woche vor der Länderspielpause ernüchternd.

Darum verwundert es nur wenig, dass das Wort "Mini-Krise" in Salzburg schon die Runde gemacht hat.

In der Mozartstadt ticken die Uhren eben anders, vor allem seit Red Bull das Sagen hat.

Die aktuellen Probleme sind aber zum Teil hausgemacht (LAOLA1 berichtete), zum Teil eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Vor allem die Verletzungsmisere trägt viel zum Anti-Lauf bei, wie auch Sportdirektor Heinz Hochhauser zu Bedenken gibt.

Im LAOLA1-Interview nimmt der 64-jährige Oberösterreicher daher auch die Schiedsrichter in die Pflicht, fordert mehr Schutz für die Techniker und verteidigt zudem Salzburgs Transferpolitik.

LAOLA1: Herr Hochhauser, Salzburg ist mit der zweiten Liga-Niederlage in Folge in die Länderspielpause gegangen. Warum ist es zuletzt nicht mehr so rund gelaufen?

Heinz Hochhauser: Unter anderem, weil uns gewisse Spieler einfach extrem fehlen. Jede Mannschaft hat fünf, sechs Spieler, auf die sie nicht verzichten kann. Wenn bei uns ein Alan, ein Leitgeb oder ein Leonardo ausfallen, dann wirkt sich das logischerweise auf die Leistung aus.

LAOLA1: Aber der Kader von Salzburg ist für österreichische Verhältnisse sehr gut bestückt. Warum kann man die Ausfälle nicht besser kompensieren?

Hochhauser: Weil eben Ausnahmespieler nicht zu kompensieren sind. Es gibt in jedem Klub Spieler, die du schwer oder kaum gleichwertig ersetzen kannst. Ich habe mal ein Spiel von Barcelona gesehen, wo Messi, Xavi und Iniesta bis zur 70. Minute geschont wurden. Da es aber nur 1:1 gestanden ist, sind sie reingekommen und Barcelona hat noch 3:1 gewonnen.

LAOLA1: Salzburg hat überdurchschnittlich viele Verletzte. Haben Sie das Gefühl, dass in Österreich zu hart gespielt wird?

Hochhauser: Ja, manchmal habe ich schon das Gefühl. Gerade was uns betrifft. Wir haben viele technisch gute Spieler, die kaum von der Physis leben. Die werden dann oft regelrecht abmontiert. Ich hätte mir öfters gewünscht, dass die Schiedsrichter schneller eine Gelbe Karte zücken und nicht einfach darüber hinweg schauen.

LAOLA1: Ist es in Österreich so, dass die Spieler zuerst schauen, wie weit sie gehen können?

Hochhauser: Gegen uns ist das auf jeden Fall so, da wir einfach mehr Individualisten als andere Mannschaften haben. Deswegen haben wir es nicht leicht. Es wird in Österreich sehr körperbetont und manchmal auch überzogen hart gespielt.

LAOLA1: Jetzt testet Trainer Moniz mit Larena und Bruins zwei vereinslose Spieler. Können die wirklich weiterhelfen?

Hochhauser: Es ist nicht so, dass wir unbedingt Handlungsbedarf haben. Aber derzeit haben wir eine unglückliche Serie, wo sehr viele Mittelfeldspieler ausfallen. Wenn es dann eine Möglichkeit gibt, einen Spieler bis zum Winter zu verpflichten, der nicht nur auf der Bank sitzt, sondern uns wirklich weiterhelfen kann, dann würden wir das machen. Ob es einer von diesen zwei Spielern ist, werden wir spätestens am Freitag wissen.

RBS: Der Zuschauerschnitt ist weiterhin bescheiden

LAOLA1: Eine andere Baustelle sind die Zuschauerzahlen. Im ersten EL-Heimspiel gegen Slovan waren beispielsweise nur 7.500 Leute im Stadion, darunter 2.000 slowakische Fans. Wie erklären Sie sich das?

Hochhauser: Zum einen glaube ich schon, dass uns die Vergangenheit noch etwas nachhängt. Wir haben vergangene Saison doch viele Zuschauer verloren. Und es dauert einfach, bis man die wieder zurückgewinnt. Aber wir sind immerhin am aufsteigenden Ast. In der Liga hatten wir durch die Europa League viele Sonntags-Termine. Und da gibt es eben viele, die bei diesem schönen Wetter nicht unbedingt ins Fußball-Stadion gehen.

