"Schöneren Einstand hätte ich nicht feiern können"

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Manchmal sind es die vermeintlich normalsten Dinge der Fußballer-Welt, die das Herz höher schlagen lassen.

„Es hat ganz einfach Spaß gemacht, wieder einmal auf dem Platz zu stehen“, gestand Jürgen Säumel nach dem 1:0-Sieg gegen Rapid im Gespräch mit LAOLA1.

Nicht auf irgendeinem Platz, sondern jenem in Graz-Liebenau, dem er vor über drei Jahren nach einem 3:1-Erfolg gegen Austria Kärnten begleitet von bitteren Abschiedstränen den Rücken gekehrt hat.

In Minute 70 der Partie gegen die Hütteldorfer wussten die Sturms-Fans nicht so recht, wie sie ihre Emotionen verteilen sollten. Der 26-Jährige verließ unter Standing Ovations den Platz, da ging sogar die üblicherweise standesgemäß zelebrierte Einwechslung von Mario Haas ein wenig unter – Publikumsliebling für Publikumsliebling eben.

„Gänsehaut pur“

Und diese Bezeichnung ist keine Übertreibung. Schon nachdem seine Rückkehr feststand, zeigte er sich letzten Montag im LAOLA1-Interview überrascht von den Begeisterungsstürmen der Grazer Anhänger.

Die Welcome-Home-Party fand am Samstag, garniert mit dem ersten Drei-Punkter der noch jungen Saison, ihre nahtlose Fortsetzung. Der (ehemalige) Kapitän war wieder da, stand etwas überraschend gleich in der Startelf, spielte stark und die Fans ließen ihn ihre Freude spüren.

Beim bescheidenen Säumel löste dies gemischte Gefühle aus: „Das war Gänsehaut pur! Auf der einen Seite freut es mich natürlich, dass ich so empfangen wurde. Auf der anderen Seite ist es auch ein bisschen unangenehm, denn man darf nicht vergessen, was die Mannschaft in den letzten Jahren, in denen ich nicht dabei war, geleistet hat. Cupsieger, Meister, EL-Gruppenphase – das sind Erfolge, die wenige Mannschaften in Österreich gefeiert haben. Die hat es sich genauso verdient.“

Trainer Franco Foda lobte im LAOLA1-Interview nicht nur Ballsicherheit und Zweikampfstärke seines alten, neuen Schützlings, sondern auch dessen den Umständen entsprechend guten körperlichen Zustand: „Anscheinend hat er für sich im Urlaub relativ gut gearbeitet. Er ist also nicht auf der faulen Haut gelegen.“

Abseits eines geregelten Mannschaftstrainings galt es für Säumel, sich mehr oder weniger in Eigenregie fit zu halten: „Ich habe im Urlaub viel im Ausdauer- und Kraftbereich gemacht – gemeinsam mit Walter Niederkofler, unserem Sportwissenschaftler. Da möchte ich mich auch einmal bedanken, weil es eine tolle Arbeit war im Urlaub.“

„Ich weiß, was Foda von einem Mittelfeldspieler verlangt“

Nach 70 Minuten musste der Comebacker dennoch von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden: „Es hätte keinen Sinn gemacht, wenn ich noch länger am Platz stehe und nicht mehr richtig laufen kann.“

Ein Dank Säumels galt auch Foda, der ihn entgegen seiner Gewohnheit, Neuzugänge erst körperlich aufzupeppeln, gleich bei der ersten Gelegenheit ins kalte Wasser warf:

„Er kennt mich in- und auswendig. Also glaube ich, dass er aufgrund des Trainings relativ gut einschätzen konnte, wie weit ich bin. Zudem weiß ich, was er von einem zentralen Mittelfeldspieler verlangt. Das war natürlich ein großer Vorteil. Außerdem hat es mir die Mannschaft einfach gemacht. Wir sind kompakt gestanden, jeder hat gewusst, was er zu tun hat. Dann ist es auch einfach, Fußball zu spielen.“

Kurzum - aus Säumels Sicht war es ein stimmiger Fußball-Abend: „Einen schöneren Einstand hätte ich nicht feiern können. Ich habe jede Minute genossen.“

Peter Altmann

Beim Siegtreffer von Haris Bukva stand Säumel  gar nicht mehr am Platz, dennoch drehte sich nach Schlusspfiff beinahe alles um ihn. Nach den Feierlichkeiten auf dem Spielfeld galt es in den Katakomben unzählige Fragen zu beantworten und zahlreiche Hände alter Bekannter zu schütteln.

Statistik untermauert gute Leistung

Obwohl kein allzu großer Freund des Rampenlichts, absolvierte der Obersteirer diesen „Marathon“ geduldig: „Ich fühle mich wohl in Graz und freue mich, dass ich bei einem so tollen Verein so ein hohes Standing habe. Ich hoffe, dass ich bei den kommenden Spielen das Vertrauen zurückgeben kann.“

Einen Teil des Vertrauens gab Säumel, in den letzten drei Jahren bei Torino, Brescia und Duisburg unter Vertrag, schon gegen Rapid zurück – und zwar keinen kleinen. Obwohl er in der abgelaufenen Saison kaum Spielpraxis sammelte (sieben Einsätze für Duisburg) und nur wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft intus hatte, unterstrich er, welche Verstärkung er für das zentrale Mittelfeld der Grazer sein sollte.

Von der ersten Minute an war er der Denker und Lenker im Spiel der „Blackies“. Die Statistik untermauert dies. Starke 80 Ballkontakte (in nur 70 Minuten) zeigen, wie sehr Säumel ins Spiel des Meisters eingebunden war. Kein Sturm-Kicker hatte einen besseren Zweikampf-Wert (68,8 Prozent), keiner gab mehr Torschussvorlagen (fünf), keiner schlug mehr Flanken (sechs), auch die Passquote von 88,9 (sechs Fehlpässe bei 54 Versuchen) ist in Ordnung.

„Ich hatte nichts zu verlieren“

„Ich glaube, ich habe eine recht ansprechende Leistung geboten“, schätzte sich der Mittelfeldspieler selbst ein, relativierte aber gleichzeitig:

„Gegen Rapid war es relativ einfach, weil ich nichts zu verlieren hatte. Ich habe gewusst, dass es ein wichtiges Spiel ist, ich habe aber auch gewusst, dass nicht so viel erwartet wird, weil ich erst vier Tage im Mannschaftstraining war. Es wird sicher wieder Phasen geben, in denen es schlechter läuft, wo ich nicht so spritzig bin.“

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