Hyballa und die "launische Diva"

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"Mit 25 musst du keine Diva mehr sein"

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Den „Lausbub“ in sich wird Peter Hyballa wohl nicht so schnell ablegen.

Als Haris Bukva nach dem Spiel gegen Austria Wien in der Mixed Zone seine Wortspenden für diesen Text abgab, positionierte sich der Trainer von Sturm Graz rund drei Meter entfernt und bewarf ihn mit Papierkugeln.

Eine pädagogische Maßnahme? Man weiß es nicht genau. Warum LAOLA1 den Oberösterreicher zum Gespräch bat, liegt indessen auf der Hand.

Zuvor einige Wochen lang kaltgestellt, bekam Bukva im Schlager gegen den Tabellenführer die Gelegenheit, sich zu beweisen, und dies auf seiner Lieblingsposition im zentralen offensiven Mittelfeld im Spiel nach vorne gekonnt.

Neun Torschussvorlagen

Neun der 16 Grazer Torschüsse bereitete der 25-Jährige vor – eine außergewöhnliche Bilanz. Darunter auch den Führungstreffer durch Richard Sukuta-Pasu, ebenjener vergeigte in der Nachspielzeit nach Bukva-Vorlage die Top-Chance auf den Sieg. Das Publikum in Liebenau dankte es Bukva und wählte ihn zum „Man of the Match“.

„Ich bin froh, dass mir der Trainer auf dieser Position das Vertrauen geschenkt hat. Ich spiele gerne auf dieser Position. Mit dem Asisst bin ich zufrieden, ein zweites hätte auch noch klappen können – schade, dass Richie ihn nicht gemacht hat. Aber mein Gott, so ist es eben“, kommentierte Bukva seine Leistung.

Angesichts seiner belebenden Wirkung auf das Offensivspiel der in sieben Tage zuvor in Salzburg noch inferioren Steirer drängt sich die Frage auf, warum Bukva nicht öfter die Gelegenheit bekommt, sein Können unter Beweis zu stellen?

„Das kann ich leider nicht beantworten. Ich bin froh über jede Minute, die ich bekomme. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, gibt sich die Offensivkraft wortkarg.

„Was ich manchmal an ihm bemängle, ist, dass er faul ist“

Auskunftsfreudiger ist diesbezüglich sein Vorgesetzter. „Bukva ist ein Spieler, der sehr viel am Ball kann. Was ich manchmal an ihm bemängle, ist, dass er faul ist. Er muss viel, viel fleißiger sein, das Spiel ohne Ball muss er einfach besser hinkriegen. Gegen die Austria hat er den Zehner gespielt, ab und zu ist es eine Doppelspitze geworden. Er kann zwischen den Linien gut aufdrehen, weil er einfach die technischen Möglichkeiten hat“, charakterisiert Hyballa seinen Schützling.

In der vergangenen Woche betonte der Oberösterreicher in der „Sportzeitung“, dass seine Priorität auf einem Verbleib bei den „Blackies“ liege, er jedoch nicht um einen Kontrakt betteln werde.

„Das mit dem Betteln kommt vielleicht ein bisschen falsch rüber“, erklärt Bukva, „ich bin gerne da, gebe alles für den Verein und wäre auch froh, wenn ich noch länger hierbleiben kann. Es liegt jetzt am Verein, wie es weitergeht. Jeder weiß natürlich, dass ich nur noch bis Ende Mai Vertrag habe. Wie es dann weitergeht, wird man sehen.“

„Warum soll ich ihm einen Vertrag schenken?“

Die kommenden Begegnungen stellen wohl eine Art „Qualifikation“ für eine Zukunft bei Sturm dar, zumindest wenn es nach Hyballa geht:

„Ich weiß ja, was er kann, ich weiß aber auch, was er nicht kann. Es ist doch schön, in den nächsten sieben Spielen kann er sich beweisen. Warum soll ich ihm einen Vertrag schenken? Er war zuletzt lange auf der Bank, wie ich finde auch zurecht. Nun hat er gespielt und sich dabei gut präsentiert, das muss man klar sagen. Aber ich kenne Haris, das kann nächste Woche wieder anders sein. Also muss er versuchen, das in den nächsten Spielen zu bestätigen. Ich habe kein Problem, weiter mit Haris Bukva zusammenzuarbeiten.“

Daran, dass Hyballa Bukva genügend kitzelt oder provoziert – sei es mit Papierkugeln oder verbal – dürfte es jedenfalls nicht scheitern…

Peter Altmann

Der 37-Jährige hob jedoch hervor, dass Bukva gut mit Sukuta-Pasu harmonierte, merkte jedoch auch an: „Richie ist ein bisschen das Gegenteil von Haris, er arbeitet wie ein Schwein.“

Der Sturm-Coach ist nicht dafür bekannt, um den heißen Brei herumzureden. Was Bukvas Defizite betrifft, tut er dies schon gar nicht.

