"Wer weiß, vielleicht habe ich meinen Lauf gefunden"

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Imre Szabics, Florian Kainz und Manuel Weber.

Die Namen der bisherigen Torschützen Sturms in diesem Frühjahr waren bis zum Ostersonntag schnell aufgezählt, in den ersten neun Begegnungen gelangen dem Meister ja bekanntlich auch nur drei Treffer.

Seit dem 2:0 in Mattersburg kennen nun auch Rubin Okotie und Darko Bodul das Gefühl, im Kalenderjahr 2012 einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben.

Jeder Stürmer kennt die Phasen, in denen das Tor wie vernagelt ist, selbst die vermeintlich einfachsten Bälle nicht hinter die Linie wollen. Bei den Grazern litt zuletzt nicht ein einzelner Spieler, sondern beinahe die ganze Mannschaft unter einer solchen Ladehemmung.

Entsprechend groß wurde zuletzt die Kritik von außen, die Ungeduld der Fans, der Frust innerhalb der Mannschaft. Immer wieder die gleiche Frage, nach dem Zeitpunkt, wann denn der Knoten platzen werde.

„Ich vergönne es vor allem Rubin“

„Der Druck war auf jeden Fall schon sehr groß, weil wir oft nicht getroffen haben, obwohl wir gute Chancen hatten“, schildert Okotie im Gespräch mit LAOLA1, „deswegen war die Erleichterung für alle spürbar, als ich das Tor gemacht habe.“

In der Tat feierten die Sturm-Kicker schon auf dem Platz gebührend, auch nach dem Schlusspfiff freuten sich die Mitspieler über das Erfolgserlebnis ihrer Offensivkollegen.

„Wenn du als Stürmer keine Tore schießt, obwohl du gut spielst, zehrt das natürlich an den Nerven. Ich vergönne es vor allem Rubin, denn er arbeitet in jedem Training extrem hart. Er hat es sich wirklich verdient“, meinte Thomas Burgstaller stellvertretend.

Für den Leihspieler vom 1. FC Nürnberg war sein erster Treffer im Sturm-Dress gleichzeitig der erste in der Bundesliga seit dem 2. August 2009, als ihm in seinem vorletzten Spiel für die Austria ein Doppelpack gegen Kapfenberg gelang.

„Das Wichtigste ist, dass man nicht verzweifelt“

Dabei ergab sich die kuriose Situation, dass das Tor wegen klarer Abseitsstellung eigentlich irregulär war, während ihm zuvor ein regulärer Treffer zu Unrecht aberkannt wurde.

Für den 24-Jährigen ein Fall von „ausgleichender Gerechtigkeit“. Vermiesen lassen wird er sich sein Debüt-Tor für die Steirer von diesem Schönheitsfehler ohnehin nicht.

Zwei Mal erkrankte Okotie bereits während seines noch kurzen Aufenthalts in Graz. Gerade für einen Stürmer ist es in neuer Umgebung dann schwer, seinen Rhythmus zu finden. Wie er denn mit Phasen, in denen es nicht läuft, umgehe?

„Das Wichtigste ist, dass man nicht verzweifelt und an sich glaubt. Wenn man zu verkrampft ist, verliert man die nötige Lockerheit, die man vor dem Tor braucht.“

„Im Fußball spielt sich fast alles im Kopf ab“

Wohl leichter gesagt als getan. Wie schnell ein einziges Erfolgserlebnis die Verkrampfung lösen kann, konnte man in Mattersburg beobachten. Unmittelbar nach der Pause jagte Bodul einen wahren Kunstschuss ins Kreuzeck.

„Daran sieht man, dass sich im Fußball fast alles im Kopf abspielt. Wenn man keinen Druck hat und einfach darauf los spielen kann, gelingen solche schönen Tore wie jenes von Darko“, erklärt Okotie.

Bodul, der das 1:0 seines Sturmpartners mit der Brust vorbereitet hat, ging nach neun Herbst-Treffern gleichauf mit Stefan Maierhofer als Führender der Torschützenliste ins Frühjahr und wurde als solcher durch den Doppelpack von Jakob Jantscher gegen den FC Wacker ausgerechnet in jener Runde abgelöst, in der er selbst erstmals traf.

