Die schiefe Optik

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Politik beglückwünscht Rapid trotz schiefer Optik

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Der SK Rapid macht einen Haken hinter die jüngste Personalentscheidung.

Bei der Ordentlichen Hauptversammlung stellte man sich der Mitgliedermeute. Die nur vereinzelt aufgetretenen Buhrufe ließen das Präsidium der Grün-Weißen kalt.

Es ist ohnehin zu spät. Der Beschluss, dass Christoph Peschek ab Februar 2015 das Amt des Geschäftsführers Wirtschaft bekleiden wird, steht fest.

Die Meinungen im Umfeld schwanken, noch zeichnet sich keine Tendenz ab, was die Öffentlichkeit davon halten soll.

Eines bleibt jedoch unwiderruflich: Eine schiefe Optik!

„Das hätte Peschek nichts genützt“

„Wir haben uns das Auswahlverfahren nicht leicht gemacht, Ziele definiert, ein Anforderungsprofil erstellt. Christoph ist als Bewerber voll durch das Verfahren durchgegangen“, rechtfertigte Präsident Michael Krammer.

Keine Rede mehr von der angekündigten Ausschreibung, die umgangen wurde. Trotz Nachfragen keine Details, warum ausgerechnet Peschek für den Manager-Posten qualifiziert sei.

Unter 70 Bewerbern hätten die ersten Gespräche obendrein nur mit dem Personalberater stattgefunden, erst im Hearing der besten Fünf soll er sich Krammer und Co. präsentiert haben.

„Er kennt das Unternehmen sehr gut, das ist ein Zusatzattribut. Das hätte ihm aber nichts genützt, wenn er nicht der Beste gewesen wäre“, wahrt der Präsident den Schein.

Aufstieg dieser Art für Krammer nicht untypisch

Den Schein deshalb, weil viele der Rapid-Führung nicht abkaufen, dass sich Peschek von Dr.- und Mag.-Titelträgern mit wirtschaftlicher Ausbildung abgehoben habe.

Für Krammer ist es obendrein auch keine Seltenheit, dass jemand vom Aufsichtsrat in eine operative Rolle schlüpft, umgekehrt jedoch schon. Dabei gehörte er vor seiner Präsidentschafts-Kandidatur noch selbst dem betreffenden Komitee an und sorgte damals ebenfalls für einen fahlen Beigeschmack.

Fakt ist, dass der neue Geschäftsführer Wirtschaft, aus dem in der angestrebten AG ein Vorstandsposten wird, als ehrenamtlicher Vizepräsident bereits sehr nah am Tagesgeschäft dran war und sich intensiv mit dem Verein und dessen Zielen auseinandergesetzt hat.

Vor allem in puncto Stadion-Neubau war Peschek eine der tragenden Figuren, die aufgrund der Kontakte zur Stadt Wien und der Bevölkerung große Teilerfolge feiern konnte.

„Größte Nachwuchshoffnung“ und „Wunderwaffe“

Dass der 31-Jährige all seine politischen Ämter (u.a. Gemeinderat, Lehrlings- und Jugendsprecher) für eine Festanstellung beim SK Rapid opfert, zeugt von Engagement und Verbundenheit zum Verein.

Dabei war Peschek drauf und dran die Politik-Leiter weiter empor zu klettern, galt laut dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl sogar als „die größte Nachwuchshoffnung der SPÖ“.

Kritische Stimmen waren bisher keine zu vernehmen, viel mehr schwärmen ehemalige Wegbegleiter, Parteifreunde und sogar politische Gegner vom ambitionierten Wiener.

„Die Presse“ bezeichnete Peschek als „Wunderwaffe gegen die FPÖ“, deren Abgang ein großes Loch bei den Roten aufreißt.

„Ein großer Gewinn für Rapid“

Josef Kalina, seines Zeichens Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer und jetzt PR-Berater sowie Experte in Politikfragen unterstrich auf Nachfrage von LAOLA1 die gute Reputation des zukünftigen Rapid-Managers.

„Ein herber Verlust für die SPÖ und ein großer Gewinn für Rapid. Er ist ein umtriebiger Organisator, solche jungen engagierten Leute braucht man immer in Führungspositionen.“

Die fehlenden betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten sieht der 56-Jährige nicht als Hindernis. Mit einem Experten wie Krammer an dessen Seite könne dieser nur profitieren. „Dieses Tandem kann für den Verein sehr viel bewegen.“

Von den Anforderungen an den Geschäftsführer Wirtschaft (Hohe Affinität zum Fußballsport und zum SK Rapid, hohe Kommunikations- und Networkfähigkeiten, Erfahrung im Umgang mit Medien, Beste Kontakte zu Behörden und öffentlichen Behörden der Stadt Wien, Führungskompetenz- und Erfahrung, Betriebswirtschaftliches Verständnis, ausgeprägtes unternehmerisch-strategisches Denken, Entscheidungs- und Umsetzungsstärke, Konflikt- und Teamfähigkeit sowie organisatorische Fähigkeiten) erfülle Peschek laut Kalina mindestens 80 Prozent.

Zuspruch von ehemaligen Weggefährten

Der niederösterreichische ÖVP-Landtagsabgeordnete Lukas Mandl fühlte sich sogar bemüßigt, seinem ehemaligen Kollegen in einem offenen Brief zu gratulieren:


In der Politik erlernte Qualitäten seien auch in seiner neuen Funktion gefragt, unabhängig von Ausbildung und Berufserfahrung in diesem Segment.

„Ich spreche von Qualitäten wie Multitasking, Fokussierung, Prozessverständnis, Menschenkenntnis, Vernetzung, Generalismus und auch von Tugenden, die ganz unaufgeregt klingen, aber wichtig sind, wie Fleiß und Pünktlichkeit. Und ich meine mit den Qualitäten auch ein Verständnis dafür, was ein Ziel, was eine Vision und was eine Mission ist, was Strategie und Taktik sind, nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch im Management eines Fußballvereins“, schreibt dieser und muntert ihn auf, sich nicht vom Politiker-Bashing unterkriegen zu lassen.

Hans Arsenovic, Vertreter der Grünen in der Wirtschaftskammer, twitterte nach Bekanntwerden des Peschek-Jobwechsels: „Gute Entscheidung und Chapeau! Christoph #Peschek wird @skrapid Manager.“

„Peschek hat viele verblüfft“

Selbst Christian Weiss von der Mitgliederplattform „Rapid bin ich“, welche die Entwicklungen der letzten Jahre oft kritisch beäugt hat, hält sich im Fall Peschek eher zurück.

„Natürlich wurde über dieses Thema auch bei uns diskutiert, aber wir stehen hinter dieser Entscheidung von Präsident Krammer. Die Bedingung war, dass Peschek seine politischen Funktionen ruhend stellt.“

Dies ist der Fall und stößt somit auf Zustimmung. Die politische Vernetzung Pescheks könnte Rapid in Zukunft allerdings trotzdem den einen oder anderen Vorteil verschaffen.

Werner Kuhn ist für die Übergabe seiner Agenden bereit und betont, dass eine „gute Wahl getroffen worden sei“. Peschek habe viele in positiver Hinsicht verblüfft, auch ihn.

Und was meint der Protagonist dazu? „Ich habe großen Respekt vor der Position, strotze aber vor Tatandrang. Kritik wird es immer geben, aber ich werde mit Leistung überzeugen.“

Trotz schiefer Optik.


Alexander Karper/Jakob Faber

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