Das Markus-Schopp-Profil

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Schopp: "Ich muss meinen eigenen Weg finden"

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Markus Schopp ist der erste gebürtige Österreicher auf der Trainer-Bank von Sturm Graz seit über 20 Jahren.

Im Herbst 1992 verlor Robert Pflug seinen Job. Ihm folgten Ladislav Jurkemik, Milan Djuricic, Ivica Osim, Franco Foda, Gilbert Gress, Michael Petrovic (hat die österreichische Staatsbürgerschaft), die Interimslösung Thomas Kristl und Peter Hyballa.

Einige dieser Trainer-Legionäre prägten den Verein, vor allem natürlich Osim und Foda. Vor allem Ersterer prägte auch seinen ehemaligen Schützling Schopp.

Wie jeder ehemalige Star-Spieler, der auf den Job des Trainers umsattelt, wird der 39-Jährige nach den Einflüssen seiner Coaches in seiner aktiven Karriere befragt. Wie bei jedem Sturm-Kicker dieser Generation, sticht der Name Osim selbstredend als „Gottvater“ schlechthin heraus.

„Osim nachzumachen, ist ein Ding der Unmöglichkeit“

„Jeder Trainer hinterlässt seine Spuren, sowohl in die eine als auch die andere Richtung. Klar ist aber auch, dass man von einem Trainer, unter dem man extrem große Erfolge gefeiert und einige Jahre gearbeitet hat, am meisten mitnimmt, und das ist Ivica Osim“, erklärt der frühere Mittelfeldspieler, der unter dem Star-Coach zwei Mal Meister wurde und in der Champions League seine Spuren hinterlassen konnte.

Schopp schwärmt heute noch: „Er ist jemand, der dafür verantwortlich ist, wie sich der Sturm-Geist und auch das Anspruchsdenken innerhalb des Vereins entwickelt hat. Da waren so viele tolle Dinge dabei, nicht nur im fachlichen, sondern auch im menschlichen Bereich, die man erst jetzt wirklich interpretieren kann.“

Nachsatz: „Aber diese Dinge nachzumachen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.“

Das will Schopp auch gar nicht. Von der längst ad absurdum geführten Mär, dass ein guter Fußballer automatisch ein guter Trainer ist, hält er ohnehin nichts. Er will lediglich den Ehrgeiz, der ihn als Aktiver ausgezeichnet hat, in den neuen Job mitnehmen.

"Habe in den letzten Monaten Profil erarbeitet"

Auch deshalb könne er sich nicht zu viel von seinen eigenen Trainern abschauen: „Ich muss meinen eigenen Weg finden. Was ich in den letzten Monaten gemacht habe, ist, sich ein Profil zu erarbeiten – dieses Markus-Schopp-Profil.“

In sieben Spielen standen sechs Siege und ein Remis zu Buche, ehe der Sprung zur Kampfmannschaft gelang. Im Verbund mit seinen Assistenten Stojadin Rajkovic und Günther Neukirchner wird er sich weiterhin auch um die Amateure kümmern, wenngleich er dort nun nicht mehr die Hauptverantwortung trägt.

„Wir werden versuchen, die Trainingseinheiten der Profis und Amateure so zu legen, dass es für Rajko und Günther möglich sein wird, bei beiden Einheiten dabei zu sein. Fakt ist, dass wir definitiv wissen, dass mit den Amateuren ein ganz wichtiges Element weiter in unserem Augenwinkel bleiben muss. So wird die Amateurmannschaft auch behandelt“, betont Schopp.

„Schön, wenn man die Möglichkeit hat, beim FC Barcelona zu hospitieren“

Für den neuen Chefcoach beginnt mit den letzten sechs Bundesliga-Runden indes endgültig der Ernst des Profi-Trainer-Lebens. Eine ideale Chance, theoretisches Wissen auf größerer Bühne in die Praxis umzusetzen.

Neben seinen Tätigkeiten im Jugendbereich war Schopp seit seinem Karriereende auch als TV-Experte tätig und nutzte seine in Legionärsjahren beim HSV und in Brescia erworbenen Kontakte für die Weiterbildung.

In Italien war unter anderem ein gewisser Pep Guardiola sein Mitspieler. Der Kontakt riss seither nicht ab. „Es ist natürlich für jeden Trainer schön, wenn er die Möglichkeit hat, beim FC Barcelona zu hospitieren. Die Qualität des FC Barcelona haben allerdings nicht viele Mannschaften. Deswegen ist meine Lehre aus diesen Hospitationen, dass man nur Teile aus diesen Elementen für sich gewinnen kann.“

Auch hier gilt: Seinen eigenen Weg finden und gehen. Das „Markus-Schopp-Profil“ eben.

Peter Altmann

Daran konnte der „blonde Engel“ in dieser Saison bei den Sturm-Amateuren basteln. Nachdem Schopp schon vor knapp einem Jahr neben Hyballa der zweite verbliebene Kandidat auf den Posten des Cheftrainers war, sieht er es nicht als Nachteil, zuerst Erfahrung in der Regionalliga Mitte gesammelt zu haben.

Dies sei ein wichtiger Reifeprozess für ihn gewesen. „An jedem Tag im Trainingsprozess gewinnt man an Erfahrung“, verdeutlicht Schopp und nennt seine wichtigste Erkenntnis: „Wir befinden uns bei einem Ausbildungsverein. Aber in den letzten Monaten habe ich mitbekommen, dass man sehr resultatsabhängig ist.“

Im Herbst hätte seine Mannschaft gute Spiele gezeigt, die Resultate seien jedoch ausgeblieben. Deshalb sei die Entwicklung der Spieler aufgrund dieser „extremen Resultatsfixierung“ ein wenig untergegangen.

“Jeder Tag bei den Amateuren ein gewonnener“

„Das ist etwas, womit ich vorher in der Akademie oder im Jugendbereich noch nicht zu tun hatte. Dort geht es um die Entwicklung des einzelnen. Die ist auch jetzt noch wichtig, aber auch das Resultat ist extrem wichtig. Von dem her war jeder einzelne Tag in den vergangenen Monaten ein gewonnener, weil es für mich eine extrem wichtige Erfahrung war. Aber mir ist auch bewusst: Dort befinden wir uns im Amateurbereich. Der Profibereich ist noch einmal eine Stufe höher.“

Im Herbst konnte Schopp mit den Amateuren in 15 Runden lediglich drei Siege feiern. Ganz anders seine Bilanz im Frühjahr, in dem er die Früchte seiner Aufbauarbeit ernten konnte.

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