"Im Fußball kann man sowieso nicht großartig planen"

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Nun ist Jürgen Säumel also auch offiziell wieder der Kapitän von Sturm Graz.

Trainer Peter Hyballa hat den von ihm kaum berücksichtigten Manuel Weber abgesetzt und den 28-Jährigen mit dem Amt des Spielführers betraut – eine Rolle, die er schon bis zu seinem Wechsel nach Turin 2008 innehatte.

In der jüngeren Vergangenheit trug er die Schleife auf dem Platz ohnehin schon in Vertretung Webers.

Besagte jüngere Vergangenheit war für die Grazer nur bedingt rosig. Nur zwei Siege in neun Spielen stehen im Frühjahr zu Buche, zwischenzeitlich wackelte Hyballas Trainerstuhl bereits gewaltig.

„Dürfen uns auf keinen Fall ausruhen“

Zuletzt beim 1:1 gegen die Austria stimmte zumindest die Leistung wieder, was sich in einer etwas angenehmeren Trainingswoche bemerkbar machte.

„Es ist immer so, wenn die Leistung passt, kann man ruhiger arbeiten, als wenn man schlecht spielt. Aber wir dürfen uns auf keinen Fall ausruhen. Ich glaube, dass wir schon gegen die Austria gewinnen hätten müssen“, findet der Obersteirer im Gespräch mit LAOLA1.

Das schwarz-weiße Motto am Samstag gegen den SV Mattersburg heißt, unter allen Umständen nachzulegen – wohlwissend, dass die Elf von Franz Lederer gerade für Sturm einen unangenehmen Kontrahenten darstellt: „Wir warten jetzt schon wieder drei Spiele auf einen Sieg, haben gegen Mattersburg in dieser Saison noch nie gewonnen. Das zeigt, dass wir uns gegen die Burgenländer schwer tun. Unser Ziel kann aber nur sein, unbedingt zu gewinnen.“

„Mit Bukva ist ein spielerisches Element dazugekommen“

Immer wieder wurde in den vergangenen Tagen an der Mur die Selbsterkenntnis geäußert, dass man sich gegen tiefstehende Gegner schwer tut – für Säumel ein Problem des Frühjahrs:

„Im Herbst haben wir gegen ähnliche Gegner sehr viele Torchancen herausgearbeitet und auch unsere Tore geschossen. Gegen kompakt stehende Gegner Lösungsmöglichkeiten zu finden, ist ja die große Kunst im Fußball. Ich glaube, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind, mit Haris Bukva ist gegen die Austria ein spielerisches Element dazugekommen. Er wird uns sicher helfen, wir hoffen alle, dass er konstant so weiterspielt.“

Bukva wird gegen den SVM wieder in der Startelf stehen, das hat Hyballa bereits verlautbart. Säumel wird indes nach seiner Sperre zurückkehren.

Endlich schmerzfrei

Bis zur gelbbedingten Pause gegen die Austria hat der 28-Jährige seit seiner Einwechslung beim Frühjahrsauftakt in Mattersburg jede Partie durchgespielt. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man seine Krankenakte der vergangenen Saisonen heranzieht. Auch im Herbst konnte er nur in den ersten beiden Begegnungen eingesetzt werden.

Jürgen Säumel stresst sich nicht bezüglich Vertragsverhandlungen

Nachsatz: „Ich habe ihn den letzten Jahren gelernt, dass man im Fußball sowieso nicht großartig planen kann.“

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt – dieses Sprichwort hat bezüglich Säumels Karriere im positiven wie im negativen Sinne Gültigkeit. Immer wieder wechselten sich sportliche Erfolge mit langen Verletzungspausen ab. Die Zeit jenseits der Landesgrenzen in Italien und in Duisburg war lehrreich, aber keineswegs immer einfach.

Goldbrich: „Will Jürgen auch in Zukunft bei Sturm Graz sehen“

„Mit mittlerweile 28 habe ich doch schon einiges erlebt, war im Ausland, Kapitän bei Sturm, habe die Europameisterschaft gespielt - da entwickelt man ein gewisses Selbstvertrauen beziehungsweise weiß, was man kann und was man nicht kann. Dementsprechend ruhiger ist man jetzt, als man es vielleicht noch vor ein paar Jahren war. Momentan lasse ich es auf mich zukommen, bin froh, dass ich gesund bin und genieße jedes Spiel, das ich spielen kann. Langfristige Pläne werde ich nicht machen.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass Säumel im Vertrags-Poker leer ausgeht, ist ohnehin gering. Denn nach dieser turbulenten Saison kann es sich Sturm kaum leisten, eine Identifikationsfigur zu verlieren.

