Wien, Wien, nur du allein...

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Wien, Wien, nur du allein...

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Es ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach, in den Kadern von Austria und Rapid „echte Wiener“ auszumachen.

„Das stimmt, wir sind klar in der Unterzahl. Leider ist das so, dass es nur mehr wenige richtige Wiener gibt“, sagt Maximilian Hofmann. Der Rapid-Youngster ist einer von ihnen.

Alexander Gorgon, der nie für einen anderen Verein als die Austria gespielt hat, ist eines der wenigen Veilchen, die in der Hauptstadt geboren und aufgewachsen sind.

Umso besonderer ist für dieses Duo das große Wiener Derby, das am Sonntag (16:30 Uhr) zum 310. Mal ausgetragen wird.

Nicht zuletzt aufgrund der Fehlstarts, die beide Teams hingelegt haben. Gorgon erklärt: „Jedes Derby ist sehr wichtig. In der aktuellen Situation ist die Brisanz aber doppelt so groß. Wir befinden uns in einer Mini-Krise und wissen, dass wir uns mit einem Sieg gegen Rapid aus dem ganzen Schlamassel schießen können.“

Freilich macht sich auch Hofmann Hoffnungen: „Wir hoffen, dass im Derby endlich der Knackpunkt passiert, wir endlich vor dem Tor effizienter werden und uns vor dem Tor wieder mehr Chancen herausspielen. Im Derby wird das auf jeden Fall besser, da die Austria ein Gegner ist, der mitspielen will. Dadurch werden sich mehr Räume öffnen, ich glaube, das kommt uns schon zu gute.“

LAOLA1 hat die beiden Wiener zum Wordrap über ihre Stadt gebeten:

Öffis

Gorgon: Dort trifft man jede einzelne Kultur, die es in Wien gibt. Es ist immer ganz lustig, in der U-Bahn zu sitzen und einfach die Leute zu beobachten. Mittlerweile fahre ich aber nicht mehr so oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

M. Hofmann: Die Bim ist jedem Wiener ein Begriff. Ich bin früher täglich mit den Öffis in die Schule gefahren. Von dem her ist die Verbindung in Wien so, wie nirgendwo anders. Irgendwo am Land kann man das gar nicht vergleichen. Das ist schon sehr wichtig und mit den alten Bims sehr traditionell. Mittlerweile fahre ich aber eher weniger damit.

Lieblings-Italiener

Gorgon: Der San Carlo in der Ringstraßen-Galerie. Das ganz dünn geklopfte Kalbsfleisch in Zitronensauce ist top.

M. Hofmann: Bei der einen Pizzeria bin ich öfter, obwohl ich den Namen nicht weiß. Aber sehr gut ist der „Francesco“ im 14. Bezirk. Ich esse meistens eine Pizza, die ist richtig gut, aber auch die Pasta kann man dort nur empfehlen. Meine Lieblingspizza ist die Quattro Stagioni.

Bermuda-Dreieck

Gorgon: Ein Ort, an dem sehr viel Bier konsumiert wird. Das ist eine sehr beliebte und bekannte Szene zum Fortgehen – nicht nur für junge Leute, sondern für ein sehr bunt gemischtes Publikum.

M. Hofmann: Am Abend richtig gut zum Abchillen. Wenn wir mal was zum Feiern haben, sind wir ab und zu dort. Es ist richtig schön. Da gibt es das Bermuda-Bräu und einige nette Lokale. Das kann man nur jedem Wiener empfehlen.

Fiaker

Gorgon: Ich bin kein Fan der Fiaker. Ich weiß, dass die Pferde ziemlich darunter leiden, dass es für sie überhaupt nicht angenehm ist. Mir ist aber natürlich klar, dass das eine Touristen-Attraktion ist.

M. Hofmann: Sehr traditionell. Wir haben selber erst ein Fotoshooting mit Fiakern gehabt. Das finde ich richtig gut, obwohl mir die Pferde mit den vielen Autos in der Stadt auch leidtun. Aber jeder Tourist fährt gerne damit und es ist richtig cool zum Anschauen.

Museumsquartier

Gorgon: Mit dem MQ verbinde ich einen sehr leckeren Brunch in der „Halle“.

