Admiras letzte Helden

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Die Admira als Tabellenführer. Ein Tabellen-Anblick mit Seltenheitswert. Für gewöhnlich krebst die "graue Maus" der Liga nämlich eher im Keller herum.

1.386 Tage lang mussten die Südstädter warten, ehe sie wieder den Platz an der Sonne erklimmen konnten. In der 15. Runde der Saison 2011/12 war es davor zum letzten Mal soweit.

Und damals war die Überraschung nicht minder groß. Mit Trainer Didi Kühbauer mischten die Niederösterreicher als Aufsteiger die Bundesliga auf und beendeten die Saison sogar auf dem dritten Platz.

Doch wer hat die Admira in dieser Saison geprägt? Wer durfte erstmals in der Bundesliga ran? Und wie haben sich die Karrieren der damaligen Admira-Helden seither entwickelt?

LAOLA1 hat sich alle 27 in der Saison 2011/12 eingesetzten Spieler genauer angesehen:

SIE SIND AUFGESTIEGEN

Stefan Schwab

In seiner ersten vollen Saison für die Admira, im Aufstiegs-Frühjahr war er noch von den RB Juniors ausgeliehen, stellte Schwab als 20-Jähriger sofort seine Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis und war (abgesehen von der Knieverletzung im Finish) Stammspieler. Vier Tore und vier Assists standen letztlich zu Buche. Im Sommer 2014 holte ihn der SK Rapid, wo er in der Mittelfeld-Zentrale mittlerweile auch unumstritten ist.

Philipp Hosiner

Mit seinen 13 Toren für die Vienna hatte sich der Angreifer für höhere Aufgaben empfohlen und wurde nach dem Aufstieg verpflichtet. Zehn Tore in seiner ersten Bundesliga-Saison konnten sich durchaus sehen lassen, wenngleich der damals 22-Jährige im Frühjahr eine Durststrecke durchlebte. Der Triplepack gegen die Austria hat die Violetten, die ihn im August 2012 holten, dann aber doch überzeugt. Der Rest ist Geschichte: Ho-Ho-Hosiner wird Schützenkönig, Teamspieler, wechselt zu Rennes, wird dort nicht glücklich, bekämpft erfolgreich einen Nieren-Tumor und kickt nun in Köln.

Christopher Dibon

Als 20-Jähriger in die Saison gestartet wurde der junge Admira-Kapitän, der im Juni 2011 bei seinem ersten und bisher auch einzigen Länderspiel gegen Lettland einen Treffer bejubeln durfte, im Herbst zum Shootingstar. Bärenstarke, abgebrühte Leistungen sorgten nach einem Jahr Bundesliga für den Wechsel nach Salzburg. Doch schon im Frühjahr 2012, als der Transfer bereits fixiert war, hielt das Verletzungspech, das ihm seither treu geblieben ist, für eine monatelange Pause wegen eines Wadenbeinbruchs. Seit zwei Jahren spielt der Schwechater beim SK Rapid.

Stephan Auer

Dibons Pech im Frühjahr war Auers Glück. Im Herbst 2011 hieß die Realität des Außenverteidigers nämlich noch Regionalliga Ost. Doch weil Andreas Schrott wegen Dibons Verletzung plötzlich als Innenverteidiger gefragt war, durfte Auer schon bald statt gegen Simmering, Sollenau und Schwechat gegen Salzburg, Austria und Rapid antreten. Im vergangenen Sommer hat er den Sprung zu Rapid Wien gewagt.

Richard Windbichler

Nach seiner Rückkehr von der U20-WM in Kolumbien etablierte sich Windbichler als kongenialer Innenverteidigungs-Partner von Dibon, stand aber dennoch immer ein wenig in dessen Schatten. Wiederkehrende Probleme mit dem Rücken sorgten dafür, dass es der heute 24-Jährige auf nicht mehr als 21 Spiele brachte. Nach dem ersten Bundesliga-Jahr avancierte er als Kapitän endgültig zum Dibon-Ersatz und Führungsspieler. Seit wenigen Monaten ist er ein Austrianer.

Marcel Sabitzer

Schon zum Saison-Auftakt 2011/12 gegen Rapid durfte der Steirer im zarten Alter von 17 Jahren, 3 Monaten und 29 Tagen sein Bundesliga-Debüt feiern. So richtig durchstarten konnte er aber erst gegen Saisonende, als er in den Runden 32, 33 und 34 mit vier Toren und drei Assists Aufsehen erregte. Es folgte ein weiteres halbes Jahr in der Südstadt, ehe ihn Rapid unter Vertrag nahm. Dann der Wechsel nach Salzburg und nun zu Leipzig. Sabitzer hat mittlerweile 13 Länderspiele bestritten.

