LAOLA1 gibt einen Fußball-Regel-Check

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Die Rote Karte für Nani ist zentrales Gespräch am Tag nach dem CL-Kracher ManUnited-Real.

Schiedsrichter Cüneyt Cakir steht ungewollt im Mittelpunkt und mit ihm seine ganze Zunft der Unparteiischen.

Der Ausschluss, so hart er für die Fans der "Red Devils" auch war, entspricht allerdings dem Regelwerk.

"Gefährliches Spiel"?

"Es ist gefährliches Spiel. Ob er es wollte oder nicht, ist irrelevant. Es ist gefährliches Spiel, es ist eine Rote Karte", übte sich Roy Keane in der Rolle des Teilzeit-Referees.

Juan Andujar Oliver, langjähriger Schiedsrichter in La Liga und Experte zahlreicher spanischer Medien, sah das anders: "Gelb wäre die richtige Entscheidung gewesen."

„Im Fußball ist es leider oft so, dass viele einfach spielen, ohne sich mit den Regeln auseinander zu setzen“, meinte FIFA-Schiedsrichter Harald Lechner schon vor geraumer Zeit in einem LAOLA1-Interview.

"Letzter Mann" kein Argument

Tatsächlich vernimmt man auf den Tribünen und aus den TV-Sendern dieses Landes oft seltsame Begriffe und eigenwillige Regelauslegungen von Fans und Kommentatoren.

So ist etwa der „letzte Mann“ kein zwingendes Kriterium für eine Rote Karte wegen „Torraubes“ und die Begriffe „passives und aktives Abseits“ stehen seit Jahren nicht mehr in den Regelbüchern.

LAOLA1 deckt Irrtümer auf und gibt anlässlich der jüngsten Polemik eine kostenlose Regelschulung:

 

Anstoß:

Ein Spiel beginnt mit dem Anstoß. Üblicherweise wird dieser von einem Spieler ausgeführt, der den Ball zu einem Mitspieler passt. Zwingend ist diese Vorgehensweise jedoch nicht. Im offiziellen Regelbuch heißt es: „Der Ball ist im Spiel, wenn er mit dem Fuß gestoßen wurde und sich vorwärts bewegt“. Sollte ein Spieler den Ankick also direkt ins gegnerische Tor schießen, so zählt der Treffer und der Gegner hat Anstoß.

Freistoß:

Entscheidet der Schiedsrichter auf Freistoß, sind die Spieler der verteidigenden Mannschaft verpflichtet, sich ohne Aufforderung 9,15 Meter vom Ball zu entfernen. In der Realität sieht das jedoch oft anders aus: Spieler stellen sich häufig bewusst vor den Ball, um diesen zu „sperren“. Diese Vorgehensweise muss der Schiedsrichter mit einer gelben Karte bestrafen, da ein schnelles Weiterspielen verhindert wird.

Der Ball kann nur von der angreifenden Mannschaft gesperrt werden, wenn diese den Abstand von 9,15 Metern fordert oder vom Schiedsrichter selbst, wenn dieser der Ansicht ist, dass die ausführende Mannschaft den Freistoß nicht schnell ausführen will. Wird der Ball nicht gesperrt, kann er sofort weitergespielt werden, auch wenn der Gegner den nötigen Abstand noch nicht herstellen konnte.

Abstoß:

Dass der Abstoß aus dem Strafraum gespielt werden muss, ist allgemein bekannt. Dass dies auch für jeden anderen Freistoß der verteidigenden Mannschaft im eigenen Straftraum gilt, weniger. Der Abstoß wird von einem beliebigen Punkt im Torraum ausgeführt, er muss nicht auf jener Seite erfolgen, auf der der Ball ins Torout ging.

Nimmt ein Spieler den Ball an, bevor er den Strafraum verlässt, oder wird der Ball direkt ins Tor oder Torout gespielt, ohne vorher den Strafraum verlassen zu haben, muss wiederholt werden. Aus einem Abstoß kann ein gültiges Tor erzielt werden, die Abseitsregel ist aufgehoben.

Diskussionen gehören zur Tagesordnung

Einwurf:

Spieler sind bei einem Einwurf verpflichtet, dort zu werfen, wo der Ball ins Out gegangen ist. Wirft ein Spieler von einem falschen Ort (z.B. einige Meter weiter vorne), so muss der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen und die gegnerische Mannschaft am richtigen Ort einwerfen. Der Referee ist nicht verpflichtet, einem Spieler vor der Ausführung des Einwurfes zu sagen, wo er werfen soll.

Alle Gegenspieler müssen mindestens zwei Meter Distanz zum Werfer halten. Dieser muss mit dem Gesicht zum Feld schauen und den Ball mit beiden Händen in einem Zug von hinten über den Kopf ins Spielfeld werfen (für Spieler, die nur eine Hand haben, gibt es eine Ausnahmeregelung). Dabei muss der Spieler mit einem Teil von beiden Füßen die Linie berühren, oder dahinter stehen. Aus einem Einwurf kann kein Tor erzielt werden. Wirft man direkt ins gegnerische Tor, geht es mit Abstoß für den Gegner weiter.

Strafstoß:

Vor der Ausführung des Strafstoßes muss der Schütze klar festgelegt werden. Der Tormann muss auf der Torlinie stehen und Richtung Spielfeld blicken.

Läuft ein Mitspieler des Schützen vor dem Schuss in den Strafraum (oder begeht sonst einen Regelverstoß) und der Ball geht ins Tor, wird der Elfmeter wiederholt. Geht der Ball nicht ins Tor, gibt es indirekten Freistoß für das verteidigende Team an der Stelle, wo der Spieler in den Strafraum eingetreten ist.

