Schulte: "Es macht wieder Spaß zuzuschauen"

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Die nackten Zahlen bleiben für Rapid ernüchternd.

Im Frühjahr haben die Wiener in elf Liga-Spielen nur einmal gewonnen und insgesamt nur neun Punkte geholt. Die veritable Krise führte zur Cup-Blamage gegen Pasching (0:1) und der Beurlaubung von Trainer Peter Schöttel sowie zum atmosphärischen Tiefpunkt im Hanappi-Stadion.

Wer am Samstag in Hütteldorf bei der 1:3-Niederlage gegen Salzburg zugegen war, traute einmal mehr seinen Ohren nicht. Wie zuletzt gab es nur „Vorstand-raus“-Rufe in Regelmäßigkeit. Vor allem gegen den Erzrivalen im Kontext der „Tradition-Kommerz“-Thematik ein ungewohntes Bild.

"Kuhn-raus"-Plakate auf allen vier Tribünen

General Manager Werner Kuhn war zudem das Fan-Thema des Tages.

In der Nacht auf den Samstag hatten Unbekannte die Geschäftsstelle zugemauert. Darauf war ein Bildnis von Manger Werner Kuhn zu sehen mit der Aufschrift: „Ich darf nicht hinein.“ Der Mauerfall folgte noch vor Spielbeginn.

Kuhn im Mittelpunkt der Proteste

Kurz vor dem Duell mit Salzburg ging es weiter, Fans streckten auf allen Tribünen „Kuhn raus“-Plakate in die Höhe. Während der 90 Minuten fielen die mittlerweile klassischen Sprechchöre, zudem wurde Kuhn der Abschluss seines postgradualen Management-Studiums angekreidet – das dafür gefertigte Spruchband ließ wissen „Rapid-Manager zu sein, ist kein Nebenjob“.

Die zugemauerte Geschäftsstelle Rapids

So weit, so schlecht. Und auch wenn die Niederlage gegen Salzburg per se nicht half, so tat sie es zumindest, was die Leistung betrifft. Schließlich boten die Wiener bis zum Ausgleich eine gute Partie.

„Man muss immer zwischen Leistung und Ergebnis unterscheiden können“, verwies auch Trainer Zoran Barisic darauf, der nach dem 2:2 bei der Austria im zweiten Spiel die erste Pleite kassierte.

Wie die zweite Hälfte in Wien-Favoriten war auch die erste gegen Salzburg ansprechend, mit gutem Pressing ließen die „Grün-Weißen“ die „Bullen“ nicht zur Entfaltung kommen. Dann gingen die Wiener sogar in Führung, um sie praktisch postwendend nach einem Fehler wieder zu verlieren.

Barisic zufrieden

Abseits der „Geschenke“, die man verteilte, bilanziert der neue Coach bislang zufrieden, schließlich ging es auch gegen die beiden mit Abstand besten Teams der Liga: „Wir haben gesehen, dass wir ihnen wehtun können und die Möglichkeiten hatten, zu gewinnen. Dafür fehlt uns noch ein wenig. Aber das geht auch nicht von heute auf morgen. Auch bei Salzburg gab es zu Beginn des Frühjahrs Probleme und jetzt greift dort ein Rad ins andere. Dort wollen wir hinkommen.“

Und auch Sportdirektor Helmut Schulte zeigte sich mit der neuen Entwicklung hochzufrieden.

„Also wir haben es ja gut gemacht, das ist keine Frage. Es hat wie in der zweiten Halbzeit gegen die Austria Spaß gemacht, der Mannschaft zuzuschauen. Das war viel viel besser als wir im Frühjahr – mit Ausnahme der ersten beiden Spiele – gespielt haben. Das muss man klar sagen“, so der Deutsche.

Schulte wird gar euphorisch

Als Schulte über den Assist von Marcel Sabitzer sprach, war gar ein Anflug von Euphorie auszumachen.