M. Hofmann: Man kann dort am Abend gut essen, es gibt ab und zu eigene Veranstaltungen und mit den Bänken richtige Chill-Möglichkeiten. Ich bin zwar eigentlich nicht oft dort, aber es ist richtig gemütlich. Es ist auf jeden Fall ein Treffpunkt für junge Leute. Da geht schon einiges ab, das ist richtig cool.

Südost-Tangente

Gorgon: Stau, Stau, Stau. Einfach nur Stau.

M. Hofmann: Die meistbefahrene Autobahn in ganz Österreich. Ich bin auch jeden Tag drauf, da ich mein Leben lang schon im Bezirk des Erzrivalen in Favoriten wohne. Am Nachmittag in den Stoßzeiten geht es leider nicht so gut, da steht man jedes Mal im Stau.

Naschmarkt

Gorgon: Ich bin nicht oft dort. Wenn ich aber einmal über den Naschmarkt schlendere, staune ich immer wieder über die ganzen Delikatessen, die es dort zu kaufen gibt.

M. Hofmann: Der ist unvergleichlich! Es gibt super Essen, egal, was einem Kulinarisch, welches Land und welche Kultur einem am meisten taugen. Da gibt es alles, von Fisch bis zum Inder. Dort bin ich auch sehr oft mit ein paar Kollegen, da kann man richtig fein essen.

Schnitzel

Gorgon: Da fällt mir spontan jenes Lokal ein, das wohl auf der ganzen Welt am bekanntesten für Schnitzel ist – der Figlmüller. Der wurde unlängst sogar auf „Galileo“ präsentiert.

M. Hofmann: Das ist ein Klassiker! Das macht auch meine Mutter sehr oft. Ich glaube, das mag wirklich jeder Wiener.

Falco

Gorgon: Er ist immer noch ein Idol für sehr viele Leute. Er war der letzte österreichische Musik-Künstler, der wirklich polarisiert hat. Er hatte einen eigenen Stil. Seine Lieder sind zwar nicht in meiner persönlichen Playlist, wenn sie im Radio laufen, drehe ich aber gerne lauter.

M. Hofmann: Falco ist richtig cool! Ich höre jetzt noch sehr gerne seine Lieder, da gibt es viele mit Wien-Bezug. Er hat die Musik auf jeden Fall geprägt und die Musik nach Amerika und überall gebracht. Das ist schon richtig beeindruckend.

Hans Krankl

Gorgon: Das ist eine dieser österreichischen Fußball-Legenden, die man sofort an der Stimme erkennt. Man braucht einfach solche Legenden – egal ob im Studio oder ob sie Interviews geben. Es ist wichtig, dass uns solche Leute in Erinnerung bleiben.

M. Hofmann: Eine Rapid-Legende durch und durch, die auch einige Derby-Tore geschossen hat. Für jeden Rapidler und auch Österreicher ein Vorbild, das immerhin bei Barcelona gespielt hat.

Bestes Gewand-Geschäft

Gorgon: Auch das ist in der Ringstraßen-Galerie – Norton.

M. Hofmann: Ich bin ja nicht so der Marken-Freak, aber ich bin aufgrund der Nähe meistens in der Shopping City Süd. Ansonsten Kärntnerstraße oder Mariahilfer Straße, da gibt’s von allem was.

Rivalität

Gorgon: Rivalität ist gut und wichtig, wenn man wirklich gewinnen und mehr erreichen möchte. Es sollte sich aber alles immer in einem gewissen Rahmen bewegen.

M. Hofmann: Rivalität ist sehr groß, auch wenn es immer wieder Freundschaften zwischen den Spielern gibt. Ich persönlich habe nicht wirklich viele Freunde bei der Austria, ich kann mich nicht wirklich mit diesem Verein identifizieren. Ich bin durch und durch Grün-Weiß. In Österreich gibt es keine vergleichbare Rivalität. Man merkt schon davor, dass das Derby vor der Tür steht. Da bekommt man selber ein Kribbeln, das ist einzigartig, da steht nichts drüber.

Prater

Gorgon: Ideal für die Kinder, um sich bei verschiedenen Achterbahnen auszutoben. Ich verbinde den Prater auch mit Fast Food – Langos und Hot Dog.