Martin Zeman

Für ein Jahr von Sparta Prag ausgeliehen, hinterließ der tschechische Offensivspieler in der Südstadt keinen bleibenden Eindruck - 14 Einsätze, davon nur vier von Beginn an, gerade mal ein Assist, kein Tor. Doch der heute 26-Jährige hat sich gemausert. Gute Leistungen in seiner Heimat beim FK Pribram brachten den ehemaligen U21-Teamspieler im Sommer zum FC Sion, wo er beim Dritten der Schweizer Super League zwischen Startelf und Einsätzen als Joker pendelt.

 

SIE HABEN SICH VERÄNDERT

Rene Seebacher

Die Saison 2011/12 war die beste in der bisherigen Karriere des Kärntners. Die Südstädter hatten ihn im Sommer als Stammspieler vom TSV Hartberg verpflichtet und der zum rechten Mittelfeldspieler umfunktionierte Kicker stand 24 Mal in der Startelf von Kühbauer. In der Spielzeit darauf war der Stammplatz wieder futsch, im Herbst 2014 war der nun 27-Jährige sogar arbeitslos, ehe ihn sein Ex-Admira-Coach zum WAC holte. Aktuell verdingt sich Seebacher in der Ersten Liga beim SC Wiener Neustadt.

Daniel Drescher

Weil Dibon und Windbichler oft verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen, durfte sich mit Drescher ein dritter junger Innenverteidiger über jede Menge Einsätze in seiner ersten Bundesliga-Saison freuen. In weiterer Folge stagnierte der Wiener aber ein wenig und wechselte im Sommer 2014 zum WAC. Mittlerweile hat der Blondschopf 67 Partien in der höchsten Spielklasse auf dem Buckel.

Issiaka Ouedraogo

Der Stürmer war bereits Teamspieler von Burkina Faso, als ihn die Admira als 22-Jährigen vom SV Grödig nach Maria Enzersdorf holte. Dort entwickelte sich der stets gut gelaunte "Sakko" nach und nach zu einem der Lieblingsspieler von Kühbauer und konnte mit sechs Treffern sowie vier Assists seinen Beitrag zum großen Erfolg in der Saison nach dem Aufstieg leisten. Vor wenigen Tagen ging seine Zeit in der Südstadt zu Ende - Ouedraogo spielt wieder unter Kühbauer beim WAC.

Benjamin Sulimani

Nachdem der Oberösterreicher die Admira mit sensationellen 19 Toren und 13 Assists zurück in die Bundesliga geschossen hatte, wurden vor seiner ersten richtigen Saison als Profi in der höchsten Spielklasse hohe Erwartungen in den Angreifer gesetzt. Sulimani konnte sie nicht wirklich erfüllen, war nie unumstritten und verbuchte letztlich zehn Scorerpunkte (4 Tore/6 Assists). Den Herbst 2013 verbrachte er als Legionär in Norwegen bei Viking Stavanger, seit diesem Sommer spielt er, nach zwischenzeitlicher Rückkehr zur Admira, in Grödig.

Stephan Palla

In der Ersten Liga noch Stammspieler, war die Saison 2011/12 für die Rapid-Leihgabe so ziemlich zum Vergessen. Ursprünglich noch gesetzt, setzten den Linksverteidiger, der seit einigen Monaten Nationalteamspieler der Philippinen ist, zunächst Rückenprobleme und dann ein Bandscheibenvorfall fast die gesamte Saison außer Gefecht - elf Einsätze waren es letztendlich. Nach einem wenig zufriedenstellenden Zwischenspiel bei Rapid 2013/14 heuerte auch er beim WAC an.

Lukas Thürauer

Einst als großes Talent beim SKN St. Pölten gerühmt, schaffte der Mittelfeldspieler spät, aber doch im Winter 2011/12 den Sprung in die höchste Spielklasse. Dort hatte der Niederösterreicher im ersten Halbjahr aber mit Anpassungsproblemen zu kämpfen und blieb einiges schuldig. Danach entwickelte sich Thürauer zur Stammkraft, ehe ihn der Klub aus der Landeshauptstadt im vergangenen Winter mit einem gut dotierten Vertrag zur Rückkehr überreden konnte.