Bodul will Torschützenkönig werden

„Als Profi-Fußballer muss man akzeptieren, was geredet wird“, möchte Bodul die zuletzt aufkommende Kritik nicht überbewerten, wobei auch beim Schnäppchen der Sommer-Transferperiode die Ungeduld wuchs:

*) Hinweis: Eigentore werden in dieser Statistik naturgemäß nicht berücksichtigt.

Auch wenn man es nach dem bisherigen Verlauf des Frühjahrs kaum glaubt, aber der amtierende Champion ist auch in dieser Saison der Meister der Effektivität und führt wie im Vorjahr die ligaweite Trefferquoten-Statistik an (siehe Tabelle). Alle 8,4 Torschüsse gelingt den Grazern ein Treffer.

Ist die Krise vor dem gegnerischen Gehäuse überwunden, stehen die Chancen nicht schlecht, dass zumindest dieser Titel verteidigt wird.

Dazu sollen nicht nur die Angreifer wieder vermehrt beitragen, sondern laut Foda auch die übrigen Formationen: „Es sind nicht nur die Stürmer zum Toreschießen da, sondern die ganze Mannschaft.“

Oder wie es Burgstaller auf den Punkt bringt: „Wenn du im Frühjahr zuvor in neun Spielen nur drei Tore machst, spricht das eigentlich nicht für die Stürmer. Aber man kann nicht immer alles auf sie schieben, genauso wie man im Herbst nicht immer alles auf die Verteidigung schieben konnte, als wir zu viele Tore kassiert haben.“

Peter Altmann

„Ich hatte zuletzt ja genügend Chancen, aber kein Glück – immer wieder parierte der Tormann, oder der Ball ging an Latte oder Stange. In Mattersburg war das Glück auf meiner Seite. Ich bin sehr froh, dass der Ball so schön reingegangen ist.“

Die Hoffnung des 23-Jährigen: „Wer weiß, vielleicht habe ich wieder meinen Lauf gefunden.“

Wenn ja, dann ist Bodul sicher ein heißer Kandidat auf den Titel des Schützenkönigs. Während der Sturm-Kicker bei der LAOLA1-Wahl zum Tor der 29. Runde (siehe oben) wohl der Favorit gegen Jantscher ist, rangiert er in der Schützenliste nun einen Treffer hinter dem Salzburger.

„Sicher ist das ein Ziel von mir. Wenn ich schon oben mit dabei bin, möchte ich mitmischen. Ich werde mein Bestes geben“, verspricht der frühere Ajax-Akteur.

Ungeklärte Zukunft

In Matterburg standen Bodul/Okotie in der Startelf, während der im Frühjahr ebenfalls glücklose Szabics von Trainer Franco Foda mit der Begründung, ihn ob der englischen Woche zu schonen, auf die Bank rotiert wurde.

Wie lange das Duo noch gemeinsam bei Sturm auf Torjagd gehen wird, steht indes in den Sternen. Während bei Bodul die Option zur Vertragsverlängerung längst gezogen ist, ist bei Okotie eine solche im Leihgeschäft mit Nürnberg nicht vorhanden. Im Fall der Fälle müsste neu verhandelt werden.

„Ich versuche, in den letzten sieben Spielen mein Bestes zu geben. Dann wird man sehen, wo ich in Zukunft bin“, erklärt der vierfache ÖFB-Teamspieler, der versichert, diesbezüglich noch kein Gespräch mit Neo-Geschäftsführer Paul Gludovatz geführt zu haben.

Unter Anleitung des 65-Jährigen wurde Okotie 2007 Vierter bei der U20-WM, deshalb ist er sich sicher: „Gludovatz ist ein sehr erfolgreicher Trainer, das hat er bei der U20 und zuletzt in Ried bewiesen. Er wird definitiv auch in Graz einiges bewegen können.“

Sturm mit bester Trefferquote der Liga

Weitere Tore wären einerseits die beste Eigenwerbung und andererseits auch für Sturm im Kampf um einen Europacup-Startplatz Gold wert.

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