Salzburgs Frühjahr: Sünden und Sargnägel

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Eigentlich dachte man kurz vor der Winterpause, dass Salzburg die schlimmste Krise in der Red-Bull-Ära endgültig hinter sich gelassen hat.

Immerhin feierte die Moniz-Truppe in den letzten vier Herbst-Partien drei Siege, außerdem gelang der überraschende Aufstieg ins Sechszehntel-Finale der Europa League.

Die Unserie von sieben sieglosen Spielen zwischen September und November - beinahe schon wieder vergessen.

Doch zum Leidwesen der Salzburg-Anhänger scheint es im Frühjahr ein Déjà-vu zu geben.

Der Vizemeister taumelt wieder durch die Stadien - negativer Höhepunkt in der noch jungen Rückrunde: Die 0:1-Blamage daheim gegen Mattersburg.

Trainer Ricardo Moniz ist wieder einmal angezählt, ein Rauswurf bei weiteren Pleiten gegen Wacker und Rapid wohl unausweichlich.

LAOLA1 zeigt, warum das Frühjahr bislang voller Sünden und Sargnägel war.

Sargnagel Absage: Schon vor dem Rückrunden-Start gab es für die „Bullen“ die erste Hiobsbotschaft: Der Auftakt gegen Wacker Innsbruck fiel den winterlichen Bedingungen zum Opfer. So musste Salzburg ohne Pflichtspiel in den Beinen gegen Metalist Charkiw antreten. Der blamable Ausgang ist hinlänglich bekannt.

 

Sargnagel Douglas: Im Prinzip war das EL-Duell gegen Charkiw schon nach 20 Sekunden entschieden. Douglas da Silva, eigentlich als Abwehrchef vorgesehen, unterlief jener katastrophale Rückpass, den Taison schließlich zum 1:0 nützte. Von diesem frühen Schock erholte sich die Moniz-Truppe nie wieder. Dass der Brasilianer auch noch an der jüngsten Blamage gegen Mattersburg maßgeblich beteiligt war, passt zur derzeitigen Verfassung des 27-Jährigen.

Sünde Kapitänsfrage: Es war angesichts des 0:4-Debakels nur eine Randnotiz und trotzdem ein klares Zeichen. Ein Zeichen für die fehlende Hierarchie im Team. Moniz machte Leonardo gegen Charkiw erstmals zum Kapitän, mit Leistung zurückgezahlt hat der Brasilianer dieses Vertrauen jedoch nicht. Und ob es Sinn macht, einen Spieler, der intern nicht das beste Standing haben soll, die symbolisch wichtige Binde zu geben, darf zumindest bezweifelt werden. Auch Martin Hinteregger hat er mit dem Kapitänsamt eine zu große Bürde auferlegt. Dass der 19-Jährige noch nicht reif genug ist, zeigt sein aktueller Fehltritt.

 

 Sünde Disziplin: Disziplinlosigkeiten pflastern irgendwie den Weg von Moniz‘ Trainer-Ära in Salzburg. Schon im Sommer zog sich Gonzalo Zarate den Unmut des Niederländers zu, weil er zu spät aus der Heimat zurückkam. Im Frühjahr wurde der Argentinier dann wegen eines verweigerten Handschlags zu den Juniors verbannt. Auch andere Spieler wie Douglas (Trunkenheit am Steuer) und Martin Hinteregger fielen immer wieder durch Undiszipliniertheiten auf, über die Moniz zu oft hinweg sah. Der junge Kärntner, so berichtet der „Kurier“, soll nach dem Mattersburg-Spiel die Nacht zum Tag gemacht haben – und das nicht zum ersten Mal.

Sargnagel Leitgeb: Wie wichtig Christoph Leitgeb für die Mannschaft ist, zeigte schon der Herbst. Die Verletzung des 26-Jährigen Ende September war der Anfang einer langen Durststrecke. Sieben Spiele blieben die „Bullen“ ohne Sieg, bei fünf davon fehlte der gebürtige Steirer. Und auch im Frühjahr wartet Moniz sehnsüchtig auf Leitgebs Rückkehr. Seit Anfang Februar fehlt der Kapitän wegen eines Knochenödems. Und mit ihm pausiert auch der Erfolg.

 

Sünde Soriano: Als der Transfer von Jonathan Soriano endlich fix war, schwärmte Moniz davon, wie stark der Spanier im Abschluss sei. Er wäre ein Torjäger, ein klassischer Strafraums-Stürmer, der nicht viele Chancen brauche. Noch steht beim 26-Jährigen aber die Null. Auch, weil ihn der Niederländer überwiegend als hängende Spitze einsetzt. Eine Position, die er bei Barcelona nie spielen musste und die ihm auch nicht wirklich liegt.

 

Sargnagel Stimmung: Nicht nur die Medien haben sich auf Moniz eingeschossen. Mittlerweile sind auch große Teile der Fans gegen den 47-Jährigen. In der Theorie klingen Moniz‘ Worte durchaus vielversprechend, nur praktisch wurde davon wenig bis nichts umgesetzt. Der Zuschauerschnitt zeigt schon seit Monaten nach unten und befindet sich mit 8.347 auf dem Tiefstwert in der Red-Bull-Ära. Was Moniz vor dem drohenden Aus eventuell noch retten kann, sind Siege. Am besten schon im Nachtrag gegen Wacker und am Samstag gegen Rapid. Viel mehr Chancen wird der Niederländer wohl nicht mehr bekommen.

Kurt Vierthaler

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