LAOLA1: Viele Salzburg-Anhänger kritisieren, dass die Mannschaft gerade in der Liga nicht immer alles gibt. Können Sie das nachvollziehen?

Hochhauser: Also diesen Vorwurf konnte man der Mannschaft nur ein Mal machen: Und das war gegen die Admira. Und das hat sie sich dann auch eine Woche lang anhören müssen. Man kann nicht immer seine maximale Leistung abrufen, sonst würden wir wahrscheinlich kein Match verlieren. Grundsätzlich hat sich schon einiges verbessert, gerade der Trainer ist immer dahinter, dass ordentlich trainiert und gespielt wird.

LAOLA1: Noch ein anderes Thema, das Sie auch betrifft: Seit Dienstag gibt es mit Marcel Koller einen neuen Teamchef. Aus Ihrer Sicht eine gute Wahl?

Hochhauser: Ich kenne ihn nicht, darum kann ich auch wenig über ihn sagen. In Österreich ist er eine gewisse Unbekannte. Man darf jetzt aber nicht beginnen, wieder alles madig zu reden. Der ÖFB wird sich sicher genau erkundigt haben. Für mich ist seine Bestellung schon auch überraschend gekommen, aber wir werden ihn hundertprozentig unterstützen. Man darf nicht jetzt schon wieder alles in Frage stellen.

LAOLA1: ÖFB-Präsident Leo Windtner hat gesagt, dass u.a. auch Sie bei den Änderungen der ÖFB-Strukturen mitgesprochen haben. Wie haben Sie sich konkret einbringen können?

Hochhauser: Ich habe mit ihm mal ein Gespräch geführt und ihm meine Meinung gesagt. Über den Inhalt werde ich mich öffentlich aber nicht äußern.

LAOLA1: Was müsste sich denn im österreichischen Fußball konkret ändern?

Hochhauser: Es gibt schon viele Dinge, die ich verändern würde. Es liegt halt jetzt beim ÖFB, was von den Vorschlägen umgesetzt wird. Dass auch im Nachwuchs nicht alles Gold ist was glänzt, wissen wir – auch wenn es oft anders dargestellt wird. Nachwuchs entwickelt, die Erwachsenen bringen dann die Ergebnisse. Wenn sich aber der Nachwuchs nicht so entwickelt, dann bringen auch die Erwachsenen nicht die Resultate, die wir uns erwarten.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

LAOLA1: Sie haben gemeinsam mit Moniz zu Beginn der Saison gesagt, dass die Jungen in dieser Saison mehr forciert werden. Jetzt wäre doch die ideale Gelegenheit, um ihnen diese Einsätze zu geben, oder?

Hochhauser: Das Problem ist ja nicht, dass wir nicht auf die Jugend setzen, sondern dass das immer positionell bedingt ist. Die Jungen wie Adjei, Savic oder Offenbacher sind ja regelmäßig beim Training dabei, aber wir haben derzeit mehr Bedarf auf der offensiven Mittelfeldposition. Und da käme nur Savic in Frage, der aber körperlich noch nicht so weit ist.

LAOLA1: Muss man sich nicht auch den Vorwurf gefallen lassen, dass in der Kaderplanung Fehler passiert sind? Es gibt eine Fülle von Flügelspielern, aber kaum Alternativen in der Zentrale.

Hochhauser: Nein, den Vorwurf kann ich mir nicht gefallen lassen. Und zwar aus dem einfachen Grund: Wir haben gewusst, dass wir im offensiven Bereich keine Unzahl an Spielern haben. Aber wir haben Maierhofer geholt, um Alan auch mal im offensiven Mittelfeld spielen zu lassen. Dazu haben wir noch Leitgeb und Cziommer auf dieser Position. Dass jetzt ausgerechnet zwei von diesen drei Spielern ausfallen, kann man vorher nicht wissen.

LAOLA1: Aber Alan ist vor Transferschluss ausgefallen, man hätte also noch reagieren können.

Hochhauser: Ja, wir haben gewusst, dass es eng werden wird, deswegen wollten wir kurz vor Transferschluss mit dem Finnen Väyrynen auch die Lücke schließen. Aber er wollte einen langfristigen Vertrag, den wir ihm nicht geben wollten. Darum ist er nach England gegangen.

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