"Das war mein Startschuss"

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"Meine Ansprüche sind in dieser Saison höher"

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2014/15 gehörte Andreas Gruber zu den absoluten Shootingstars in den Reihen von Sturm Graz.

Ab der Rückkehr von Trainer Franco Foda versäumte er bis zu seiner Abreise zur U20-WM in Neuseeland nur zwei Bundesliga-Partien.

Seine Debüt-Saison in der höchsten Spielzeit beendete er mit 24 Spielen, zwei Toren und drei Assists.

„Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich so viele Einsätze habe, hätte ich das sofort unterschrieben, weil ich erst im Sommer zu den Profis raufgekommen bin. Der Trainerwechsel hat mir sehr geholfen. Es ging eigentlich von 0 auf 100“, blickt der 20-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 zurück.

„Das war mein Startschuss in die Saison“

Man kann nicht behaupten, dass Gruber diesen Schwung nahtlos in seine zweite Bundesliga-Saison mitnehmen konnte.

Aufgrund seiner WM-Teilnahme ist der Flügelflitzer verspätet ins Training eingestiegen. Mit Kristijan Dobras sah er sich auf der linken Seite mit neuer Konkurrenz konfrontiert, der in den ersten Saison-Wochen von Foda der Vorzug gegeben wurde.

Umso wichtiger war das Ausrufezeichen, das er mit seinem Führungstreffer beim 2:0-Erfolg gegen Austria Wien setzte, für den Youngster: „Das war mein Startschuss in die Saison. Im Cup gegen Seekirchen habe ich gleich noch mal getroffen. Jetzt will ich gegen die Admira natürlich gleich noch einmal nachlegen.“

Unterstützung von Gratzei und Avdijaj

Jedes persönliche Erfolgserlebnis festigt naturgemäß das interne Standing. Es liegt auf der Hand, dass Gruber mit seiner persönlichen Ausbeute vor dem Austria-Spiel nicht zufrieden war: „Wenn man auf der Bank sitzt und nur Kurzeinsätze bekommt, ärgert man sich natürlich. Das ist bei jedem so.“

Gerade für junge Spieler sind solche Dämpfer nach einer längeren Phase des Aufwärtstrends bisweilen nicht leicht zu verdauen. Rat von Routiniers hilft in solch einer Situation. Der Steirer nennt diesbezüglich vor allem Ersatz-Goalie Christian Gratzei als wertvollen Ansprechpartner im Kader: „Er redet viel mit mir und sagt mir, was ich im Training und Spiel besser machen soll.“

Doch auch Akteure im selben Alter können eine Hilfe sein: „Auch mit Donis Avdijaj spreche ich sehr viel. Wir pushen uns gegenseitig. Er sagt mir, was ich besser machen kann und ich sage ihm, was er besser machen kann. Wie man auf dem Platz sieht, verstehen wir zwei uns sehr gut.“

Höhere Ansprüche

Am wichtigsten sei es jedoch, in solch einer Phase des persönlichen Tiefs die Ruhe zu bewahren. Und wohl auch nicht den Fokus zu verlieren. „Meine Ansprüche sind in dieser Saison schon ein bisschen höher als vorige“, stellt Gruber klar.

Das zweite Jahr. Ist es schwerer, weil man die guten Eindrücke aus der Premieren-Saison bestätigen muss? Oder einfacher, weil man bereits besser weiß, worauf es im Oberhaus ankommt? Für den gebürtigen Mürzzuschlager keine schwierige Frage:

Grubers Torjubel gegen die Austria war durchaus umstritten

„Du tust dir ein bisschen leichter, weil du schon ein Jahr im Profibereich warst. Du wirst ruhiger am Ball, du kennst deine Gegenspieler besser. Im ersten Profijahr wächst du erst hinein. Inzwischen habe ich das Tempo aufgenommen.“

Er selbst würde sich keinen Druck machen, was die Bestätigung seiner Leistungen betrifft. Es sei ohnehin ständige Weiterentwicklung angesagt.