Verstößt ein Mitspieler des Tormannes gegen die Regeln, zählt der Treffer, wenn der Ball im Tor war. Wenn der Strafstoß nicht getroffen wurde, wird er in diesem Fall wiederholt.

Eigentor:

Schießt ein Spieler den Ball ins eigene Tor, so zählt der Treffer für den Gegner. Grundsätzlich ist dies richtig, es gibt jedoch Ausnahmen: Aus einem Freistoß, Abstoß (z.B. bei starkem Gegenwind), Elfmeter (z.B. Abpraller von der Latte…) und Einwurf kann kein direktes Eigentor erzielt werden. In diesen Fällen wird mit Eckstoß für den Gegner fortgesetzt.

Berührt ein Spieler den Ball, bevor dieser ins Tor geht, zählt der Treffer. Generell gilt in diesen Fällen der Grundsatz: „Aus einem Vorteil kann kein Nachteil werden!“

Abseits:

Die wohl am häufigsten diskutierte Regel in der Welt des Sports ist die Abseitsregel. Ein Spieler ist im Abseits, wenn er zum Zeitpunkt des Abspiels durch einen Mitspieler in der gegnerischen Hälfte vor dem Ball ist und er sich zwischen Torlinie und vorletztem Gegenspieler befindet.

Allerdings ist erst dann auf Abseits zu entscheiden, wenn der Spieler in das Spielgeschehen eingreift (den Ball berührt, einem Gegner den Weg versperrt, dem Tormann die Sicht versperrt). Dies ist auch der Grund, warum Assistenten oft etwas länger warten, bevor sie die Fahne heben, um die Abseitsstellung anzuzeigen.

Torjubel:

Grundsätzlich ist es natürlich erlaubt, einen Torerfolg zu feiern, der Jubel sollte allerdings nicht übertrieben werden und nicht zu lange dauern. „Choreografierte“ Jubelszenen sind genauso wie provozierende oder höhnische Gesten nicht erlaubt. Hier ist der Schiedsrichter angehalten, den Spieler zu verwarnen.

Sobald der Tormann den Ball berührt, ist dieser für die Spieler tabu

Eine gelbe Karte gibt es auch für das Hochklettern eines Zaunes, das Ausziehen oder Über-den-Kopf-Stülpen des Trikots oder das Bedecken des Gesichts mit einer Maske oder Ähnlichem.

Torraub:

Den Torraub gibt es nur im Volksmund. Das Regelbuch spricht hier von der Verhinderung einer offensichtlichen Torchance. Wird eine eindeutige Torchance durch einen Regelverstoß (Foul, Handspiel,…) verhindert, muss der Schiedsrichter den Spieler, der das Vergehen beging, ausschließen. Dabei ist unerheblich, ob es sich um den „Letzten Spieler“ handelt.

 

Kurioses und Irrtümer

Bei jedem Anstoß, Freistoß, Abstoß, Eckstoß, Strafstoß und Einwurf muss der Ball von einem anderen Spieler berührt werden, bevor der ausführende Spieler wieder eingreifen darf. Dies ist allgemein bekannt, hat aber auch eine interessante Tatsache zur Folge: Ein Spieler darf beim Elfmeter nachschießen, wenn der Ball vom Tormann zurückprallt. Kommt der Ball allerdings von der Stange zurück zum ausführenden Spieler, darf dieser nicht schießen, da es sonst einen indirekten Freistoß wegen Doppelberührung gibt.

Prallt bei einem Abstoß der Ball von einem Spieler, der außerhalb des Strafraumes steht, zurück ins Tor, zählt der Treffer. Prallt der Ball vom Schiedsrichter zurück, gibt es Eckball.

Dass jedes Handspiel automatisch eine gelbe Karte nach sich zieht, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Verwarnt wird der Spieler nur dann, wenn er mit dem Handspiel versucht, ein Tor zu erzielen, oder den Gegner daran hindert, an den Ball zu gelangen. Glaubt ein Spieler zum Beispiel, dass der Ball bereits im Out war und nimmt diesen in die Hand, bekommt er dafür keine Karte. Es gibt lediglich einen direkten Freistoß für das gegnerische Team.

Das Spielfeld

Der „Sechzehner“ ist in Wirklichkeit nicht 16 Meter lang, sondern 16,5. Dies liegt am Britischen Maßsystem, in dem der Strafraum 18 Yards lang ist. Der „Fünfer“ misst 5,5 Meter. Von diesem System kommt auch der ungewöhnliche Abstand von 9,15 Metern, die bei Standardsituationen eingehalten werden muss. Diese Distanz entspricht genau 10 Yards.

Dass der Tormann im „Fünfer“ irgendwelche Sonderrechte genießt, ist ein Märchen. Der Torraum ist keine besondere Schutzzone des Keepers, er dient lediglich der Ausführung von Abstößen und indirekten Freistößen für die angreifende Mannschaft.

Die Eckfahne muss mindestens 1,5 Meter hoch und oben abgerundet sein, damit sich niemand verletzen kann. Es ist jedoch nicht festgelegt, ob sie kippbar sein muss oder nicht.

Unterschiedliche Auffassung

Aussagen wie „22 Spieler laufen einem Ball nach“ oder „Das Runde muss ins Eckige“ beschreiben den Grundgedanken jenes Spiels, das sich weltweit großer Beliebtheit erfreut. Es steckt jedoch weit mehr dahinter.

Und letztlich liegt es an einer einzelnen Person, Entscheidungen zu treffen. Oder wie es Harald Lechner ausdrückt: „Probleme entstehen nicht durch mangelnde Regelkenntnis, sondern durch unterschiedliche Auffassung einer Situation.“


Rainer Liebich

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