"Ich bin keiner, der wegen Konkurrenz davonrennt"

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Vereinstreue ist im letzten Jahrzehnt immer mehr zum Fremdwort geworden – sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene.

„Wandervögel“ ziehen in Schwärmen von einer Station zur nächsten, andere tauschen ihre österreichische Adresse für ein Abenteuer im Ausland.

Stefan Kulovits wird Rapid aber noch länger erhalten bleiben. Die Möglichkeit, sein Glück woanders zu suchen, ließ er zum wiederholten Male verstreichen.

Seit 1998 heißt seine Liebe Rapid. Auf sein erstes Tor im Hanappi musste er aber ganze zehn Profi-Jahre warten.

„Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“

„Es war natürlich ein wunderschönes Gefühl, noch dazu auf das Tor vor der West-Tribüne zu treffen. Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, schwärmt der 29-jährige Wiener im Gespräch mit LAOLA1 von seinem Treffer zum 2:0 beim 4:0-Erfolg gegen Wacker Innsbruck.

Erst vor dem Spiel zogen ihn seine Kollegen aufgrund seiner Torquote auf. Insgesamt traf er in seiner grün-weißen Karriere erst vier Mal, drei Mal davon auswärts.

War sie vor dem Saisonstart gegen Wacker noch bei 1:60, trifft Kulovits nun im Durchschnitt ein Mal in 50 Bundesliga-Spielen.

„In der Situation hat natürlich alles gepasst. Ich habe den Haken gemacht, eine super Schussposition gehabt und einfach abgedrückt.“

Tore gehörten bisher nicht zu „Kulos“ Spezialitäten

Das war bisher das Manko des quirligen Defensivspielers, der sich in aussichtsreicher Position oft gegen den Abschluss, dafür aber für ein weiteres Zuspiel entschied.

„Es wäre natürlich schöner, wenn das öfter passiert“, gesteht Kulovits. Wenn er einmal trifft, dann verdienen die Tore aber meist das Prädikat sehenswert.

In Erinnerung geblieben ist vor allem sein Schlenzer vom 21.10. 2007 im Wiener Derby gegen die Austria im Horr-Stadion. Ein System steckt allerdings nicht dahinter.

„Wie der Ball drin ist, ist mir eigentlich wurscht. Es ist aber auch einmal schön, so ein Tor schießen zu können.“

„Hatte im Sommer die Chance, zu wechseln“

Vor allem, weil er sich in der Sommerpause die Entscheidung nicht leicht gemacht hatte, ob er überhaupt noch einmal für seinen Herzensverein auflaufen wird.

Seine Zeit bei Rapid gleicht einer ewigen Achterbahnfahrt. Wenn der fünfmalige ÖFB-Teamspieler gebraucht wurde, war er zur Stelle. Trotzdem weist er nach zehn Jahren bei Rapid lediglich 180 Einsätze auf.

Auch die Situation in der vergangenen Spielzeit unter Trainer Peter Schöttel war nicht ausreichend zufriedenstellend und veranlasste Kulovits, sich nach Alternativen umzusehen.

„Ich habe im Sommer die Chance gehabt, zu wechseln. Ich habe es aber nicht gemacht und das dem Trainer von Anfang an mitgeteilt. Ich bin keiner, der davonrennt, wenn Konkurrenz da ist.“

Bekenntnis zu Rapid könnte sich auszahlen

Die Vorbereitung war nicht nur aus seiner Sicht vielversprechend. Der Trainer gab seine Antwort am ersten Spieltag, als er die „Kampfgelse“ in der Startelf aufbot und 90 Minuten auf sie vertraute.

Und das, obwohl die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld mit Markus Heikkinen, Muhammed Ildiz, Thomas Prager, Dominik Wydra und Co. größer als noch zuvor ist.

In seinem aktuellen Fall kann man sagen: Vereinstreue zahlt sich aus! Denn mit seiner Leistung und seinem Tor hat er sich für weitere Aufgaben und einen Stammplatz empfohlen.

„Ich habe es heuer einfach noch einmal probiert. Ich denke, ich bin belohnt worden, weil ich in der Vorbereitung Gas gegeben habe. Da ist es wurscht, ob ich jetzt zehn Jahre bei Rapid bin oder nicht.“

„Nicht aufstecken und an sich glauben“ – mit diesem Motto und seiner Vereinstreue hat sich Kulovits längst einen Platz in Rapids Ruhmeshalle verdient.


Alexander Karper

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