Jauk - Geduld und Gerüchte

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Jauk, die Geduld und die Gerüchte

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Geduld heißt momentan das Schlagwort beim SK Sturm – auf und abseits des Feldes.

Auf dem Rasen war der 3:2-Erfolg gegen die Admira ein Wechselbad der Gefühle, wie man es von den Grazern in dieser Saison kennt.

„Sturm hat deswegen einen jungen Trainer geholt, weil das Herzinfarkt-Risiko bei diesem Klub sehr hoch ist“, stöhnte Trainer Peter Hyballa nach dem Schlusspfiff.

Wieder einmal deuteten die „Blackies“ phasenweise an, wohin die Reise unter Anleitung des Deutschen gehen soll, wieder einmal schlichen sich jedoch auch bedenkliche Konzentrationsmängel ein, weshalb die Steirer eine vermeintlich sichere 2:0-Führung zwischenzeitlich aus der Hand gaben.

„Können durchschnaufen“

Hyballa bewies jedoch, dass offensives Denken für ihn nicht nur eine Floskel ist, und brachte beim Stand von 2:2 Youngster David Schloffer für Innenverteidiger Nikola Vujadinovic. Der 20-Jährige leitete schließlich auch das Siegtor von Doppelpack-Torschütze Richard Sukuta-Pasu ein.

„Diese Partie kann aber natürlich auch ganz anders ausgehen“, gestand Hyballa, der nicht müde wurde, auf die Stärke der Admira hinzuweisen.

Seine eigene Elf fand er in der gelungenen ersten Halbzeit „erwachsen“, kam jedoch nicht umhin, gewisse Schwankungen im Spiel festzustellen.

Dies sei jedoch normal für eine Mannschaft im Umbruch: „Jetzt können wir einmal durchschnaufen, was wichtig ist für diese junge Truppe, denn man redet über diese Mannschaft immer so, als würden wir in der Champions League spielen.“

Die Causa Houben

Hyballa fordert also Geduld, und das zurecht. Sturm ist bekanntlich nicht das erste Fußball-Team, bei dem die sportliche Neuaufstellung Zeit braucht.

Immer mehr Fragezeichen stehen indes hinter der organisatorischen Neuaufstellung des Meisters von 2011. Vor allem über Präsident Christian Jauk brauen sich dunkle Wolken zusammen, die dieser in der Pause des Admira-Spiels im Gespräch mit „Sky“ zu kaschieren versuchte.

Der Hintergrund: Während sich die Suche nach einem neuen Geschäftsführer Sport zunehmend in die Länge zieht, befindet sich mit Christopher Houben der Geschäftsführer Wirtschaft und interimistische Sportchef derzeit auf Urlaub.

Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt am Ende der Transferzeit. In Graz wird damit spekuliert, dass Houben dem Verein den Rücken kehren könnte und Jauk somit nur wenige Monate nach Beginn seines ehrgeizigen Projekts „Sturm Neu“ ohne Geschäftsführer dastünde – ein Albtraum-Szenario für den durchaus auf seine öffentliche Wirkung bedachten Vereins-Boss.

„Er ist offiziell ganz normal auf Urlaub“

„Das ist ein Gerücht, das ich nicht kommentieren möchte. Wenn es Themen gibt, die offiziell sind, dann werden wir das tun. Aber wenn jemand im Büro auf Urlaub geht, gehe ich davon aus, dass bei anderen Vereinen selten der Präsident gefragt wird, ob er wieder retour kommt“, meinte Jauk zur Causa Houben.

Darüber, wie überzeugend dieses Dementi ist, lässt sich streiten. Fakt ist jedenfalls, dass Houben in den vergangenen Monaten seit dem Krankenstand und dem danach folgenden Abschied von Paul Gludovatz der Doppelbelastung der sportlichen und wirtschaftlichen Geschäftsführung ausgesetzt war und diese Aufgabe mit großem persönlichen Einsatz in Angriff nahm.

Dass der 31-Jährige an einem Burnout leiden würde, wie mancherorts kolportiert wird, stellt Jauk jedoch entschieden in Abrede: „Scheinbar ist das Thema Burnout eines, das immer wieder in Zusammenhang mit den Geschäftsführern von Sturm Graz genannt wird. Das möchte ich nicht kommentieren. Er ist offiziell ganz normal auf Urlaub, und ich möchte nicht, dass man irgendetwas hineininterpretiert, weil es Gerüchte gibt. Die gibt es scheinbar bei Sturm Graz in einem stärkeren Ausmaß als bei anderen Vereinen.“

Jauks nächster „Elfmeter“ muss sitzen

Ein Umstand, der auch an der nicht immer reibungslosen internen Kommunikation liegen könnte. Anfang September kehrt Houben, der am Freitag beim deutschen Schlager Borussia Dortmund gegen Werder Bremen auf der Tribüne saß und zuvor Dinamo Zagreb in den Champions-League-Playoffs siegen sah, aus seinem Urlaub zurück. Sollte er danach seine Arbeit nicht wieder aufnehmen, hat Jauk jedenfalls erhöhten Erklärungsbedarf.

Was die Suche nach einem offiziellen Gludovatz-Nachfolger betrifft, will das Vereinsoberhaupt „in den nächsten Wochen“ eine Lösung präsentieren. Intern hätte man sich bereits zu einem konkreten Termin durchgerungen.

„Wir wollen uns ganz sicher sein. Der nächste Elfmeter muss sitzen“, will sich Jauk auf dieser heiklen Position keine zweite unglückliche Personalentscheidung leisten.

Bitte um Geduld

Bezüglich Endspurt in der Transferzeit verweist der 47-Jährige auf „eine gewisse Breite“ im Verein. Es gäbe in Abwesenheit eines Geschäftsführers auch andere Personen, die etwaige Wechsel über die Bühne bringen könnten.

Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass „Sturm neu“ abseits des Spielfelds holpriger läuft als auf selbigem.

Jauk bittet um Zeit: „Ein Paradigmenwechsel geht nicht von heute auf morgen, da braucht man auch eine bestimmte Geduld.“

Auf und abseits des Feldes.

Peter Altmann

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