Am Anfang war Foda...

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Die Szenen der violetten Meistersaison

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Am Anfang war eine Absage, am Ende der Meisterteller in Wien-Favoriten.

Und dazwischen? Dazwischen ist einiges passiert. Da waren Fahrten ins Glück, Doppelpacks in den Derbys, schmerzfreie Tschechen, ein Tritt in den Hintern und Probleme mit den Fans.

Was hat die Saison, in der die Austria die Meisterschaft gewonnen hat, geprägt? Was war entscheidend?

LAOLA1 nennt 24 Szenen der 24. Meistersaison:

1. Der Goldgriff

Bereits am 8. Mai 2012 wurden die Weichen für die Meister-Saison gestellt. Der Austria-Vorstand holte sich von seinem Aufsichtsrat das Okay, die Zusammenarbeit mit Ivo Vastic unabhängig von einem Erreichen eines internationalen Startplatzes, zu beenden. Franco Foda war Wunschkandidat Nummer eins. Doch der Deutsche wünschte sich etwas anderes – nämlich ein Engagement in Kaiserslautern. Also schnappte sich der FAK jenen Mann, der als Zweiter auf der Liste stand: Peter Stöger. Am 30. Mai 2012 wurde der Wiener als neuer Trainer präsentiert. Ein Goldgriff, wie sich herausstellen sollte.

2. Kienast schießt Rapid ab

Ein 1:0 gegen Aufsteiger WAC, ein 0:1 gegen Sturm – es war ein durchschnittlicher Saisonstart. Doch das große Wiener Derby in der dritten Runde war das erste dicke Ausrufezeichen, das die Violetten setzten. Der Doppelpack von Roman Kienast war die Geschichte der Partie, die die Austria 3:0 gewann. „Man darf zufrieden sein“, gab sich Stöger nach der tollen Vorstellung zurückhaltend.

3. Margreitters Abgang

Am 23. August war er weg. Zu Verhandlungen in England, hieß es. Bald war klar, dass der Vorarlberger zu Wolverhampton wechseln würde. Einer der absoluten Top-Innenverteidiger der Bundesliga war auf einmal weg. Doch schon bald war er vergessen. Denn Kaja Rogulj schloss die Lücke sofort und wurde zu einem der wichtigsten Veilchen in dieser Saison. Der Kroate ist nicht umsonst der einzige Bundesliga-Spieler, der bei Boden- und Luft-Zweikämpfen unter den Top Fünf rangiert.

4. Volltreffer Hosiner

„Uns werden zahlreiche Stürmer angeboten. Aber es muss passen, wir wollen einen Volltreffer landen“, sagte Thomas Parits am 24. August. Zu diesem Zeitpunkt verhandelte er bereits mit der Admira wegen eines Transfers von Philipp Hosiner. Es war ein nervenaufreibender Poker, in dem alle Register gezogen wurden. Am 31. August, dem letzten Transfertag, war es dann soweit – die Austria präsentierte den Burgenländer als Neuzugang. Im Nachhinein gibt es keinen Zweifel: Das war ein Volltreffer.

5. Das Urgestein

Am 23. August 2012 war ein ganz normaler Trainingstag am Verteilerkreis. Wie immer war auch Co-Trainer Manfred Schmid mit von der Partie. Dass an diesem Tag sein erster Auftritt bei den FAK-Profis (ein 7:2-Testspielsieg gegen den SV Horn) genau 8.500 Tage her war, wusste er freilich nicht. Was er aber bestimmt weiß, ist, dass er ein ganz wichtiger Baustein des Erfolgs ist. „Mein engster Vertrauter im Trainerstab. In der täglichen Arbeit ist er ein ganz wesentlicher Part“, sagt Stöger über seinen Assistenten.

6. Maders Chance

Ein neuer Trainer und mit Dare Vrsic ein vermeintlich neuer Star in der Zentrale – selbstverständlich befand sich die Austria zu Beginn auch personell noch in der Findungsphase. Nach der zehnten Runde war dann für Vrsic aber vorerst einmal Schluss mit der Startelf. Florian Mader bekam seine Chance und nutzte sie eindrucksvoll. 17 Mal in Folge durfte der Tiroler von Beginn an ran und machte seine Sache richtig gut. Bezeichnend, dass die Veilchen just in jeder Partie erstmals wieder verloren, als er eine Gelb-Sperre absitzen musste – 0:4 gegen den WAC.

7. Gorgon schießt Rapid ab

Eine 0:1-Niederlage gegen Salzburg, jeweils ein 1:1 gegen den WAC und Sturm Graz. Das Ende des ersten bzw. der Beginn des zweiten Saisonviertels lief nicht so richtig rund. Doch dann kam Rapid und abermals war es das Derby, das den Startschuss zu einem Erfolgslauf gab. Nach dem 2:0-Heimsieg – diesmal war es Alexander Gorgon, der für den Doppelpack sorgte – gewann die Austria noch fünf Mal in Folge und ließ bis zur Winterpause überhaupt nur noch auswärts in Salzburg Punkte liegen.

