Die Basis probt den Aufstand

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DEMOKRATISIERUNG

„Wir sind nicht die große Opposition des Herrn Edlinger, sondern wollen einfach nur die Mitglieder vertreten“, stellt Terschak fest. Der 1962 geborene Selbständige arbeitete in der Reformkommission an der Neufassung der Vereinssatzung, die nun bei der Hauptversammlung beschlossen wird.

„Bei Rapid entscheidet eine Wahlkommission darüber, wer für das nächste Präsidium kandidieren darf. Früher wurden de facto alle sechs Mitglieder vom aktuellen Vorstand bestimmt. Jetzt ist das Wahlkomitee paritätisch besetzt. Die Hälfte rekrutiert sich aus Mitgliedern, die keine offiziellen Funktionen inne haben.“

Somit kann sich der Vorstand ohne Zustimmung der Mitglieder nicht mehr selbst zur Wahl aufstellen. Der Präsident braucht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Diese Veränderungen werden von „Rapid bin ich“ begrüßt, jedoch geht ihnen die Demokratisierung nicht weit genug.

So gibt es beispielsweise kein Minderheitenrecht innerhalb der Vereinssatzung. „Überspitzt formuliert haben wir uns von nordkoreanischen zu DDR-Verhältnissen weiterentwickelt“, meint Terschak.

ANTRAG AUF KUHNS ABSETZUNG

„Kuhn ist ein sympathischer und netter Mensch. Aber man muss über seine Leistung diskutieren. Seit 2008 ist kein Großsponsor hinzugekommen. Vergleichen wir uns nur einmal mit unserem Stadtrivalen, was die in diesem Zeitraum erreicht haben“, übt Weiss den unbeliebten Vergleich mit der Austria. Hinzu komme jene dubiosen 900.000 Euro, die kurz vor dieser Saison durch Einsparungen frei wurden. „Wir sprechen hier von rund einer Million Euro, die man eigentlich auch in den Jahren davor hätte einsparen können.“

Deswegen wolle man nun dem Vorstand per Antrag die Weisung geben, Kuhn frühestmöglich zu kündigen. Das Präsidium will darüber aus vereinsrechtlichen Gründen aber gar nicht abstimmen lassen. „Ob der Antrag ausgeführt wird, ist eine andere Frage. Doch unseren Vereinsrechtsexperten zufolge muss zumindest darüber abgestimmt werden. Dafür werden wir kämpfen. Wenn nötig, sogar vor Gericht.“

PROJEKT STADION

„Die Wirtschaftlichkeit von Rapid steht und fällt mit der Stadionfrage“, stellt Plattform-Mitbegründer Weiss fest. Grundsätzlich spricht sich „Rapid bin ich“ für einen Neubau in Hütteldorf aus, da eine Renovierung aufgrund der schlechten Bausubstanz keine Alternative darstellt.

Eine Möglichkeit wäre eine neue Arena um 90 Grad gedreht am jetzigen Standort zu errichten, wie Experten der Mitgliederplattform berichteten.

Auch hier wundern sich Terschak und Weiss über die Vorgangsweise der Vereinsführung: „Es gab Investoren, die am Projekt Stadion interessiert waren, jedoch vom Präsidenten abgelehnt wurden.“

Zudem will man wissen, wie der nun gültige Pachtvertrag mit der Stadt Wien zustande gekommen ist. „In einer Nacht und Nebel Aktion wurde das Stadion 2011 langjährig gepachtet, ohne ein Gutachten über die Bausubstanz einzuholen.“

Letztlich vermisst „Rapid bin ich“ ein Konzept des Präsidiums für die Stadionfrage. Projektleiter Peter Fleissner wird dazu aber bei der Hauptversammlung Informationen vortragen. „Wir warten darauf, was uns vorgestellt wird. Danach werden wir entscheiden, was wir tun.“

STRUKTURENÄNDERUNG

Geht es nach „Rapid bin ich“, so soll Rapids operatives Geschäft ähnlich anderer moderner Vereine in eine geschlossene Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

„Das neue Präsidium muss die AG-Lösung in Angriff nehmen. Als Vorstandsvorsitzender muss ein fähiger Mann à la Dortmunds Hans-Joachim Watzke gefunden werden. Unsere Sorge ist, dass sich Werner Kuhn diese Position krallen will. Auch deswegen haben wir den Antrag auf seine Kündigung gestellt.“

Das Präsidium würde dann als Aufsichtsrat agieren, der Vorstand müsste den Rapid-Mitgliedern in der jährlichen Generalversammlung eine Leistungsbilanz darlegen. Die Anpassungsphase, um diese Struktur umzusetzen, würde mindestens eineinhalb Jahre dauern, meinen Terschak und Weiss.

Vom momentan als Favoriten auf das Präsidentenamt geltenden Erich Kirisits würde „Rapid bin ich“ gerne wissen, ob er dieses Konzept mittragen würde.

„Wir wollen, dass er sich gegenüber uns vorstellt“, so Weiss. Sollten Kirisits Pläne nicht denen der Mitgliederplattform entsprechen, so könnten sich Terschak und Weiss vorstellen, eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken: „Es gibt da zwei oder drei Namen.“

ZUKUNFTSVISION

Neben der Umwandlung in die AG hat „Rapid bin ich“ noch andere Visionen für die Zukunft Rapids. Dazu gehören in erster Linie Investitionen in den Nachwuchsbereich und eine Offensive bei der Mitgliederwerbung.

„Wir wollen die Mitgliederzahlen erhöhen. Rapid hat so viele Fans, aber nur um die 7.000 Mitglieder. Diese Zahlen wollen wir erheblich steigern“, meint Weiss. 30.000 Mitglieder sollten mittelfristig das Ziel sein.

„Das würde über die Mitgliedsbeiträge drei Millionen Euro bringen und damit mehr Unabhängigkeit von den Sponsoren.“ Es gehe darum, die Mitglieder nicht mehr als Gegner, sondern als wichtiges Kapital für den Verein zu sehen.

Als Wunschvorstellung schwebt Terschak und Weiss vor, dass ihr Klub in fünf Jahren auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht und über einen Kader verfügt, der „den Namen Rapid verdient“. Zudem soll dann das neue Stadion eröffnen. „Dann wären wir zufrieden“, meinen die beiden Vollblut-Rapidler.

 

Das Gespräch führte Jakob Faber


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