„Wir haben das Tor wunderschön herausgespielt. Marcel hat mit seiner Ballannahme ja wie ein Hochseil-Artist agiert, wie er dann verzögert und ihn hineingespielt hat, das war einfach toll.“

Der 55-Jährige wähnte sich aber einmal mehr im falschen Film, als die sechste 1:0-Führung in seiner Amtszeit leichtfertig aus der Hand gegeben wurde. Dieses Mal nach schwerem Abspielfehler.

„Und dann grüßt wöchentlich das Murmeltier oder aus der Abteilung ‚Wie gewonnen, so zerronnen‘. Ich dachte, ich träume, dass man wieder so einen Fehler macht“, wollte Schulte nicht wahrhaben, dass Harald Pichler erst Gerson per schlechtem Zuspiel in Bedrängnis brachte und der Brasilianer dann nach schlechter Annahme den entscheidenden Fehlpass zu Stefan Hierländer fabrizierte.

„Es hat viel Spaß gemacht“

Aber es passt auch nicht ins Sonnenschein-Gemüt des Sportdirektors lange darauf herumzureiten. Der Blick wird nach vorne und auf das Positive gerichtet.

„Wir haben es einer guten Mannschaft von Salzburg lange schwer gemacht. Wir werden das danach analysieren. Was bleibt, wir waren rund 70 Minuten ebenbürtig, haben ihnen alles abverlangt. Es hat viel mehr Spaß gemacht als letztens, der Mannschaft beim Arbeiten zuzuschauen. Wir haben gesagt, der nächste Schritt muss kommen, das ist passiert. Schade nur, dass es kein zählbares Ergebnis wurde.“

Nichtsdestoweniger sei es noch ein „weiter Weg, um zu einer 100-Prozent-Mannschaftsleistung zu gelangen.“ Hinsichtlich der hörbaren atmosphärischen Störungen im Hanappi-Stadion kann Schulte nichts sagen. Betonung auf „kann“.

„Ich kann zum Spiel etwas sagen, aber nicht zur Stimmung im Stadion. Ich kann mit meinen Mitteln dazu nichts mehr sagen. Mit dem, was ich weiß, denke, fühle, kann ich dazu nichts sagen.“

Barisic kann. „Es wird auch da schrittweise gearbeitet. Die Burschen wollen sich den Arsch für jeden einzelnen Rapid-Fan aufreißen. Wir wissen, was das Hanappi-Stadion bewegen kann. Wir wollen alles dafür tun, dass es wieder eine Einheit wird. Es ist bekannt, dass uns das im Jahr zehn Punkte bringt.“

Auch Liga-Situation macht Schulte Spaß

Hingegen kann Schulte etwas über den Kader sagen, was nämlich im Sommer zu tun sei. „Ich weiß ganz genau, was wir tun müssen. Ich hoffe auch, dass wir es tun können.“ Passend dazu dementierte Schulte laut „Sky“ Berichte in der „Bild“ über einen Abgang von Rapid im Sommer. Hingegen soll die Verpflichtung Robert Almers immer wahrscheinlich werden.

Und warum auch gehen, wenn einem die Liga so viel Spaß macht? Angesprochen auf das Schlüsselspiel kommende Woche in Graz und die spannende Situation in der Liga meint Schulte nämlich: „Es ist doch total super. Zwei Mannschaften können Meister werden, dahinter sind vier Mannschaften, die sich europäisch qualifizieren können – das ist doch sensationell für diese Liga. Das ist einmalig. Und dann kann man natürlich irgendwas in die Suppe schütten, dass sie nicht mehr schmeckt und sagen, das ist ein schlechtes Niveau. Dann sage ich, dann hören wir gleich auf. Überall ist es eng, überall ist es interessant. Da brauche ich doch nicht sagen, das Niveau ist nicht gut. Das verstehe ich nicht.“

Der Sportdirektor hat die vergangenen Wochen hinter sich gelassen, blickt lieber nach vorne. Und am Versprühen von Optimismus scheitert es bei ihm sicherlich nicht.

 

Bernhard Kastler

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