 

SIE SIND WEG VOM FENSTER

Patrick Tischler

Als klare Nummer zwei in die Saison gegangen, erhielt Tischler ab September 2011 überraschend den Vorzug gegenüber Hans-Peter Berger und war plötzlich Bundesliga-Goalie. Zu Saisonende standen 46 Gegentore in 31 Spielen auf dem Statistik-Blatt. Als unumstrittene Nummer eins konnte sich Tischler jedoch nie etablieren, zu unkonstant waren seine Vorstellungen. Im Februar 2014 kehrte er dem Profi-Fußball den Rücken, um sich auf seine berufliche Laufbahn bei der Polizei zu konzentrieren.

Patrik Jezek

Obwohl er den 30. Geburtstag schon längst gefeiert hatte, war der tschechische Routinier maßgeblich für den Erfolg der Admira verantwortlich. Öffentlich schweigsam, hielt der intern als Spaßvogel bekannte Mittelfeldspieler die junge Truppe in der Spur und drückte der Liga ein letztes Mal den Stempel auf. Elf Tore und acht Assists sind ein Beleg dafür, was der Rekord-Legionär (308 Spiele in der Bundesliga) damals noch zu leisten imstande war. Im Sommer 2013 beendete der Vater zweier Töchter, die sich als Tennisspielerinnen versuchen, seine Karriere.

Gernot Plassnegger

Der Steirer war neben Jezek der zweitälteste Spieler im Kader und ebenfalls schon längst im Herbst seiner Karriere angekommen. Doch als ausgefuchster Rechtsverteidiger, dem man nur schwer etwas vormachen konnte, war der einfache ÖFB-Teamspieler dennoch ein wichtiger Baustein in Kühbauers Elf. Am Ende der Saison war der frühere Deutschland- und Griechenland-Legionär sogar Kapitän. Seit dem Sommer 2013 ist er Trainer des neugegründeten GAK.

Andreas Schrott

Andreas Schrott schien sich schon damit abgefunden zu haben, dass sich die Angelegenheit Profi-Fußball für ihn erledigt haben würde. Doch im Sommer 2011 holte Kühbauer den Tiroler von Regionalligist Anif zurück in der Bundesliga. Schrott dankte es ihm mit zuverlässigen Leistungen, wo er gebraucht wurde - in der Links- und Innenverteidigung. Von Jänner 2013 bis Jänner 2014 spielte er bei Liefering, mittlerweile nur noch hobbymäßig in der Landesliga West beim SV Absam. Hauptberuflich ist Schrott Co-Trainer beim FC Wacker Innsbruck.

Bernhard Schachner

Der Eigenbauspieler erwischte einen durchwachsenen Start in die Saison, was nicht zuletzt an einer Knieverletzung lag, setzte sich ab der sechsten Runde aber in der Startelf fest. Als der Winter ins Land zog, hatte es der Mittelfeldmann aber zunehmend schwer und fand sich im Frühjahr immer öfter auf der Bank wieder. Im vergangenen Sommer setzte der nunmehr 29-Jährige wegen anhaltender Probleme mit der Achillessehne einen Schlussstrich unter seine Profi-Karriere und spielt nun beim SV Stripfing in der 2. Landestliga Ost.

Patrick Mevoungou

Beim SK Sturm, seiner ersten Station in Österreich, hatte sich der zweifache Teamspieler aus Kamerun nicht durchsetzen können, und auch bei der Admira, die ihn im Sommer 2011 verpflichtete, benötigte Mevoungou eine lange Anlaufzeit. Ab der 26. Runde verpasste der Mittelfeldspieler dann aber keine einzige Minute mehr. In der Saison 2013/14 kickte er dann in Ungarn bei Györi ETO, zuletzt stand er in Libyen bei Al Ahly unter Vertrag.

Hans-Peter Berger

Nach seiner Ausbootung Anfang September 2011 war es so gar nicht die Bundesliga-Comeback-Saison, die sich der ehemalige Portugal-Legionär erhofft hatte. Stattdessen suchte der Salzburger im Winter das Weite und schloss sich dem FC Pasching an. Zuletzt versuchte der Goalie vergeblich, den TSV Hartberg vor dem Abstieg aus der Ersten Liga zu bewahren. Aktuell ist er vereinslos.

Emin Sulimani

Seit seinem Abgang von der Wiener Austria im Sommer 2010 war der Oberösterreicher vom Pech verfolgt. Beim LASK fast dauerverletzt, heuerte er im Sommer 2011 bei der Admira an und und kam anfangs zumeist zu Kurzeinsätzen. Das Spiel am 5. November 2011 sollte sein letztes in der Bundesliga bleiben. Probleme mit dem Schambein machten es dem Offensivspieler fortan unmöglich, Profi-Fußball zu spielen. Zuletzt stand der Pechvogel bei den Amateuren des SV Horn unter Vertrag, aktuell hat er keinen Klub.

