Parallelen in der Nachhaltigkeit

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Parallelen in der personellen Nachhaltigkeit

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Finanzielle Parallelen kann man derzeit zwischen Rapid Wien und Sturm Graz nur wenige orten.

Rund 11 Millionen Euro beträgt das Budget der Steirer. In der Bundeshauptstadt kann man mit mehr als dem Doppelten planen: Rund 23 Millionen Euro stehen als Etat zur Verfügung, in den kommenden Wochen geht es im Champions-League-Playoff um ein ordentliches "Zuckerl" an Zusatzeinnahmen.

"Das höhere Budget ist zu akzeptieren, aber in den 90 Minuten am Sonntag wird das Budget nicht spielen", erklärte Michael Madl im LAOLA1-Interview.

Ähnlichkeiten in der Kaderpolitik der beiden Traditionsvereine kann der Sturm-Kapitän indes sehr wohl erkennen.

Während sich Red Bull Salzburg zu einem Umbruch entschlossen hat und Austria Wien zu einem Neuaufbau gezwungen war, herrscht bei den anderen beiden Mitgliedern der "Großen Vier" derzeit Konstanz.

Und die Vorzeichen stehen zumindest nicht schlecht, dass diese Kontinuität kein Phänomen des Sommers 2015 ist.

"Rapid und Sturm haben erkannt, wie man mit allen Situationen im österreichischen Fußball umgehen muss", sagt Sturm-GM Gerhard Goldbrich im Gespräch mit LAOLA1 und erkennt durchaus Parallelen in der Kaderstruktur:

"Es kann nur das Ziel sein, dass man auf eigene und junge Spieler setzt gepaart mit einer gewissen Form an Erfahrung, wie es bei Rapid Mario Sonnleitner oder Steffen Hofmann sind und bei uns ein Michael Madl, Marko Stankovic oder Roman Kienast. Es gilt zu versuchen, einen kontinuierlichen Aufbau zu schaffen und Konstanz im Kader zu wahren. Ich binde meine Spieler längerfristig, damit ich nachhaltig etwas aufbauen kann."

Diesbezüglich sind sowohl Schwarz-Weiß, als auch Grün-Weiß auf keinem schlechten Weg, wenngleich man die von Goldbrich angesprochenen Gegebenheiten in Österreich nicht außer Acht lassen kann.

Die Bundesliga stellt für ambitionierte Profis naturgemäß nicht die Endstation in ihrer Karriere dar, sondern einen Zwischenstopp. Abgänge von Leistungsträgern lassen sich bisweilen schwer verhindern, sind jedoch durchaus auch eine willkommene Einnahmequelle - man denke etwa an Marco Djuricin, der sich bei Sturm in die Auslage spielen konnte und danach den Sprung nach Salzburg wagte.

Die Zahl jener Akteure, über welche die beiden Klubs noch bis 2018 die Kontrolle haben, ist indes schon wesentlich größer. Je acht Spieler muss man frühestens in drei Jahren ablösefrei ziehen lassen.

Wobei hier einer der größten Unterschiede in der Vertrags-Philosophie zwischen Müller und Goldbrich offenkundig wird.

Letzterer setzt zu einem hohen Prozentsatz auf Kontrakte mit Verlängerungs-Option. Einen solchen gibt es bei Rapid nur bei Tomi.

In gewisser Art und Weise werden hier auch die finanziellen Unterschiede sichtbar, ist diese Klausel doch ein Absicherungsmodus, sollte ein Spieler doch nicht wie erhofft einschlagen.

Funktionieren beispielsweise die beiden neuen Außenverteidiger, Marvin Potzmann und Charalampos Lykogiannis, stehen sie ohnehin bis 2018 unter Vertrag. Funktionieren sie nicht, bekommt man sie spätestens 2017 von der Gehaltsliste.

"Wir sind einfach abhängig von im Schnitt 2000 oder 3000 Fans mehr oder weniger beziehungsweise auch vom einen oder anderen Sponsor. Mit elf Millionen haben wir eben ein anderes Budget als Rapid. Dann musst du natürlich vorausblickend schauen, dass du eine Chance offen hast, in ein, zwei Jahren die eine oder andere Korrektur finanzieller Natur im Kader zu machen, wenn es einmal anders läuft", meint Goldbrich zum Thema Optionen.

Bei Rapid wiederum widerstand man bisher allen Angeboten für Robert Beric oder Philipp Schobesberger. Früher oder später könnte man sich jedoch auch die Entwicklung dieses Duos mit einer Ablösesumme vergolden lassen.

Gehen wichtige Kadermitglieder, ist es umso wichtiger, dass das Gerüst stimmt. Und diesbezüglich agieren Goldbrich und sein Rapid-Pendant Andreas Müller durchaus mit einer ähnlichen Handschrift.