8. Keine Momentaufnahme

Der 6:4-Auswärtssieg der Austria bei der Admira war wohl das irrste Spiel in der gesamten Saison. Das konnte man schon nach dem Schlusspfiff ahnen. Was damals aber keiner ahnte – die Favoritner sollten die Tabellenführung, die sie an diesem Abend in der Südstadt eroberten, für den Rest der Saison nicht mehr hergeben. Von wegen Momentaufnahme und so.

9. Hosiners Ankunft

Mit einem Doppelpack und einem Assist in seinem ersten Spiel von Anfang an stellte sich Hosiner bereits in der achten Runde beim 4:2 in Mattersburg den Austria-Fans richtig anständig vor.  Danach lief es aber eher schleppend, ehe die Partien gegen die Admira (6:4) und Ried (6:1) kamen. Zwei Triplepacks in Folge. Nach diesen beiden Spielen war der Burgenländer so richtig am Verteilerkreis angekommen.

10. Jun schmerzfrei

Die Zehe schmerzte, also wurde Tomas Jun in der 17. Runde nicht in den Kader für das Heimspiel gegen Mattersburg genommen. Dieser Fakt an sich mag nicht ungewöhnlich sein. Das Außergewöhnliche daran ist, dass es die einzige Partie in dieser Saison war, die der Tscheche verletzungsbedingt verpasste. Was ein fitter Jun wert ist, lässt sich in Zahlen relativ leicht ausdrücken – 14 Pflichtspieltore und 13 Assists in der Saison 2012/13.

11. Fahrten ins Glück

Wenn die Veilchen eine Reise tun… sind bei der Heimfahrt Punkte im Gepäck. Die violetten Fans stiegen in dieser Saison nur zu gerne in Auto, Bus oder Bahn. Beim ersten Spiel in Salzburg waren es sogar so viele, dass der Rang über dem Auswärtssektor geöffnet werden musste. Belohnt wurden die reisefreudigen FAK-Anhänger jedes Mal. Kein einziges Mal ging ein Auswärtsspiel verloren – Punkterekord in der Fremde natürlich inklusive.

12. Das Gold-Händchen

Das 6:3 auf gefrorenem Boden in der Wolfsberger Lavanttal-Arena sei hier nur stellvertretend erwähnt: Eine Stunde lang war es ein Hin und Her, dann brachte Stöger Tomas Simkovic ins Spiel und der avancierte mit seinen zwei Assists zum Matchwinner. Unglaublich, was der FAK-Coach in dieser Saison so eingewechselt hat. Zwölf Torschützen und 27 Assistgeber sind einsame Liga-Spitze.

13. Das fulminante Herbst-Finish

Es gibt sie, diese Partien, nach denen man folgenden Satz sagt: „Wer solche Spiele gewinnt, wird Meister.“ Zweifelsohne war der Abschluss 2012 solch ein Spiel. Nach der Roten Karte gegen Tomas Jun (11.) mussten die Veilchen daheim gegen Sturm mit einem Mann weniger auskommen und sahen in der ersten Hälfte gar nicht gut aus. Nach der Pause drehten sie aber richtig auf und gewannen hochverdient mit 3:1.

14. Der Abgang des Gefahrenherds

Ja, Roland Linz hat sich in diesem Herbst vorbildlich verhalten. Dass er schon bald keine Rolle in Stögers Überlegungen mehr spielte, nahm der Steirer schweigend hin. Dennoch war der Stürmer nicht zuletzt aufgrund seines Naheverhältnisses zu einem österreichischen Boulevard-Blatt ein Gefahrenherd für die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Im Winter war das Thema erledigt – der Goalgetter a.D. wechselte nach Thailand.

15. Das Zeichen Barazite

Das war schon eine Ansage! Vor einem Jahr wurde Nacer Barazite noch für einen schönen Batzen Geld nach Monaco verkauft und zwölf Monate später gelang der Austria der große Coup – die Rückkehr des Niederländers. Dieser Transfer war eindeutig ein Zeichen an die Konkurrenz – wir wollen diesen Meistertitel wirklich und sind bereit, alles dafür zu tun!

16. Stögers mutige Ansagen

„Ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich von einer Mannschaft, den Fans und dem ganzen Umfeld nicht verlangen kann, dass wir Meister werden und alle alles dafür unternehmen, wenn ich als Führungskraft nicht selber den Mut aufbringe, zu sagen, dass das mein Ziel ist.“ Peter Stöger nahm schon in der Winterpause kein Blatt vor den Mund und erklärte ganz klar den Meistertitel zum Ziel.

