"Der perfekte Trainer für das Anforderungsprofil"

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Nur eine Woche hat die Trainer-Suche bei der SV Ried gedauert, ehe Helgi Kolvidsson als neuer Kapitän am Schiff der Wikinger ausgerufen wurde.

Nachdem am Pfingstmontag der spektakuläre Wechsel von Klub-Legende Oliver Glasner zum Erzrivalen LASK offiziell wurde, startete Manager Stefan Reiter am Dienstag neu durch.

„Das Thema Glasner war am Montag abgeschlossen, am Dienstag in der Früh habe ich begonnen, mein Anforderungsprofil im Rohbereich zu verfassen“, schildert der 54-Jährige bei LAOLA1.

Zwei Zettel

Das dauerte eine halbe bis dreiviertel Stunde. Auf einem anderen Zettel schrieb Reiter jene Namen, die sich mit dem Anforderungsprofil decken würden: „Alle Namen, die mir durch den Kopf gingen.“

Sieben oder acht Trainer standen schließlich auf dem Papier. Unter anderem Helgi Kolvidsson.

Der war zu diesem Zeitpunkt der Coach vom SC Wiener Neustadt, der am Sonntag erfolglos versuchte, die Klasse zu halten. Ob dieser heiklen Mission kontaktierte ihn Reiter als Erstes.

„Es war natürlich eine unangenehme Situation, deswegen habe ich ihn gleich angerufen und ihm nur vom Interesse erzählt“, erinnert sich Reiter.

Wie es der Zufall so wollte, war Kolvidsson am Weg nach Salzburg, um dort seine Frau, die mit den drei Töchtern im deutschen Pfullendorf lebt, zu treffen.

Erstes Treffen vergangene Woche

So konnten sich der Oberösterreicher und der Isländer austauschen, ohne dass der Manager ein Angebot legte oder verhandelt wurde.

Kolvidsson, der sich absolut interessiert an der möglichen Aufgabe zeigte, konnte mit großem Vorwissen aufwarten. Reiter: „Das hat mich beeindruckt.“

Danach war Funkstille angesagt. Die Mission Klassenerhalt stand freilich im Fokus des 43-Jährigen.

Reiter nützte indes sein Netzwerk, suchte sich alle Informationen zusammen, schaute Spiele, auch von Kolvidssons Ex-Klub Austria Lustenau, der ihn im Herbst in der Ersten Liga vor die Tür setzte, ehe Wiener Neustadt zugriff und ihn als Nachfolger von Heimo Pfeifenberger engagierte.

Reiter kam zum Schluss: „Mir war klar, dass er der perfekte Trainer für unser Anforderungsprofil ist.“

Denn Kolvidsson erfüllte folgende Kernpunkte positiv: Teamplayer zu sein, Spieler entwickeln und Menschen führen zu können, Flexibilität in seinen Spielformen und Trainingseinheiten zu haben.

Wohl auch bei Neustadt-Klassenerhalt nach Ried

Nach dem Abstieg der Wiener Neustädter trafen sich die beiden am Montagabend erneut.

Dienstagfrüh stimmte das Rieder Präsidium dem Vorschlag Reiters einstimmig zu, danach wurde der Zweijahresvertrag unterschrieben und zu Mittag die frohe Botschaft in die Welt hinausgetragen.

Natürlich rief Reiter zuvor auch Neustadt-Manager Günter Kreissl an.

Hätten die Niederösterreicher die Klasse gehalten, hätte sich der Vertrag des Trainers automatisch verlängert. In diesem Fall hätten die Innviertler um die Freigabe gebeten. Ein weiteres Indiz, wie sehr Ried genau diesen Mann wollte.

Am Donnerstag wird Kolvidsson in Oberösterreich präsentiert, danach gibt es vor dem Antritt des Urlaubs ein abschließendes Gespräch, bei dem auch der Kader noch einmal adressiert wird.

Kommen Neustädter mit?

„Wir haben schon intensiv über den Kader gesprochen und er hat uns einen sehr guten bescheinigt“, erzählt Reiter, der mit Thomas Bergmann (Wacker) und Manuel Gavilan (Zamora) zwei Neue bereits an Land zog.

Stefan Lainer (Salzburg) und Leihgabe Denis Thomalla (zurück zu RB Leipzig) werden respektive könnten den Verein verlassen. Nicht auszuschließen, dass auch Neustädter Spieler kommen.

„Wir haben ihm im Rahmen unserer Möglichkeiten zugesichert, den einen oder anderen noch dazu nehmen zu können“, so Reiter, der am Donnerstag wohl schon Vorschläge unterbreitet bekommt.

Glasner ging mit der SV Ried vergangene Saison neue, spielerische Wege, nun obliegt es Kolvidsson, wie er diesen weitergeht.

„Helgi wird sich das alles in der Vorbereitung ansehen und dann wird er entscheiden, wie es weitergeht. Das ist sein Job und seine Aufgabe. Aber er ist keiner, der mit der Sense kommt.“

Der Kumpel von Jürgen Klopp, mit dem der frühere Verteidiger lange Zeit in Mainz zusammenspielte, fiel Reiter freilich schon in Austria-Lustenau-Zeiten auf.

Erst der dritte ausländische Trainer

Obwohl in der meisterlichen Herbstsaison 2012, auf die das Katastrophen-Frühjahr 2013 folgte, mehr die Spieler im Reiter‘schen Fokus waren.

„Die Mannschaft war aber von den Namen her gar nicht so gut bestückt, auch das hat mich stark beeindruckt“, so der Manager, der nach Petr Segrt (2003) und Andrzej Lesiak (2004) erst den dritten ausländischen Trainer zur Spielvereinigung holte.

Nach den Engagements von Glasner (eine Saison), Michael Angerschmid (eineinhalb Saisonen) und Heinz Fuchsbichler (fünf Monate) soll die Trainer-Suche nun für längere Zeit ein Ende haben.

„Ich wünsche mir bei jedem Trainer, dass er hier lange und erfolgreich arbeitet“, so Reiter. „Aber das liegt nicht immer nur an uns.“

 

Bernhard Kastler

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