Der Trennung zwischen Payer und Rapid letzter Akt

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Was am 10. Oktober 2001 seinen Anfang nahm, geht am 17. Juli 2012 endgültig zu Ende.

Vermasselten vor knapp elf Jahren noch Größen wie Ronaldinho und Nicolas Anelka mit ihren Treffern beim 4:0 von Paris St. Germain ein gelungenes Pflichtspiel-Debüt, stellen sich beim allerletzten Einsatz die Stars des AS Roma in den Weg.

Helge Payer bekommt im Testspiel gegen den italienischen Serie-A-Klub die Möglichkeit, seinem Herzensklub Rapid leise „Servus“ zu sagen – nach insgesamt 22 Jahren.

„Wenn man weinen muss, soll man weinen. Wenn man es unterdrückt, hat das auch keinen Sinn“, erwartet der 32-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 Emotionen pur.

Ein letztes Mal für den Herzensverein

„Die Vorfreude ist schon riesengroß - vor allem einzulaufen, die Musik zu hören und vielleicht rufen die Fans deinen Namen. Das werden schon Gänsehautgefühle werden.“

Seit einem Probetraining 1991 ging es für den gebürtigen Welser erstmals nur bergauf. Bis zur U18 war er stets die Nummer eins und kämpfte sich bis in die Kampfmannschaft vor.

Meilensteine wie die Meistertitel 2005 und 2008, die Champions-League-Teilnahme, die „Wunder von Birmingham“ gegen Aston Villa etc. pflasterten seinen Weg. Weggefährten wie u.a. sein Vater Helge senior, Goalie-Legende „Funki“ Feurer, Josef Hickersberger oder „Tiger“ Zajicek machten aus Payer jenen Torhüter und Menschen, der er heute ist.

„Natürlich war ich teilweise sehr traurig, weil ich einen Verein verlasse, bei dem ich 22 Jahre gespielt habe. Bei dem Verein wollte ich schon als kleines Kind immer spielen. Das waren schwierige Momente, aber auch Momente, die man durchziehen muss. Wenn man eine Tür zuschlägt, öffnet sich eine andere.“

Emotionaler Abschied und Erinnerungen

Nachdem die Trennung zwischen den Grün-Weißen und Payer offiziell bekannt gegeben wurde, zog sich die Nummer 24 für Wochen zurück, genoss zusammen mit seiner Familie die freie Zeit. Ohne Verpflichtungen, ohne die Last der vergangenen Jahre.

Erst danach nahm er das Training wieder auf, stellte sich der Öffentlichkeit und kehrte zurück in den Alltag. Vor dem Showdown gegen Totti und Co. absolvierte er sogar noch ein paar Trainingseinheiten unter Raimund Hedl bei Rapid.

Wenn er für die letzten Minuten in seiner Rapid-Laufbahn in sein bisheriges Wohnzimmer Hanappi-Stadion einlaufen wird, werden ihn die Erinnerungen an die schönen Momente noch einmal übermannen.

„Sehr viele Erinnerungen, sehr viele gehaltene Bälle, einige Tore. Die kann man nicht ganz verdrängen. Einfach schöne Momente und das Gefühl, die West hinter mir zu haben. Das werde ich sicher mein ganzes Leben nicht vergessen.“

Wechsel zu Salzburg oder Austria - kein Thema

Mit dem 17. Juli 2012 schließt sich für Payer das Kapitel Rapid, an dem über Jahre hinweg sein Herz hing.

Das Ausland ist weiterhin das große Ziel, nachdem er bis dato einem einzigen Verein die Treue hielt. Ein Wechsel in Österreich kam für den ehrgeizigen Sportsmann nie wirklich in Frage. Dabei soll selbst Salzburg die Fühler nach dem Keeper ausgestreckt haben.

„Wie Gustafsson verletzt war und mein Vertrag ausgelaufen ist, hat Salzburg überlegt, mich zu verpflichten. Allerdings wurde mir gesagt, dass in einem Meeting beschlossen wurde, dass sie mich nicht holen können, weil ich zu Rapid-gebrandet sei.“

Darauf basieren seine Überlegungen, nur im Ausland noch einmal durchstarten zu wollen. „Das heißt nicht, dass ich das gemacht hätte, aber wenn Salzburg so denkt, denken andere auch so. Dass ich nicht zur Austria gehe, liegt auf der Hand. Das würde ich nie machen. Dann ist Österreich aber von den Top-Klubs her fast zu.“

„Rapid ist sehr speziell“

Ein Wechsel zum griechischen Europa-League-Quali-Starter Asteras Tripolis scheiterte, doch das Interesse weiterer Vereine soll vorhanden sein.

„Ich möchte eine Sprache dazulernen, meine Tochter ist erst zwei Jahre alt. Das kann ich jetzt nützen“, freut sich Payer auf das anstehende Abenteuer – wohin es ihn auch verschlägt.

Seinem Nachfolger bei Rapid Lukas Königshofer, mit dem er bei seiner allerletzten Auswechslung auch abklatschen wird, traut er Großes zu und wünscht ihm alles Gute.

„Verdient hat er es sich sicher, weil er einer der ehrgeizigsten Torhüter ist, die ich in meiner Karriere kennengelernt habe. Ich bin gespannt, ob er es schafft, längerfristig hier zu spielen oder Ambitionen hat, früher ins Ausland zu gehen.“

Königshofer gehört bei Rapid die Zukunft, während Payer auf eine ruhmreiche Zeit zurückblickt. Eines wird sich so schnell wohl aber nicht ändern.

„Rapid ist sehr speziell. Das kann man aber nur verstehen, wenn man Rapid im Herzen trägt, hier sehr lange gespielt hat oder sehr lange Fan ist.“ Wenn es sein muss, stellt Payer dies auch mit Tränen bei seinem Abschied unter Beweis.


Alexander Karper/Claus Schlamadinger

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