Rieds Interimscoach braucht kein Rampenlicht

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Seit dem Abgang von Paul Gludovatz zu Sturm Graz steht Gerhard Schweitzer bei der SV Ried vorübergehend in der ersten Reihe - nicht unbedingt zu seiner Freude.

Der 48-Jährige fungierte bei den Innviertlern zwar schon von 2002 bis 2003 als hauptverantwortlicher Trainer, allerdings bevorzugt er die Arbeit im Hintergrund.

"Ich brauche das Rampenlicht nicht", sagte der Oberösterreicher vor dem Bundesliga-Heimspiel am Sonntag gegen Rapid.

In Trainersuche nicht eingebunden

Schweitzer gibt bei den Riedern noch bis Saisonende die Anweisungen, danach zieht er sich wieder ins zweite Glied zurück.

"Ich freue mich schon auf meinen neuen Chef." Auf diese Personalauswahl, die bis Ende Mai getroffen werden soll, hat der ehemalige und künftige Co-Trainer aber keinen Einfluss.

"Da bin ich überhaupt nicht eingebunden, das ist die alleinige Entscheidung von Manager Stefan Reiter und vom Vorstand. Es kann ja auch nicht sein, dass sich der Co-Trainer den Trainer aussucht."

"Sturm hätte mich gereizt"

Undenkbar ist auch, dass Schweitzer die Rieder jemals als Cheftrainer auf permanenter Basis betreuen wird - allein schon deshalb, weil er seinen Hauptberuf nicht aufgeben möchte.

"Durch meinen Job bei der Lenzing AG kann ich mir meine Unabhängigkeit bewahren. Das ist auch für den Verein wichtig, weil ich dadurch immer meine ehrliche Meinung sagen kann."

Der Trainerposten bei Sturm Graz, der ihm vor einigen Wochen von Gludovatz angeboten wurde, hätte Schweitzer allerdings schon gereizt.

"Doch dann hätte ich bei Lenzing aufhören müssen. Außerdem hat es zu viele offene Fragen gegeben in Bezug auf die Mannschaft, das Trainerteam und die Finanzen - und auch in Bezug auf meine eigenen Finanzen."

Erfolgreich im Doppelpack

So bleibt es für Schweitzer bei der Rolle als Randfigur, in der er in den vergangenen Jahren aber regelmäßig gute Figur machte.

Mit Gludovatz führte er das ÖFB-U20-Team 2007 zum vierten WM-Platz, danach sorgte das Duo in Ried mit dem Cup- und Winterkönig-Titel für Furore.

Dass dabei die mediale Aufmerksamkeit zumeist Gludovatz gehörte, war für Schweitzer kein Problem. "Er hat in Interviews außergewöhnlich oft gesagt, wie wichtig meine Arbeit ist."

"Arbeit auf dem Platz ist entscheidend"

Mit diesen lobenden Erwähnungen war der 48-Jährige zufrieden, selbst will er sich nicht in den Mittelpunkt befördern.

"Ich bin kein Showman. Die Trainer, die sich selbst als Showman kreieren, haben ihren Job nicht lange. In Wahrheit ist immer die Arbeit auf dem Platz entscheidend, vor allem bei einem Verein wie Ried."

Diesbezüglich hat laut Schweitzer aber nicht nur im Innviertel ein Umdenken eingesetzt.

Keine Bühne für Showmen

"Auch solche Trainer, die große Spieler waren, spüren, dass die Vergangenheit nicht mehr viel zählt. Auch sie müssen hart arbeiten."

Dieser Trend sei eine Folge der Aussage von ÖFB-Präsident Leo Windtner, wonach sich Österreich im Fußball als Ausbildungsland begreifen muss.

"Und wenn wir uns schon als Ausbildungsland deklarieren, dann können wir keine Showmen als Trainer vertragen", betonte Schweitzer.

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