"Ein Tapetenwechsel wäre nicht schlecht!"

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Vor fünf Jahren hätte sich Christoph Leitgeb wohl nicht gedacht, dass er einmal dienstältester „Bulle“ sein würde.

Der Steirer wechselte im Sommer 2007 als 22-Jähriger von Sturm zu Salzburg, um beim Liga-Krösus den nächsten Schritt zu machen.

Danach sollte es dann eigentlich ins Ausland gehen.

Aber mittlerweile ist abgesehen von Ibrahim Sekagya (er kam ebenfalls 2007) keiner länger in der Mozartstadt als Leitgeb.

„Ein Tapetenwechsel wäre nicht schlecht. Wenn du immer gegen die gleichen Mannschaften spielst und das vier Mal im Jahr, willst du irgendwann schon was anderes sehen“, spricht das RBS-„Urgestein“ im LAOLA1-Interview erstmals von Abschied.

Auch zum neuen Trainer, zur fehlenden Kontinuität und zur möglichen Sturm-Rückkehr hat der Familienvater eine klare Meinung.

LAOLA1: Christoph, ihr habt seit fast zwei Wochen einen neuen Trainer. Wie ist dein erster Eindruck von Roger Schmidt?

Christoph Leitgeb: Ich habe einen sehr guten Eindruck. Er macht ein tolles Training, bei dem die Balleroberung im Vordergrund steht. Es waren bislang zwei sehr gute Wochen.

LAOLA1: Wie groß ist der Unterschied zum Training von Ricardo Moniz?

Leitgeb: Sehr groß. Ricardo hat doch hauptsächlich Technik trainieren lassen. Aber jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Jetzt zählt nur die von Roger Schmidt.

LAOLA1: Warst du überrascht vom Moniz-Rücktritt?

Leitgeb: Ja, doch. Ich habe eine SMS bekommen und konnte es anfangs kaum glauben.

Christoph Leitgeb im Gespräch mit LAOLA1-Redakteur Kurt Vierthaler

LAOLA1: Du bist jetzt 27, spielst bereits seit fünf Jahren in Salzburg. Verspürst du Sehnsucht nach einem Wechsel?

Leitgeb: Ja, doch. Ein Tapetenwechsel wäre nicht schlecht. Wenn du immer gegen die gleichen Mannschaften spielst und das vier Mal im Jahr, willst du irgendwann schon was anderes sehen. Aber ich bin nichts anderes gewohnt. Darum wäre es sicher nicht schlecht, einmal was Neues auszuprobieren.

LAOLA1: Könntest du auch damit leben, deine ganze Karriere in Österreich zu verbringen?

Leitgeb: Für mich wäre es kein Problem, wenn der Transfer ins Ausland nicht passiert.

LAOLA1: Franco Foda wäre ja jetzt in Kaiserslautern.

Leitgeb (lacht): Vielleicht ruft er mich an, wenn sie aufsteigen. Unser Kontakt ist jedenfalls nie abgerissen. Deutschland wäre auch eine tolle Option.

LAOLA1: Hat es jetzt auch schon Gespräche gegeben?

Leitgeb: Ich habe mit Franco kürzlich am Flughafen gesprochen, als ich auf Urlaub geflogen bin. Da hat er gesagt, er holt mich, wenn sie aufsteigen (lacht). Die zweite deutsche Bundesliga reizt mich nicht so, um ehrlich zu sein.

LAOLA1: War der Rücktritt wirklich so überraschend? Immerhin ist Moniz eigentlich ständig in der Kritik gestanden.

Leitgeb: Das stimmt. Vor allem in der Phase, wo wir sieben Spiele nicht gewonnen haben. Doch da steht sowieso jeder Trainer in der Kritik. Er hat das gut weggesteckt und letztlich waren wir auch sehr erfolgreich. Aber er hat natürlich schon viel einstecken müssen.

LAOLA1: Du bist jetzt fünf Jahre hier und gehst mit dem fünften Trainer in die neue Saison. Nicht unbedingt ideal, oder?

Leitgeb: Nein, ganz und gar nicht. Es ist sehr schwierig, wenn jedes Jahr ein neuer Trainer kommt. Mit dem neuen Trainer kommen ja dann auch meistens neue Spieler - da kann am Anfang gar nicht alles funktionieren. Das haben die letzten Jahre gezeigt. Es wäre nicht schlecht gewesen, hätte man einmal einen Trainer über einen längeren Zeitraum arbeiten lassen.

LAOLA1: Wie zuversichtlich bist du, dass mit der Verpflichtung von Ralf Rangnick jetzt wirklich Kontinuität einkehrt?

Leitgeb: Ich hoffe doch, dass jetzt einmal über mehrere Jahre das gleiche Personal arbeitet. Aber im Fußball weiß man nie, was passiert.

LAOLA1: Du hast selbst nur mehr ein Jahr Vertrag. Hast du dir schon Gedanken über die Zukunft gemacht?

Leitgeb: Nein, noch nicht wirklich. Ich möchte vor allem die Saison gesund durchspielen. Vielleicht wage ich dann den Schritt ins Ausland.

LAOLA1: Könntest du dir auch vorstellen, in Salzburg noch einmal zu verlängern?

Leitgeb: Wenn ich in Salzburg noch einmal für zwei oder drei Jahre verlängere, dann kann ich das Ausland wahrscheinlich abschreiben. Aber ich kann mir schon vorstellen, in Salzburg zu bleiben. Meine Freundin fühlt sich sehr wohl, dazu haben wir ja jetzt eine kleine Tochter.

LAOLA1: Was hat sich verändert, seit du Vater bist?

Leitgeb: Ich habe viel mehr Verantwortung. Die Kleine spielt jetzt natürlich auch in meiner Karriere-Planung eine Rolle. Ich will, dass sie ein gutes Leben hat. Und natürlich geht mir derzeit etwas der Schlaf ab (grinst).

LAOLA1: Ist auch eine Rückkehr zu Sturm denkbar?

Leitgeb: Das war schon vor zwei Jahren ein Thema. Franco wollte mich unbedingt zurückholen. Aber das war mir damals zu früh. Wenn ich über 30 bin, kann ich mir das sehr gut vorstellen. Ich gehe früher oder später sowieso nach Graz zurück, weil wir uns dort ein Grundstück gekauft haben.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

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