Salzburg rotiert in die Krise

Aufmacherbild
 

Ricardo Moniz wehrt sich zwar mit Händen und Füßen gegen dieses Wort, aber langsam muss sich der Niederländer mit dem Terminus „Krise“ beschäftigen.

Drei Spiele ohne Sieg, zuletzt ein mageres 1:1-Heim-Remis im Westderby gegen zehn Innsbrucker.

Ob es Moniz hören will oder nicht: Red Bull Salzburg befindet sich in einem Tief.

Dafür gibt es mehrere Gründe, wie LAOLA1 schon vor zwei Wochen berichtete (hier geht's zur Story).

Einerseits hat Moniz mit einer äußerst hartnäckigen Verletzungsseuche zu kämpfen, andererseits rotierte der 47-Jährige sein Team selbst in die Krise.

26 Spieler hat der Cheftrainer in dieser Saison in der Liga schon eingesetzt.

Ob Innen- oder Außenverteidigung, ob Flügelspieler oder Angreifer – eine Stammelf gibt es nicht und damit auch keine wirkliche Sicherheit.

Baustelle Außenverteidigung: 

„Unsere Außenverteidiger haben noch nicht die Sicherheit, dass sie auch im Spiel nach vorne Impulse setzen. Und auch hinten sind wir über die Außenpositionen noch zu anfällig.“ Moniz gab nach der Last-Minute-Pleite bei der Austria (2:3) erstmals offen zu, was ohnehin schon jeder sah: Weder auf rechts, noch auf links hat der RBS-Coach bislang den richtigen Mann gefunden. Christian Schwegler durfte sich in der Liga auf rechts sechs Mal versuchen, Fränky Schiemer drei Mal und Stefan Hierländer zwei Mal. Auf links ist das „Bäumchen-Wechsel-dich-Spiel“ noch bunter: Mit Dusan Svento (5x), Andreas Ulmer (2x), Jefferson (2x) und Martin Hinteregger (2x) gab es in elf Runden sogar vier verschiedene Varianten. Das größte Problem dabei: Schiemer, Hierländer, Svento und Hinteregger sind gar keine gelernten Außenverteidiger, dementsprechend mäßig sind auch oft ihre Leistungen auf dieser Position.

Baustelle Innenverteidigung: 

Sieben (!) verschiedenen Start-Innenverteidiger-Pärchen hat Moniz in den elf Liga-Partien schon sein Vertrauen geschenkt. Nimmt man die Partie in Runde vier gegen Mattersburg, wo Chema Anton für den verletzten Pasanen kam und 65 Minuten lang mit Hinteregger die Innenverteidigung bildete, waren es sogar acht. Dass dabei keine wirkliche Harmonie und Sicherheit im Abwehrverbund zustande kommen kann, liegt auf der Hand. So verwundert es auch nicht, dass Salzburg in den letzten fünf Spielen nur ein Mal zu null spielen konnte – und das gegen den schwächsten Angriff der Liga (Wr. Neustadt/9 Tore). Natürlich hatte Moniz auch mit viel Verletzungspech zu kämpfen, aber nicht selten rotierte der Niederländer ohne Notwendigkeit. Jüngstes Beispiel:  Den eigentlich als Abwehrchef geholten Pasanen (mit ihm spielte RBS in acht Partien fünf Mal zu null) ließ er gegen Wacker draußen, für ihn agierte der gelernte Mittelfeldspieler Lindgren. Hinteregger musste dafür auf die ungeliebte linke Abwehrseite.