Nach einer Phase der Aufbauarbeit nach dem jeweiligen Amtsantritt waren in diesem Sommer nur punktuelle Adaptionen am Aufgebot von Nöten.

Während Sturm überhaupt keinen unfreiwilligen Abgang in Kauf nehmen musste und gezielte Verstärkungen an Bord holte, ließ Rapid Marko Maric, Dominik Wydra und Brian Behrendt nach Deutschland ziehen - jeweils gegen eine Ablöse. Auch für Youngster Philipp Lienhart, der nun fix Real Madrid gehört, wanderte Geld auf das Konto. Während kein absoluter Stammspieler ging, ergänzte man den Kader mit einer Handvoll an ablösefreien Bundesliga-Spielern und konnte sich auch rund 500.000 Euro Ablöse für Richard Strebinger leisten.

Ganz ohne Ausgaben ging es auch an der Mur nicht. Für den Fixerwerb von Lukas Spendlhofer von Inter Mailand musste Goldbrich die Geldbörse öffnen.

Der Innenverteidiger dankte es mit einer Unterschrift bis 2018 - auch die Neuzugänge Michael Esser, Kristijan Dobras und Sascha Horvath haben sich für drei Jahre an die "Blackies" gebunden.

Strebinger wiederum unterschrieb gleich bis 2019. Derselbe Zeitraum, für den sich im Juli Sonnleitner bei den Hütteldorfern verpflichtete. Dieses Duo ist somit das am längsten unter Vertrag stehende dieser beiden Vereine.

Rapid Sturm
Mario Sonnleitner
Richard Strebinger
Rapid Sturm
Robert Beric Michael Esser
Thomas Schrammel Lukas Spendlhofer
Stephan Auer Kristijan Dobras
Stefan Nutz Sascha Horvath
Philipp Huspek Marvin Potzmann (2017 plus Option)
Philipp Prosenik Charalampos Lykogiannis (2017 plus Option)
Andreas Kuen Andreas Gruber (2017 plus Option)
Tomi (2017 plus Option) Christian Schoissengeyr (2017 plus Option)

Bei Rapid freut man sich indes und betont es auch gebetsmühlenartig, dass man es angesichts der langfristigen Verträge selbst in der Hand habe, wann und vor allem zu welchen Konditionen ein Schlüsselspieler den Verein verlässt.

Soll heißen: Die Zahl der Spieler mit Ausstiegsklausel ist gering. Bei Beric oder Schobesberger geht zum Beispiel ein Transfer nicht ohne Zustimmung des derzeitigen Arbeitgebers über die Bühne.

Eine Ausnahme gibt es noch: Louis Schaub könnte vorzeitig aus seinem bis 2017 laufenden Vertrag aussteigen, wenn ein Verein die im Arbeitspapier festgeschriebene Summe auf den Tisch legt.

Zwischen Rapid und Sturm ist das Thema Ausstiegsklausel seit dem Wechsel des Grazer Eigenbauspielers Florian Kainz nach Wien im vergangenen Sommer naturgemäß ein Reizthema.

Wobei Goldbrich den Einbau der Klausel in den Vertrag des Flügelflitzers verteidigt: "Ein halbes Jahr vorher hat jeder gefragt, ob wir nicht ganz frisch sind, dass wir Kainz überhaupt einen Vertrag geben. Ein halbes Jahr später hat Rapid die Ausstiegsklausel genutzt. Also war es für den Verein kein so schlechtes Geschäft."

Heißt übersetzt: Sturm konnte zumindest ein wenig Ablöse lukrieren, anstatt den Blondschopf ablösefrei ziehen lassen zu müssen.

Denn oftmals ist diese Möglichkeit eines vorzeitigen Abschieds die einzige Chance, einen Spieler zur Unterschrift zu bewegen. Auch bei Sturm ist die Zahl der Spieler mit Ausstiegsklausel inzwischen jedoch eine überschaubare.

"Grundsätzlich bin ich überhaupt kein Freund von Ausstiegsklauseln, um ganz ehrlich zu sein, da sie gerade auf dem Berater-Sektor immer nur für Wirbel sorgen, weil der Berater dann eine Summe hat, mit der er durch die Lande ziehen kann. Wir haben auch nicht allzu viele, aber manchmal ist es auf Spielerwunsch gar nicht anders möglich. Um einen Spieler zu Konditionen, die für Sturm leistbar sind, zu bekommen, musst du in irgendeiner Form einen Kompromiss eingehen", betont Goldbrich.

Rapid Sturm
Florian Kainz Christian Gratzei
Louis Schaub Roman Kienast
Philipp Schobesberger Michael Madl
Christopher Dibon Martin Ehrenreich
Maximilian Hofmann Marc Andre Schmerböck
Stefan Schwab Bright Edomwonyi
Stefan Stangl Sandi Lovric
Mario Pavelic Marko Stankovic (2016 plus Option)
Srdjan Grahovac Josip Tadic (2016 plus Option)
Tobias Knoflach Wilson Kamavuaka (2016 plus Option)
Thorsten Schick (2016 plus Option)
Simon Piesinger (2016 plus Option)
Naim Sharifi (2016 plus Option)
David Schnaderbeck (2016 plus Option)

Zumindest in der Theorie besteht die Chance, dass beide Teams auch die Saison 2016/17 nur mit jener Anzahl an personellen Änderungen in Angriff nehmen wird, die man als Normalität und Kontinuität bezeichnen darf.

Bei Rapid befinden sich nur fünf Spieler im letzten Vertragsjahr. Mit Thanos Petsos und Jan Novota soll verlängert werden, bei Deni Alar gilt es wohl die Entwicklung im Saisonverlauf abzuwarten. Bei Michael Schimpelsberger standen die Zeichen schon in diesem Sommer auf Abschied. Einen Sonderfall stellt freilich Steffen Hofmann dar. Sollte der grün-weiße "Fußball-Gott" seine Karriere fortsetzen wollen, wäre dies wohl nur Formsache.

Anders stellt sich die Situation beim Dreh- und Angelpunkt der Grazer Offensive dar. Dass die Schalke-Leihgabe Donis Avdijaj auch im Sommer 2016 noch im Aufgebot steht, ist mehr als unwahrscheinlich.

Bei den übrigen Spielern mit auslaufendem Vertrag wartet man in Graz noch zu und beobachtet die Performance in den kommenden Wochen und Monaten.

Mögliche Tendenz aus heutiger Sicht: Eine Verlängerung mit Christian Klem und Daniel Offenbacher wäre keine Überraschung. Für David Schloffer wird es angesichts seines aktuellen Standings eng. Eine neuerliche Einigung mit Anel Hadzic wäre eine Überraschung, dem bosnischen Teamspieler werden häufig Ambitionen zu einem Ligen-Wechsel nachgesagt - Sturm könnte wohl auch mit einem vorzeitigen Abgang, sprich einer Ablösesumme, gut leben.

Rapid Sturm
Steffen Hofmann Donis Avdijaj (Leihgabe von Schalke 04)
Thanos Petsos Christian Klem
Jan Novota Daniel Offenbacher
Deni Alar Anel Hadzic
Michael Schimpelsberger David Schloffer
Tobias Schützenauer
Benjamin Rosenberger

Als Leihgabe stellt Donis Avdijaj einen Sonderfall in der Personalpolitik dar

Bei den Akteuren mit Option bis 2017 ist zumindest ein Verbleib von Naim Sharifi so gut wie auszuschließen. Der Russe spielt schon jetzt in den Planungen von Trainer Franco Foda keine Rolle.

Fazit: Bei beiden Vereinen bahnt sich ein zweiter Sommer mit wenigen Veränderungen an. Gibt es doch ungeplante Abgänge, klingelt zumindest die Kasse - im Falle eines Transfers von Ex-Sturm-Kicker Beric womöglich sogar für beide Vereine.

Alles in allem keine uninteressante Kaderentwicklung, wenn man es mit einem Blick in den Rückspiegel vergleicht.

Ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt war Müller im Sommer 2014 mit den Abgängen von Akteuren wie Marcel Sabitzer (Ausstiegsklausel), Terrence Boyd, Guido Burgstaller oder Christopher Trimmel konfrontiert und reagierte mit zukunftsträchtigen Personalmaßnahmen.

Verpflichtungen wie Beric, Kainz, Stefan Schwab, Philipp Schobesberger, Srdjan Grahovac oder Stefan Stangl beziehungsweise das fixe Engagement des zuvor geliehenen Christopher Dibon passten ins Konzept des langfristigen Aufbaus.

Für Goldbrich wiederum stieg abseits der nicht geplanten Abgänge von Beric und Kainz erst im Sommer 2014 der Handlungsspielraum, nachdem eine größere Anzahl an Verträgen von nicht mehr erwünschten Spielern ausgelaufen war.

Was wiederum den möglichen Nachteil längerfristiger Kontrakte offenbart: Die Zahl an Fehlgriffen, die man nur schwer vor Vertragsende von der Gehaltsliste bekommt, sollte man definitiv in Grenzen halten.

Es ist wohl auch der Job der bei beiden Vereinen in jüngerer Vergangenheit installierten Scouting-Chefs Bernard Schuiteman (Rapid) und Imre Szabics (Sturm), diese Gefahr zu minimieren.


Peter Altmann/Alexander Karper

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