Die Torvorgabe bleibt aufrecht

Während er in seinem Tempodribbling und im Passspiel Stärken sieht, kennt er auch die Defizite, an denen es zu arbeiten gilt: „Ich will verbessern, dass ich den Ball besser abschirme und ihn nicht so leicht verliere, wenn der Verteidiger hinten auf mir draufsitzt. Das ist noch ein Manko von mir. Über meine Chancenverwertung kann ich mich in dieser Saison noch nicht beschweren, aber vorige Saison habe ich lange gebraucht, bis ich mein erstes Tor gemacht habe.“

Als Offensivspieler wird man natürlich auch an Scorer-Punkten gemessen. Nach seiner mangelnden Effizienz im Vorjahr setzte sich Gruber das Ziel, im Laufe dieser Bundesliga-Saison zwischen fünf und zehn Tore zu erzielen.

„Natürlich ist es so gesehen blöd, dass ich im ersten Saison-Viertel nicht so viel gespielt habe. Aber ich denke, dass ich es trotzdem noch schaffe, so viele Tore zu machen“, glaubt der Flügelflitzer weiter an ein Plus auf seinem Trefferkonto.

Eine Geste und ihre Folgen

Inzwischen haben sich auch die Gemüter aufgrund seines Jubels nach dem ersten Tor auf dem Weg zum Erreichen dieses Ziels ein wenig beruhigt.

Nachdem der harte Kern der Sturm-Fans gegen die Austria aus Protest in den ersten 19 Minuten und neun Sekunden geschwiegen hat, reagierte Gruber, indem er seinen Zeigefinger zum Mund führte. Stille provozierte er dadurch nicht gerade.

 

Hallo Sturmfans, gestern ist uns allen ein großer Ballast von den Schultern gefallen, endlich wieder 3 Punkte zu Hause...

Posted by Andreas Gruber on Sonntag, 20. September 2015



„Ich weiß nicht genau, warum es die Aufregung gab. Ich habe das auf Facebook klargestellt. Wir Spieler und auch der Trainer brauchen Ruhe beim Arbeiten“, betont der Steirer, der in seinem Statement darauf hinwies, dass die Spieler keine Roboter seien.

Dies werde oft vergessen: „Das Problem ist, wir können auch nicht bei jedem Match immer zu 100 Prozent die bessere Mannschaft sein. Das geht einfach nicht, weil wir auch nur Menschen sind. Man kann auch mal ein schlechtes Spiel haben. Wenn man sich die Spiele, die wir verloren haben, anschaut: Okay, gegen Mattersburg waren wir nicht so gut, aber gegen Ried und gegen Salzburg waren wir eigentlich die bessere Mannschaft und hätten uns einen Sieg oder zumindest ein Unentschieden verdient gehabt, aber es wollte zu diesem Zeitpunkt einfach nicht sein. Daher verstehe ich die Unruhe nicht ganz. Aber ich denke, dass sich das Ganze jetzt gelegt hat und die Fans wieder voll hinter uns stehen.“

„Wir haben die bessere Mannschaft“

Gute Ergebnisse sind im Fußball bekanntlich das beste Gegenmittel gegen aufkommende Unruhe, weswegen laut Gruber auch das 7:0 gegen Regionalligist Seekirchen nicht zu unterschätzen sei: „Man hat gesehen, dass sich andere Bundesligisten im Cup nicht so leicht getan haben. Die Stimmung ist jetzt wieder da, alles ist wieder ein bisschen lockerer. Es funktioniert wieder mehr.“

Diesen stimmungstechnischen Turnaround gilt es am Sonntag auf dem Platz unter Beweis zu stellen und gegen die Admira nachzulegen.

Laut Tabelle reisen die „Blackies“ nicht als Favorit in die Südstadt. Für den 20-Jährigen fällt dies jedoch eher unter die Kategorie Momentaufnahme: „Die Admira hat einen super Lauf gestartet. Von den Spielern her finde ich jedoch, dass wir die bessere Mannschaft haben. Wenn wir unsere Chancen reinhauen, denke ich, dass wir dort gewinnen. Und das wollen wir natürlich auch, damit wir wieder vorne mit dabei sind.“

Bei einer Niederlage würde angesichts der Ergebnisse vom Samstag die Lücke zu den Top 5 noch größer werden – auch jene zur Admira, der Gruber vor allem einen tollen Teamgeist attestiert:

„Man sieht, dass das ein echtes Team ist. Beim ersten Spiel in Graz haben sie zwar nicht viel für das Spiel getan, aber wenn sie Konter gefahren sind, waren sie immer gefährlich. Das macht diese Mannschaft so gefährlich. Darum stehen sie auch so weit oben. Aber ich glaube, am Sonntag werden wir noch näher zu ihnen hinkommen und sie bald überholen.“

Peter Altmann

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