So tickt Rapid unter Schöttel

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"Rapid kann uns nicht überraschen"

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Manfred Schmid – ein Mann mit violettem Blut.

Wer den  Betreuer besser kennt, weiß, wie groß sein Herz für Austria Wien schlägt.

20 Jahre verbrachte der ehemalige Mittfeldspieler als Aktiver am Verteilerkreis. 20 Jahre, in denen er alles für seinen Herzensklub gab.

Auch nach dem Ende seiner Profi-Laufbahn blieb er den Veilchen treu und wurde zunächst Trainer in der Frank-Stronach-Akademie und in Folge Co-Trainer von Thomas Janeschitz bei den Amateuren.

Im Herbst 2007 trennten sich die Wege – vorerst, denn über die Stationen Schwanenstadt und Wr. Neustadt kehrte der mittlerweile 41-Jährige Anfang 2012 als Co  unter Ivica Vastic zu den violetten Profis zurück.

Mit Schöttel in Neustadt

Seine in Neustadt gesammelten Erfahrungen könnten ein Mosaikstein für einen erfolgreichen Auftritt im 301. Wr. Derby gegen Rapid sein, schließlich arbeitete der Blondschopf in Niederösterreich fast eineinhalb Jahre mit dem jetzigen SCR-Coach Peter Schöttel zusammen.

Man braucht also kein Prophet zu sein, um sagen zu können, dass Schmid haargenau weiß, wie Schöttel tickt.

„Peter ist ein akribischer Arbeiter, der sich sehr viel mit dem Fußball und den Medien beschäftigt. Er wird sich extrem gut auf dieses Spiel vorbereiten“, versichert Vastic‘ rechte Hand im Gespräch mit LAOLA1.

„Rapid kann uns nicht überraschen“

Und Schmid kann sich gut ausmalen, wie der grün-weiße Erzrivale am Sonntag auftreten wird: „Peter und ich haben sehr lange und sehr erfolgreich in Wr. Neustadt zusammen gearbeitet. Ich kenne ihn wirklich gut, kann mir gut vorstellen, wie er gegen uns spielen wird. Anderseits hat er bei Rapid ein anderes Spielermaterial als in Neustadt. Daher wird er sich bestimmt etwas einfallen lassen. Überraschen werden sie uns jedoch nicht können.“

Dass bei der gemeinsamen Arbeit auch manchmal Spannungen entstanden sind, sei ein normaler und sogar wünschenswerter Prozess gewesen und hätte nichts mit der grünen beziehungsweise violetten Vergangenheit zu tun gehabt.

„Ein Konflikt tut gut“

„Es ist wichtig, dass im Trainerteam nicht alle dasselbe denken. Ein Konflikt tut gut, sonst gibt es keine Entwicklung. Es gab natürlich Auffassungsunterschiede. Ich glaube, das war für beide gut und befruchtend. Nicht nur wir haben uns dadurch weiterentwickelt, sondern auch die Mannschaft und der Verein. Jeder hat seinen Standpunkt offengelegt und seine Meinung kundgetan. Dann haben wir versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden.“

Die gemeinsame Chemie stimmte. Die Erfolge in Neustadt ebnete ihnen auch die Rückkehr zu ihren Stammvereinen. „Wir waren damals junge, aufstrebende Trainer, die vor allem eines waren: Teamplayer. Peter hat den Weg zurück zu Rapid, ich zur Austria geschafft. Ich wünsche ihm alles Gute für die Zukunft – jedoch nicht für das Derby.“

„Wollen offensiv auftreten“

Während es für Schöttel bereits das vierte Prestigeduell ist, steht Schmid vor seinem zweiten – das erste vor eigenem Publikum.

An die Premiere am 18. Februar im Happel-Stadion hat der Blondschopf trotz Punktgewinns keine guten Erinnerungen.

„Es ist nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind mit großen Emotionen zu diesem Spiel gefahren, waren auch gut drauf, doch die Leistung war enttäuschend. Beide Mannschaften haben taktisch sehr gut agiert. Es war schwierig, Chancen zu kreieren. Daheim wollen wir offensiver spielen und gewinnen.“

Seiner Meinung nach liegt das Problem in der zu hohen Erwartungshaltung. „Es gab im Winter einen Umbruch. Es kam ein neues Trainerteam, dadurch ein neues Spielsystem. Neue Spieler sind gekommen, andere, die davor nicht so oft gespielt haben, kommen zum Zug. Gleichzeitig werden sofort viel Ballbesitz, Kurzpassspiel und ein offensive Ausrichtung verlangt. Das muss aber erst automatisiert werden. Die Laufwege müssen abgestimmt werden. Es ist eine Entwicklungsphase."

„Wenn man international schaut, sind dort die Erfolge, wo eine längere Zeit zusammengearbeitet wird, wo längere Zeit ein System einstudiert wird. Man beginnt eben mit einer stabilen Defensive und versucht sich erst dann sukzessive in der Offensive zu verbessern. Das funktioniert bei uns auch zuletzt recht gut. Verbesserungswürdig sind vielleicht die letzten Sekunden in unserem Spiel.“

Zwei, drei Jahre für perfektes System

Daher appelliert er an alle, dem Trainerteam und der Mannschaft Zeit zu geben. Wie lange, komme auf die Umstände an.

„Für die Zeitspanne gibt es keine gewisse Regel. Es kommt auf den Umbruch und die Philosophie des Vereins an. Wenn ich zu einem Klub komme, wo kein neues System einstudiert werden muss, wo es Automatismen gibt, wird es schneller und einfacher gehen. Beginnt man bei null benötigt man jedoch zwei, drei Jahre für das perfekte System.“

Ob ihm und Chefcoach Vastic diese Zeit gegeben wird, ist fraglich. Sein Blut wird jedenfalls für immer violett sein…

Martin Wechtl

Manchmal juckt es noch

Apropos spielen: Obwohl seine aktive Karriere bereits seit zehn Jahren beendet ist, bekommt er bei dem Gedanken an das Derby Lust, seine Fußballschuhe wieder auszupacken.

„Wenn man die Vorberichterstattung verfolgt und weiß, wie brisant dieses Duell in Wien ist, würde es mich das eine oder andere Mal schon sehr jucken mitzuspielen. Wenn man dann aber im Training mitkickt und merkt, dass man nicht mehr mithalten kann, fühlt sich die Betreuerbank auch recht gut an“, gibt er mit einem Lächeln zu.

Ernst wird der gebürtige Wiener hingegen, wenn es um die mediale Kritik am Auftreten der Austria geht.

Abrechnung mit Kritikern

„Kritik kann man nicht zu Seite schieben. Man differenziert aber, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht. Man muss schauen, was für Möglichkeiten derzeit bei Austria Wien herrschen. Ich kann aber jedem sagen, dass wir sehr hart arbeiten und versuchen, das Beste herauszuholen.“

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