17. Der Tritt in Grünwalds Hintern

Es war nicht der Herbst des Alexander Grünwald. Zwar machte der Kärntner als Joker immer wieder eine gute Figur, doch mit einem Startplatz hatte es nur zwei Mal geklappt. Doch Stöger verpasste dem Blondschopf einen verbalen Tritt in den Hintern und im Frühjahr blühte der Mittelfeldspieler plötzlich auf. Zehn Torbeteiligungen 2013 sind Beleg genug dafür.

18. Hosiner schießt Rapid ab

Und wieder ein extrem wichtiges Derby. Diesmal war es der Frühjahrsauftakt. Würde die Austria auch nach der Pause so souverän auftreten wie im Herbst? Würde Hosiner weiterhin am Fließband treffen? Nach 90 Minuten waren beide Fragen beantwortet – die Austria feierte einen 2:1-Sieg im Hanappi-Stadion und ihr Goalgetter Nummer eins hatte beide Treffer erzielt.

19. Veilchen blühen auf

James Holland? Naja. Unter Ivo Vastic hat der ja nicht besonders gespielt. Fabian Koch? Fehlkauf. Der fühlt sich in Wien einfach nicht wohl. Denkste! Unter Stöger blühten diese beiden richtig auf. Koch war in großen Teilen der Saison auf der Rechtsverteidiger-Position nicht wegzudenken und bewies, warum man ihn damals vom FC Wacker, gegen den er in der 24. Runde sein zweites Saisontor erzielte, holte. Holland spielte von Start weg eine großartige Saison, stopfte viele Löcher und erwies sich als überaus sicherer Ballverteiler.

20. Das Problem mit den Fans

Bereits in der Winterpause setzte die Austria einen entscheidenden Schritt gegen den rechtsextremen Teil ihrer Anhängerschaft. Der Gruppierung „Unsterblich“ wurde der Fanklub-Status entzogen, ihr Banner wurde im Stadion fortan verboten. Damit war die Sache aber freilich nicht erledigt. Aus diversen Gründen schaukelten sich die Fan-Probleme hoch und gipfelten darin, dass beim Heimspiel gegen Salzburg das Faustrecht durchgesetzt wurde. Die Austria griff weiterhin hart durch. Das Problem ist aufgrund der Meistereuphorie vertagt, aber noch nicht erledigt.

21. Das endgültige Aus des Dare Vrsic

Die Vorschusslorbeeren und Erwartungen hatten Dare Vrsic in den Himmel gehoben, bevor er überhaupt noch das Austria-Dress übergestreift hatte. Entsprechend tief war dann auch der Fall des Slowenen. Der Mittelfeldspieler kam nie in Wien-Favoriten an, ließ auch im Training jegliche Emotion vermissen und hatte von Woche zu Woche einen schwereren Stand. Seine letzte Chance erhielt er beim 0:4 gegen den WAC. Ein Abgang im Sommer scheint gewiss.

22. Die Nerven wieder im Griff

Auch wenn die Spieler selbst es nie zugegeben hätten, aber im Finish haben sie dann doch noch einmal Nerven gezeigt. 1:1 gegen Salzburg, 0:4 gegen den WAC, 1:1 gegen Sturm und 2:2 gegen Rapid – der Vorsprung auf die „Bullen“ schmolz nur so dahin. Doch dann kam das Gastspiel bei einer in bedauerlicher Form befindlichen Admira und der FAK fand mit dem 2:0 zurück in die Spur. Der grenzenlose Jubel nach diesem Sieg sprach Bände. Oder wie es Stöger ausdrückt: „Danach war ich überzeugt, dass die Mannschaft den Glauben an sich wieder gefunden hat.“

23. Die Austria-Viertelstunde

Die einen klatschen, die anderen schießen die Tore. Beim 3:0-Sieg am Innsbrucker Tivoli in der 33. Runde spielten die Veilchen einmal mehr eine ihrer ganz großen Stärken in dieser Saison aus. Alle drei Treffer wurden in der Schluss-Viertelstunde erzielt. Insgesamt gelangen der Austria in dieser Saison 23 Treffer nach der 75. Minute – das ist Liga-Spitze und fast 30 Prozent der violetten Ausbeute insgesamt.

24. Die große Party

Man könnte sich angesichts des Tellers im Stadion irgendwie über die Ziellinie zittern. Oder man macht es wie die Austria gegen Mattersburg und führt nach zwölf Minuten einfach schon 3:0, um die Stimmung im ausverkauften Stadion fast 80 Minuten lang in vollen Zügen genießen zu können. Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. "Also die Kabine muss renoviert werden. Da ist Land unter. Es wird auch noch in zwei, drei Wochen nach Alkohol riechen", grinste Kapitän Manuel Ortlechner, nachdem er den Teller übernehmen durfte.

Harald Prantl

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