„Ich arbeite an meinen Schwächen in der Defensivarbeit“

Der Betroffene selbst bleibt darauf angesprochen diplomatisch: „Jeder hat seine Meinung über mich, und ich habe meine. Klar ist, dass ich meine Ecken und Kanten habe. Ich habe Schwächen, aber genauso Stärken. Meine Stärken liegen im offensiven Bereich, das weiß jeder. Ich arbeite an meinen Schwächen in der Defensivarbeit und versuche, das im Training immer wieder zu lernen und besser zu machen. Schritt für Schritt wird es besser.“

Die Austria-Partie war die erste im Frühjahr, in der Bukva über 90 Minuten auf dem Feld stand, und die zweite nach seinem 45-minütigem Auftritt Mitte Februar in Mattersburg, in der sich sein Name in der Startelf wiederfand.

Gut möglich, dass im allerletzten Moment der Turnaround gelang. Nun ist jene Qualität gefordert, an der es in der Vergangenheit bisweilen fehlte: Konstanz. Dies würde im bislang durchwachsen verlaufenen Jahr 2013 auch Sturm weiterhelfen, gerade im Offensivspiel kann angesichts der oftmaligen Magerkost in diesem Frühjahr ein positiver Input nicht schaden.

„Ich habe ihm vor dem Spiel gegen die Austria gesagt: ‚Heute ist eine deiner letzten Chancen, dich in dieser Saison noch einmal zu zeigen.‘ Auch im Training ist er halt manchmal eine launische Diva. Das muss er erst mal rauskriegen. Denn mit 25 musst du keine Diva mehr sein. Jetzt muss er zeigen, dass er auch in den nächsten sieben Spielen da ist.“

„Wäre froh, wen ich noch länger hierbleiben kann“

Dann könnten der Geschichte von Haris Bukva in Graz ab Sommer doch noch neue Kapitel hinzugefügt werden. Im Sommer läuft sein Vertrag nach vier turbulenten Jahren, in denen er im Frühjahr 2011 den Meistertitel aufgrund eines leihweisen Engagements bei Absteiger LASK versäumte, aus.

Das Duell mit der Austria offenbarte Bukvas Stärken und Schwächen recht anschaulich. Während er in der Offensive den Unterschied ausmachen kann, besteht in der Rückwärtsbewegung weiter Verbesserungsbedarf. Wobei eine Quote von 39,3 Prozent an gewonnenen Zweikämpfen (11 von 28) für einen Offensivspieler nicht verheerend ist.

Hyballa: „Er muss auch Drecksarbeit machen. Gegen die Austria kam ihm ein bisschen zu Gute, dass er offensiv alle Freiheiten hatte. Defensiv hatten wir beide eine Absprache, nämlich dass er James Holland die ganze Zeit attackiert und Stress auf ihn macht. Für Haris sind, glaube ich, zehn Punkte in der Offensive gut und einer in der Defensive. Das reicht dann auch. Sogar bei Ecken habe ich ihn vorne stehen lassen, das kann er nicht, das will er nicht. So bin ich ein bisschen auf ihn eingegangen.“

Auch positionsbedingt. Denn während Bukva – wie in seinen drei Jahren unter Franco Foda – auch unter Hyballa meist auf der Seite aufgeboten wurde, durfte er diesmal im Zentrum ran.

Besser im Zentrum als auf der Seite?

Eine Aufgabe, die ihm entgegenkommt: „Ich habe immer wieder betont, dass es mir sehr liegt, wenn ich an jeder Aktion teilhaben kann. Auf der Seite, musst du aus den Bällen, die du kriegst, alles machen, du kriegst aber nicht viele Bälle. In der Mitte hat man viel mehr Spielanteile.“

Auch bei Hyballa entwickelt sich die Einsicht, dass Bukva im Zentrum besser als auf der Seite aufgehoben sein könnte: „Nach dem Spiel gegen die Austria muss man das vielleicht sagen. Ich glaube, dass er auch auf der Seite etwas bewirken kann, weil er einfach gut dribbelt und ich stehe ja auf solche Spieler. Auf der Seite wollte ich ihn aber nicht bringen, denn wir wussten genau, dass Austria Wien viele Chipbälle und Wechselpässe spielt. Da ist er einfach zu faul.“

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