Bernhard Fucik

In seinem Fall ist die Bewertung "Weg vom Fenster" grenzwertig, kämpft Fucik aktuell doch mit der Vienna um die Rückkehr in den Profi-Fußball. Auch 2011/12 stand der Niederösterreicher an dieser Kippe - die Südstädter hatten ihn aus der Regionalliga Ost von Sollenau geholt, setzten ihn aber in ebendieser Spielklasse bei den Amateuren ein. Lediglich 42 Bundesliga-Minuten durfte er in vier Einsätzen sammeln. Der Durchbruch gelang ihm nie - weder bei seinem ersten Engagement in Wien-Döbling, noch in St. Pölten.

Froylan Ledezma

Gemeinsam mit dem Brasilianer Leonardo hatte der Costa Ricaner 2006/07 mit dem SCR Altach die Bundesliga aufgemischt und es danach in die zweite deutsche Liga zu Augsburg geschafft. Bei seinem zweiten Anlauf mit einem Aufsteiger lief es hingegen gar nicht. Mit vier Toren und acht Assists hatte er im Frühjahr 2011 zur Rückkehr der Admira in die höchste Spielklasse beigetragen, dort kam er über 60 Minuten in der ersten Runde aber nicht mehr hinaus - auch wegen privater Probleme. Im Winter kehrte er in seine Heimat zu LD Alajuelense zurück, wo er seine Karriere ausklingen ließ.

 

SIE SIND NOCH ADMIRANER

Daniel Toth

Für die SV Ried hatte Daniel Toth in den Jahren 2007 und 2008 schon 35 Bundesliga-Partien bestritten, nach zweieinhalb Jahren in der Ersten Liga feierte der Mittelfeldspieler sein Comeback in der höchsten Spielklasse. Es war ein Pendeln zwischen Startelf und Ersatzbank. Das Highlight: In den Runden 24 und 25 traf er gegen die Austria und Sturm in zwei aufeinanderfolgenden Partien per Freistoß. Toth hielt der Admira seither die Treue und ist, nachdem er monatelang verletzt passen musste, wieder voll fit und zurück.

Rene Schicker

Schon seit dem Sommer 2008 ist der Steirer, der damals vom DSV Leoben kam, ein Admiraner. Während er in den Jahren der Zweitklassigkeit regelmäßig ran durfte, war die Saison 2011/12 von Ersatzbank-Aufenthalten geprägt - was "Chicha" nicht daran hinderte, sich zum Frühjahrs-Auftakt am Tivoli eine Rote wegen Schiedsrichter-Beleidigung abzuholen und zwei Spiele wegen einer Sperre zu verpassen. Am Ende standen zwei Tore und fünf Assists in 13 Spielen, wovon er nur vier Mal in der Startelf stand, zu Buche. Abgesehen vom Frühjahr 2013, als er nach Hartberg verliehen wurde, ist er immer Admiraner geblieben.

Thomas Ebner

Weil Dibon, Drescher und Windbichler allesamt nicht einsatzfähig waren, feierte der Defensivspieler als 20-Jähriger in der 27. Runde sein Bundesliga-Debüt - über 90 Minuten lang durfte er in der Innenverteidigung ran, die Admira holte ein 2:2 gegen Salzburg. Es folgten zwei weitere Einsätze. Seither hat das Eigengewächs viel Erfahrung gesammelt, 84 weitere Pflichtspiele für die Niederösterreicher bestritten und ist längst Stammkraft.

Thomas Weber

"Der Websi is koit wia a Fisch", sagte Kühbauer einmal über die nervliche Belastbarkeit seines Schützlings. 2010/11 war der Außenverteidiger noch Akademie-Spieler, 2011/12 durfte er bei den Amateuren erstmals im Erwachsenen-Fußball ran und im März 2012 gegen Salzburg stand er wegen vieler verletzungsbedingter Ausfälle plötzlich erstmals in einer Bundesliga-Startelf. Seine beste Saison hatte der mittlerweile 22-Jährige 2013/14, als er sich ab Ende September als Stammspieler bezeichnen durfte. Danach hatte es der Sohn von Ex-Rapid-Kicker Franz Weber aber wieder schwer. Seit Ende August ist er in die Erste Liga an den FAC verliehen.

 

Harald Prantl

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