"Wenn das schief gegangen wäre..."

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Manchmal trifft man richtige, manchmal falsche Entscheidungen.

Peter Schöttel hat am vergangenen Sonntag die Richtige getroffen.

Der Rapid-Coach krempelte seine Aufstellung um, ließ die Grün-Weißen im 299. Wiener Derby in einer 4-2-3-1-Formation auflaufen, statt des zuletzt meist praktizierten 4-4-2-Systems.

Steffen Hofmann agierte dabei als „Freigeist“, Guido Burgstaller kam als einziger Stürmer zum Einsatz.

Bewusstes Risiko

Der Entschluss des Trainers trug Früchte, denn Rapids Ausgleich resultierte aus einer Kombination zwischen den beiden.

Dem 44-Jährigen war das Risiko seiner Variante bewusst. Umso erfreuter ist er, dass sich die Umstellung ausgezahlt hat.

„Steffen hatte mehr Freiheiten. Das geht natürlich auf Kosten eines zweiten Stürmers. Dadurch, dass Steffen Guido das Tor aufgelegt hat, bin ich mit dieser Entscheidung sehr zufrieden. Es wäre sicher wieder heiß diskutiert worden, wenn das schief gegangen wäre. Dann wären die Stimmen laut geworden, die gefragt hätten, warum Salihi, Gartler und Nuhiu draußen sitzen und Alar gar nicht im Kader ist.“

Ein oder zwei Stürmer?

Doch angesichts des gerechten Remis im Prestigeduell blieben sie stumm. Ob dieses Konzept jedoch Zukunft hat, ist eine andere Frage.

 „Wir haben in Salzburg auch so gespielt. Und das war eine unserer besten Saisonleistungen. Der Preis ist aber, dass wir nur mit einem Stürmer spielen.  In den Heimspielen werden wir aber wahrscheinlich wieder mit zwei Angreifern spielen – schließlich habe ich auch fünf und das ist nicht leicht zu handlen“, erklärt Schöttel.

Aus der Tatsache, dass Burgstaller derzeit gesetzt ist, macht der Wiener kein Geheimnis. „Ich kenne ihn aus meiner Zeit in Wr. Neustadt. Guido ist sehr dynamisch. Leider hat er uns zu Beginn der Saison verletzungsbedingt gefehlt.“

Prager konnte überzeugen

Einen Freifahrtschein hat der Kärntner dennoch nicht. „Wir haben einen sehr ausgeglichenen Kader. Wenn ein Stürmer zwei, drei schlechte Partien spielt und ich sehe, dass sich die drei anderen im Training aufdrängen, muss ich reagieren.“

Aufgedrängt hat sich schon lange Thomas Prager. Doch erst gegen die Austria stand die Neuverpflichtung zum zweiten Mal in der Startformation. An der Seite von Harald Pichler, der für den erkrankten Markus Heikkinen ins defensive Mittelfeld vorrückte, lieferte der Wiener eine solide Leistung ab.

Aggressives Zweikampfverhalten, ballsicher und umsichtig in der Offensive zeichneten sein Spiel aus. Dementsprechend glücklich war Schöttel über Pragers Leistung: „Er hat seine Sache gut gemacht, hat hat unserem Spiel gut getan.“

Lob von Schöttel

Der Ex-Internationale hatte den Blondschopf schon länger am Zettel, doch aufgrund von Verletzungen  verzögerte sich die Premiere über die volle Spielzeit.

„Thomas hat in der Vorbereitung einen tollen Eindruck hinterlassen, ist aber immer ausgefallen, wenn ich ihn bringen wollte. Deswegen freut mich seine Leistung im Derby. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch in Zukunft funktioniert.“

Gerne würde der Ex-Neustadt-Coach Prager gemeinsam mit Hofmann im zentralen Mittelfeld einsetzen und dazu zwei Spitzen bringen – doch das scheint derzeit (noch) ein Wunschgedanke zu sein.

Prager und Hofmann zentral?

„Prager und Hofmann plus zwei Stürmer schließe ich nicht aus, aber dann müssen wir so gut sein und so eine Sicherheit haben, dass ich mir diese Variante auch zutraue. Es wäre natürlich das Schönste, weil das bedeuten würde, dass wir toll drauf sind. Aber dort sind wir noch nicht. Vielleicht kommen wir dort hin. Es wäre schön“,  meint Rapids Rekordspieler.

Bis dahin ist es jedoch noch ein steiniger Weg. Langsam aber doch scheint sich zumindest ein grün-weißer Stamm herauszukristallisieren, der je nachdem ein 4-4-2 oder ein 4-3-2-1 praktizieren kann.

Schöttel wird jedenfalls schon am Mittwoch im Samsung-Cup-Achtelfinale gegen Ried beweisen können, ob er wieder die richtige Entscheidung treffen wird…

Martin Wechtl

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