Baustelle Flügelspieler:

Im Moniz’schen 4-3-3-System kommen den Flügelspielern eine besondere Bedeutung zu. Sie sollen nicht nur selbst für Torgefahr sorgen, sondern auch den zentralen Angreifer mit Flanken füttern. Letzteres ist noch wichtiger seit Stefan Maierhofer in Salzburg ist. Problem dabei: Gerade die rechte Seite (Leonardo, Zarate) ist nicht unbedingt bekannt dafür, zahlreiche Flanken zu schlagen. Die beiden Südamerikaner bevorzugen das Kurzpassspiel und ziehen als Linksfüße ohnehin mehr in die Mitte. Auf links gäbe es mit Jantscher und Svento zwar zwei Akteure, die Maierhofer mit Hereingaben bedienen könnten, allerdings musste Svento zumeist links hinten oder im zentralen Mittelfeld aushelfen, weshalb er seine Stärken zu selten ausspielen konnte. Gegen Wacker durfte sich mit dem 20-jährigen Felix Adjei von den Juniors eine weitere Alternative versuchen. Auch Neuzugang Luigi Bruins, der im Westderby als 26. (!) Kaderspieler zum Einsatz kam, könnte am Flügel agieren. Ob die vielen Möglichkeiten dem Verständnis am Platz zuträglich sind, darf bezweifelt werden.

Baustelle zentrales Mittelfeld:

So groß die Auswahl auf den Flügeln ist, so dünn besetzt ist Salzburgs Zentrum. Rasmus Lindgren sollte defensiv jene Lücke schließen, die die Verletzung von David Mendes da Silva aufgerissen hatte. Aber der von Ajax Amsterdam gekommene Schwede ist bislang noch nicht die erhoffte Verstärkung. Defensiv ist er oft zu sorglos, offensiv zu harmlos. Darum brachte Moniz auf der Sechser-Position zuletzt auch lieber den schnelleren und zweikampfstärkeren Schiemer. Der ÖFB-Teamspieler würde zwar am liebsten in der Innenverteidigung spielen, kommt aber eben meist im Mittelfeld oder als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Youngster Daniel Offenbacher (19) ist körperlich noch nicht so weit und deshalb auch für Moniz kaum eine Alternative. Im offensiven Mittelfeld sieht es in der Breite kaum besser aus: Christoph Leitgeb fehlt mit einem Außenbandriss noch bis Anfang November, Simon Cziommer quält sich schon seit längerem mit einem Splitter im Sprunggelenk über den Platz. Es blieb Moniz und Sportdirektor Hochhauser daher nichts anderes übrig, als mit Luigi Bruins noch einmal nachzulegen. Der Niederländer mit italienischen Wurzeln hat jedoch seit Februar nicht mehr gespielt und wird einige Zeit benötigen, um der Mannschaft wirklich helfen zu können.

 

Baustelle Angriff:

Ein Blick auf die interne Torjägerliste spricht nicht unbedingt für Salzburgs Stürmer: Der seit Ende August verletzte Alan (Kreuzbandriss) liegt nämlich mit drei Treffern immer noch auf Platz zwei hinter Jakob Jantscher (4). Auf den Brasilianer hatte Moniz auch sein ganzes Angriffsspiel aufgebaut und dabei sogar auf die Verpflichtung von Barcelonas B-Stürmer Soriano verzichtet. „Es war alles klar mit ihm. Vierjahresvertrag, zwei Millionen Euro Ablöse – aber ich wollte Alan nicht schwächen. Soriano wäre der gleiche Spielertyp gewesen“, rechtfertigt Moniz das Nein zum Spanier. Mit der schweren Verletzung hätte keiner rechnen können. Als Ersatz stehen dem Niederländer nun Stefan Maierhofer und Roman Wallner zur Verfügung. Ersterer lebt primär von Flanken und steht deshalb meist auf verlorenem Posten, wenn diese nicht kommen (siehe Baustelle Flügelspieler). Zweiterer hat bei Moniz einen schweren Stand und ist nicht mehr als ein Notnagel. Als Stoßspitze durften sich übrigens auch schon Leonardo, Teigl und Zarate probieren – meist mit mäßigem Erfolg. Moniz muss nun schleunigst an seinen Baustellen arbeiten, sonst könnte es ungemütlich werden. Denn wenn man eines in Salzburg gar nicht mag, dann ist es Erfolglosigkeit.

Kurt Vierthaler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen