Stadion-Fakten und offene Fragen

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Fakten und offene Fragen zum Allianz Stadion

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Es ist soweit! Dienstag, der 10. Juni 2014, soll dem SK Rapid noch lange in Erinnerung bleiben.

Denn wie der Verein ankündigte, werden im Rahmen einer Großveranstaltung in der Wiener Stadthalle den Mitgliedern und Medienvertretern Details zum geplanten Stadionneubau offenbart.

"Ein Stadion-Projekt dieser Größenordnung hat in Österreich noch kein Verein in Angriff genommen", freut sich Präsident Michael Krammer.

Unter dem Titel "Alte Heimat – neues Zuhause: Das grün-weiße Jahrhundertprojekt" sollen Details zum Stadionbau, Visualisierungen, Partnerschaften, etc. präsentiert werden.

Während einige Informationen bereits durchsickerten bzw. veröffentlicht wurden, sind einige Punkte noch ungeklärt.

LAOLA1 verschafft einen Überblick, welche Schritte bereits gesetzt werden konnten und welche Einzelheiten in Bezug auf den Stadion-Neubau noch ausstehen:

  • Lage und Standort

In einer Grundsatzfrage konnten besorgte Rapid-Fans bereits früh zufrieden gestellt werden. Das neue Stadion wird am selben Standort erbaut, wo sich das Hanappi-Stadion befindet - nämlich jenem im Herzen Hütteldorfs. Übersiedlungs-Gerüchte, stadtauswärts in Richtung Auhof oder gar in einen anderen Bezirk auszuweichen, wurden im Keim erstickt. Die Adresse wird sich dennoch ändern. Statt in der Keißlergasse 3 soll die neue Rapid-Heimat zukünftig am Gerhard-Hanappi-Platz 1 zu finden sein, ebenfalls die Büros, die in den neuen Komplex übersiedeln werden. Da die Namensrechte mit großen finanziellen Vorteilen für den Verein an den Mann gebracht werden konnten, wird dem Architekten des Vorgänger-Stadions auf diese Art Tribut gezollt. Damit bleibt die Heimstätte urban, eingebettet im 14. Wiener Gemeindebezirk – sofern die intensiven Bemühungen um die Gunst der Anrainer von Erfolg gekrönt waren.

Krammer bringt Stadionbau auf Schiene

  • Der gesteckte Zeitrahmen

Geht es nach Rapid-Präsident Krammer sollen noch diesen Sommer die Bagger anrollen. "Wenn alles perfekt läuft, gibt es dann ein Abschiedsspiel (6. Juli 2014 gegen Celtic Glasgow) und wir übersiedeln schon mit Saisonbeginn für die Dauer des Neubaus ins Happel-Stadion", so der Plan. Das setzt voraus, dass bis dahin die Baugenehmigung bewilligt wird. Bereits im Juli könnte mit dem Entleeren des Hanappi-Stadions begonnen werden, für den Abriss ist man gewappnet. Das Ausweichstadion im Prater ist bereits für zwei Jahre reserviert, auch wenn es in der Saison 2015/2016 zu Überschneidungen mit der Austria kommen könnte. Die Übersiedlung ist zwar nicht ganz nach dem Geschmack des Trainers, des Teams und der Fans, dient aber der Umsetzung des Stadion-Projekts. Der Bau ist für mindestens eineinhalb Jahre anberaumt und soll 2016 abgeschlossen sein. Läuft alles nach Plan, sollen die Grün-Weißen im Sommer 2016 ins neu errichtete Stadion an alter Wirkungsstätte zurückkehren.

  • Fehlende Unterschriften/Abstimmungen/Anrainer

Auch wenn Rapid auf einem guten Weg ist, den Stadionneubau in die Tat umzusetzen, ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Nach der Präsentation der Stadion-Details im Rahmen einer Mitgliederversammlung am 10. Juni in der Stadthalle gilt es, fehlende Unterschriften und Abstimmungen, etwa mit Vertretern der Stadt, des Bezirks und diversen Behörden, positiv zu Ende zu führen. Auch die Baubewilligung steht noch aus, "aber da bei einem Neubau alle relevanten Widmungen eingehalten werden, sollte dieses Prozedere recht rasch abgeschlossen werden können", so Krammer. "Ziel war und ist es, alle von uns beeinflussbaren und noch offenen bürokratischen Abläufe in den kommenden Wochen zu finalisieren", so der Rapid-Boss. Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung kommt den unmittelbar angrenzenden Bewohnern zu. In "konstruktiven Gesprächen" wurde versucht, die Anrainer von den Vorteilen des Neubaus zu überzeugen. Weniger Lärm- (durch geschlossene Ecken) und Licht-Belästigung (Flutlicht im Stadiondach integriert), Lösungen für erhöhtes Verkehrs- und Parkaufkommen, kein Aufeinandertreffen rivalisierender Fangruppen sowie das Verhindern von Vandalismus sind nur einige Punkte, die für Verbesserungen sorgen sollen. Zudem soll so gut wie alles in das neue Areal integriert und somit das Umfeld entlastet werden.

Stadionplan aus dem Geschäftsbericht des SK Rapid

  • Architektur/Design

Mögliche Szenarien, Entwürfe, Modelle und Fotos, wie der Nachfolger des Hanappi-Stadions aussehen könnte, machten auf den unterschiedlichsten Plattformen die Runde. Studenten entwarfen sogar im Rahmen eines Projekts ein "Plus-Energie-Stadion", das zukünftig im Westen Wiens stehen könnte. Laut Verein soll keines der kursierenden Bilder der Wirklichkeit entsprechen. Bekannt ist bereits, dass das Stadion offiziell 24.000 Zuschauer fassen soll und um 90 Grad gedreht wird. Im Norden müssen dafür zwei Trainingsplätze weichen. Der harte Kern der Rapid-Fans wird von der oft gepriesenen West- auf die Südtribüne übersiedelt. Unter anderem sollen 2.500 Business Seats und mindestens 20 Logen geplant sein. Die Ecken sollen, anders als bisher im Hanappi-Stadion, geschlossen sein, die vier Tribünen sind gleich hoch. Das Flutlicht wird in das Stadiondach integriert, somit sind keine Masten mehr erforderlich. Zudem könnte das Oval tiefer liegen, wodurch man ebenerdig die Tribünen betreten könnte. Das Design innen und außen bleibt weiterhin ein gut gehütetes Geheimnis, das am Dienstag gelüftet wird. Wie vom Verein angekündigt, werden vom Bauunternehmen STRABAG bei der Präsentation am Dienstag, erste Visualisierungen der Stadion-Pläne vorgestellt.

  • Entscheidung für Bauunternehmen

Nach Endverhandlungen mit zwei verschiedenen Anbietern traf Rapid Anfang Mai eine richtungsweisende Entscheidung, wer den Auftrag zum Neubau erhalten soll. Vom Stadion-Projektteam (Dr. Claus Binz, Geschäftsführer des deutschen Instituts für Sportstättenberatung (IFS); Ing. Peter Fleissner und Harry Gartler) wurde dem Präsidium eine Empfehlung ausgesprochen, die Wahl fiel schlussendlich auf das österreichische Bauunternehmen STRABAG. Folgende Punkte wurden vorrangig für die Entscheidungsfindung herangezogen: Architektonische Punkte wie innere und äußere Gestalt, das räumliche Funktionskonzept, die innere Erschließung sowie infrastrukturelle Themen wie Rettungswege, Sicherheit oder Entfluchtung, Aufenthaltsqualität und Atmosphäre (Akkustik, Sicht) sowie natürlich die Kostenfrage.

Allianz gab Arena in München den Namen

  • Vergabe der Namensrechte

Rapid und Tradition sind eng verbunden. In einer Hinsicht musste man sich schlussendlich aber den Zukunftsentwicklungen im modernen Fußball beugen: Namensrechte verkaufen, ja. Änderungen im Vereinsnamen, nein. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Allianz Gruppe, forciert durch Präsidiumsmitglied Martin Bruckner von der Allianz-Investmentbank, wird die neue Heimstätte der Hütteldorfer somit "Allianz Stadion" heißen. Durch den für zehn Jahre (ab 2016) abgeschlossenen Vertrag mit dem Versicherungs-Unternehmen sollen Millionen fließen, genauere Details blieben aber noch im Dunkeln. Fakt ist, dass der renommierte Millionenkonzern mit rund 150.000 Mitarbeitern bereits als Namensgeber für Sportstätten in München, London, Nizza, Sao Paulo und Sydney fungiert. Das Umdenken wird von Fan-Seite relativ positiv aufgenommen, schließlich wäre die Finanzierung des Stadions ansonsten nicht vorstellbar. "Das Allianz Stadion wird das modernste Stadion Österreichs mit einem klugen Besucherkonzept und einer eindrucksvollen Architektur - mit Verbesserungen für die Anrainer", kündigte General Manager Werner Kuhn an.

  • Finanzierung

In dieser Hinsicht gibt es noch einiges an Aufklärungsbedarf. Der Bau des "Allianz Stadions" soll rund 50 Millionen Euro kosten. Die Stadt Wien steuert einen Betrag von etwa 17,7 Millionen Euro bei, die Marketing-Partnerschaft mit der Allianz soll weitere Zuschüsse im siebenstelligen Bereich bringen – oder mehr? Medienberichten zufolge soll der Rest durch einen Kredit finanziert werden, der durch die Mehreinnahmen durch Abo-Zuwachs, Business-Seats, etc. refinanziert werden soll. Doch genaue Zahlen sowie Details zur Partnerschaft mit dem neuen Stadion-Namensgeber sollen am Dienstag von Präsident Krammer präsentiert werden. Eine Finanzierung, die sich über Jahre auszahlen soll. Nicht umsonst wird der Stadion-Neubau in Wien-Hütteldorf von Seiten Rapids als das "Jahrhundert-Projekt" bezeichnet.

  • Fußball und mehr unter einem Dach

Das neue "Allianz Stadion" soll nicht nur in Bezug auf Fußball alle Stückeln spielen, sondern auch Angebote darüber hinaus beinhalten. Geschäfte zusätzlich zum Fan-Shop schloss man aus, trotzdem soll die Investition in die Zukunft als Mehrzweck dienen. Neben der Geschäftsstelle sollen sich kleinere Veranstaltungsräume, Abstellplätze für Busse und TV-Wägen sowie das Rapid-Dorf im Stadion befinden. Als besonderes Zuckerl soll eine Kapelle, in der grün-weiße Anhänger zum Beispiel ihren Nachwuchs taufen lassen können, dienen. Durch den neu errichteten Stadion-Vorplatz sollte zudem mehr Platz für die anreisenden Zuschauer gewonnen werden. Auch in diesem Fall werden die genauen Pläne und Vorhaben erst veröffentlicht. Die Stadion-Präsentation am Dienstag wird somit mit Spannung erwartet.

 

Alexander Karper

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