M. Hofmann: Der Prater ist ein Traum! Ich war in letzter Zeit leider wenig dort, diesen Sommer vielleicht zwei, drei Mal. Vor allem ist es im Schweizerhaus auch kulinarisch richtig gut zu essen. Überhaupt gibt es dort richtig feine Sachen, da kann man mal einen schönen Abend mit Freunden verbringen. Einmalig!

Generali-Arena

Gorgon: Mein zweites Zuhause. Ich bin seit 20 Jahren bei diesem Verein und habe die Ehre, seit über vier Jahren in der Kampfmannschaft zu spielen. Wenn ich nicht daheim bin, bin ich im Stadion.

M. Hofmann: Was soll ich dazu sagen? Ich bin nur als Gegner dort. Ich fahr' jedes Mal vorbei, aber das ist nicht die schöne Seite vom 10. Bezirk. Das Hanappi-Stadion war ein Mythos und eine Festung. In der Generali Arena ist jede Tribüne anders, da wird immer was nachgebessert. Ich habe viel lieber im Hanappi gespielt und es hat mir viel besser gefallen.

Erstes Derby

Gorgon: Das war ein 1:1, da habe ich sogar von Beginn an gespielt. Für mich war das eine unglaubliche Erfahrung. Die Stimmung kommt auf dem Platz komplett anders rüber als auf der Tribüne.

M. Hofmann: Ich glaube, mein erstes Derby habe ich mit elf Jahren gespielt. Das war schon damals etwas Besonderes, da war man immer aufgeregt. Es war das Spiel, auf das man sich das ganze Jahr am meisten gefreut hat. Das erste Derby für die Profis zu Hause im ersten Spiel der Rückrunde 2013/14 gleich von Beginn an und mit einem Sieg, war einer der schönsten Momente für mich bei Rapid.

Michael Häupl

Gorgon: Unser Bürgermeister! Man betrachtet so einen Menschen natürlich auch noch immer ein wenig anders, wenn man weiß, dass er ein Austria-Fan ist. Ich kenne ihn nicht persönlich, die paar Male, als wir als Mannschaft mit ihm zu tun gehabt haben, waren es immer sehr angenehme Treffen.

M. Hofmann: Der langjährige Bürgermeister, leider mit dem Bekenntnis zur falschen Farbe.

Krise

Gorgon: Das gute an einer Krise ist, dass es irgendwann einmal wieder bergauf gehen muss.

M. Hofmann: Das Wort nimmt man nicht gerne in den Mund. Wir hoffen, dass wir jetzt nicht in eine richtige Krise schlittern und schauen, dass wir den Kopf schnell aus der Schlinge ziehen. Es hört sich diesmal wie ein Krisenderby an. Ich hoffe, dass wir die Austria in eine richtige Krise schießen.

Scheiberl-Spiel

Gorgon: Ein sehr netter Begriff. Wenn man manchmal Spiele aus den Zeiten, in denen unsere Legenden noch am Werk waren, auf ORF Sport+ sieht, schaut man gerne ein paar Minuten zu, merkt dann aber, dass sich der Fußball um 180 Grad gedreht hat.

M. Hofmann: Ist das jetzt peinlich, wenn ich das als Wiener nicht weiß? Man sieht relativ wenig von früheren Derbys. Es ist cool zum Anschauen, aber das Spiel kann man nicht mehr mit heute vergleichen. Das Tempo ist viel geringer, das war eine ganz andere Spielweise.

Herbert Prohaska

Gorgon: Ich liebe die Champions-League-Abende mit ihm auf ORF 1 – da gibt es immer etwas zum Lachen. Auch wenn man nach einem Spiel im VIP-Klub nur ein paar Worte mit ihm wechselt, ist das immer mit einem Schmäh verbunden. Ein sehr angenehmer Mensch.

M. Hofmann: Eigentlich genau das gleiche wie bei Krankl, nur für die falsche Farbe. Von dem her bin ich da eher bei Krankl.

Derby-Tipp

Gorgon: Wir werden 2:0 gewinnen.

M. Hofmann: Ein 1:0-Sieg für Rapid! Weil wir hinten schon die ganze Saison gut stehen und vorne das eine Tor erzwingen werden. Dann lassen wir nichts mehr zu und holen uns den Sieg. Ich hätte aber auch nichts gegen einen höheren Sieg. Hauptsache wir schießen uns aus der Misere.


Aufgezeichnet von Harald Prantl und Alexander Karper

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