Gerhard Goldbrich, Generalmanager der Grazer, will sich zum aktuellen Stand der Verhandlungen nicht konkret äußern, stellt aber außer Streit, dass die Personalie Säumel eine „sehr hohe Priorität“ genießt:

„Ich will Jürgen als Person und Fußballer natürlich auch in Zukunft bei Sturm Graz sehen. Wir sind in wirklich hervorragenden Gesprächen mit Jürgen und seinem Manager Herwig Straka und ich hoffe, dass wir eine konstruktive Lösung finden, damit Jürgen auch weiterhin diese zentrale Rolle bei Sturm einnehmen wird.“

„Das wird natürlich ein wichtiger Vertrag“

Säumel selbst sagt: „Ich lasse mir eigentlich alles offen. Klar ist, dass ich bei Sturm eine schöne Zeit habe und mich hier wohl fühle.“

„Das Wichtigste ist für mich, dass ich nach der Leisten-Operation im Herbst endlich schmerzfrei bin und überhaupt keine Probleme mehr habe“, erklärt der 20-fache Teamspieler und betont, dass es normal sei, dass es nach solch einer langen Auszeit körperliche Aufs und Abs gebe.

Ob er vom Rhythmus her bereits wieder auf dem Level sei, das er selbst anstrebt? „Es ist so, dass ich Höhen und Tiefen hatte. Ich hatte sehr gute Spiele dabei, dann weniger gute, aber ich glaube, dass das normal ist nach so einer langen Zeit.“

Das Wichtigste sei ohnehin der Mannschaftserfolg und damit verbunden die Qualifikation für den Europacup, die Säumel mit aller Macht anstrebt.

„Gelernt, dass man im Fußball nicht großartig planen kann“

Ob er selbst internationale Luft atmen wird, steht derzeit in den Sternen: „Mein Vertrag läuft aus. Aber da mache ich mir momentan nicht so viele Gedanken. Ich versuche, gute Leistungen zu bringen und mit der Mannschaft den Europacup-Platz zu schaffen. Dann ist es für jeden leichter, zu verhandeln. Diese Ziele möchte ich erreichen, alles andere kommt dann ohnehin von selbst.“

Aber so lange kein konkretes Angebot von einem Verein vorliege, würde er sich wenig Gedanken machen: „Ich werde mich damit beschäftigen, wenn ein Angebot da ist. Fakt ist, ich bin 28 und im besten Fußball-Alter, das wird natürlich ein wichtiger Vertrag, eine wichtige Entscheidung für mich sein. Ich bin selber schon gespannt, wo das hinführen wird.“

Säumel selbst spricht es nicht aus, aber wenn er das Thema Ausland in seiner Karriere noch nicht gänzlich abgehakt hätte, wäre dies wohl keine Überraschung.

„Aus Italien bin ich noch ganz anderes gewöhnt“

Die Gegenwart heißt ohnehin Kampf um das internationale Geschäft, und das als neuer, alter Kapitän.

„Die Entscheidung wird im sportlichen Team getroffen, da mische ich mich als General Manager nicht ein. Jürgen hat dazu aber natürlich absolut die Voraussetzung, gleich wie sie Manuel auch gehabt hat. Aus meiner Sicht hat Jürgen den Anspruch, dass er Kapitän von Sturm Graz ist“, erklärt Goldbrich zu diesem nicht unbrisanten Thema.

Säumel selbst könnte mit seiner Gelassenheit in einer durch Turbulenzen innerhalb des Vereins schwierigen Saison die richtigen Signale senden.

„Sicher ist es immer gut, wenn man in Ruhe arbeiten kann, aber das war in den letzten Jahren ja nie der Fall, das muss man auch ganz klar sagen. Seit ich wieder zurück bin, war rundherum immer viel Wirbel“, erinnert sich der Mittelfeldspieler an die vergangenen beiden Saisonen, in denen bei Sturm gerade in der sportlichen Leitung ein reges Kommen und Gehen herrschte.

Schmunzelnder Nachsatz: „Aber da bin ich aus Italien-Zeiten noch ganz anderes gewöhnt.“

Peter Altmann

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