Kuen: "Das Lob hemmt nicht, es beflügelt mich"

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„Ihm gehört die Zukunft“, meinte Steffen Hofmann erst kürzlich.

Trainer Zoran Barisic stieß gegenüber LAOLA1 ins selbe Horn. „Er zeigt immer wieder, dass er ein vielversprechendes Talent ist.“

Das deutete der Beschriebene zwar schon bei Ex-Verein Wacker Innsbruck an, für Rapid absolvierte er hingegen noch kein einziges Pflichtspiel.

Die Rede ist von Andreas Kuen. Ein 19-jähriger Tiroler mit den Anlagen, Spuren zu hinterlassen. Nach langer Verletzungspause scheint der Weg nun frei zu sein.

Ein Jahr zum Vergessen

„Es ist natürlich schön, solche Worte von Hofmann zu hören. Ich versuche, dorthin zu kommen, wo er mich sieht. Er ist einer, an dem man sich anhalten kann und der immer beißt und alles gibt“, strahlt Kuen beim Treffen mit LAOLA1.

Druck verspürt der Offensivakteur trotz der großen Erwartungshaltung keinen, viel mehr fühlt er sich dadurch beflügelt.

Der Ex-Wackeraner weiß, wieweit er schon sein könnte, hätten ihm nicht ein Kreuzbandriss und ein verpatzter Herbst aufgrund muskulärer Probleme über ein Jahr gekostet.

Ein wertvolles Jahr in der Entwicklung eines Nachwuchsspielers und gleichzeitig ein Schock, der nicht so schnell verdaut werden konnte.

Schwierig zu verstehen

„In der ersten Phase war es ein bisschen schwierig für mich zu verstehen, weil es bei Wacker Innsbruck sehr gut gelaufen ist. Bis dahin ist es immer bergauf gegangen, ich habe in 14 Runden zwölf Mal gespielt. Da ist es richtig gut gelaufen“, beschreibt Kuen seine Gefühlswelt.

Hoffnung gab ihm die Tatsache, dass viele Profi-Fußballer in diesem Alter Kreuzbandrisse erlitten hatten und dadurch nicht in weiterer Folge gehemmt wurden.

Trotz noch nicht auskurierter Verletzung ließ sich Rapid nicht von einer Sommer-Verpflichtung abhalten. Auch das gab zusätzliche Motivation.

Als es wieder in die richtige Richtung ging, spielten die Muskeln aber nicht mit. Obwohl er im Herbst zwischenzeitlich vom Trainingsprozess ausgenommen wurde, fühlte er sich nie als Fremdkörper innerhalb des Teams.

Aus dem Tal über die Akademie zu Wacker

Bei den Grün-Weißen fühlte sich der aus Zams stammende ÖFB-Nachwuchsspieler (U17, U18, U19) von Anfang an wohl. Nach dem einschneidenden Erlebnis und der mentalen Belastung im jungen Alter wollte er ohnehin nichts überstürzen.

„Ich selber habe mir fürs erste halbe Jahr keine großen Hoffnungen gemacht. Ich habe darauf geschaut, dass ich mich nach meiner Verletzung selbst wieder aufbauen kann und mich im Training beweise. Das ist im Herbst noch nicht so gut gelungen, jetzt kommt das halt ein bisschen später.“

Mit 16 Jahren schon im ÖFB-U17-Nationalteam

Bisher reichte es nur zu zwei Einsätzen bei den Amateuren, in der letzten Runde vor der Winterpause stand er im Profi-Kader gegen Salzburg – das bisherige Highlight.

Quasi ein Neustart nach dem raketenhaften Aufstieg. Die erste Berührung mit dem runden Leder hatte Kuen mit sechs Jahren beim SV Längenfeld, ehe er mit 13 in die AKA Tirol wechselte. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte.

„Die AKA Tirol hat mir sicher gut getan, weil ich direkt aus dem Tal komme und es eine gute Möglichkeit für mich war, unter den Besten zu spielen. Ich bin dadurch früh von zu Hause weg gewesen, habe vier Jahre in Innsbruck im Internat gelebt“, plaudert der Youngster aus dem Nähkästchen.

„Talent alleine genügt nicht“

Die Akademie-Ausbildung legte für ihn sportlich und menschlich den Grundstein, um im Profigeschäft Fuß zu fassen, die Weiterentwicklung stand immer im Vordergrund.

Früh sah sich Kuen mit Lobeshymnen konfrontiert, früh wurde ihm das inflationär gebrauchte Wort „Talent“ angehaftet – bis heute. Darum kann sich der ehrgeizige Flankenflitzer aber nichts kaufen.

„Das war nie ein Druck, ich habe immer nur das gespielt, was ich konnte, habe immer mein Bestes versucht. Mit Talent kommt man schon weit, aber wenn man weiterkommen will, muss man hart an sich arbeiten, um besser zu werden. Talent alleine genügt nicht.“

Wacker Innsbruck war der logische nächste Schritt, das fußballerisch Höchste was es in Tirol zu erreichen gab. Denn in puncto Skifahren waren nie große Ambitionen vorhanden.

Im Fußball gefördert, auf Skiern fehl am Platz

Wenn, dann schnallte er untypisch für einen Tiroler nur freizeitmäßig die langen Bretter an, jetzt schon seit längerem nicht mehr. Eine Option stellte dies nie für ihn dar, auch die Berge vermisst er nur gelegentlich. Die Leidenschaft für den Fußball war schlussendlich zu groß.

Bei Wacker wurde sein Potenzial früh erkannt. Sein Debüt feierte er, damals noch unter Walter Kogler mit knapp 17 Jahren und vier Monaten beim 0:4 in Wien – ausgerechnet gegen den heutigen Arbeitgeber Rapid.

Bei Wacker spielte Kuen noch gegen Rapid

Trotz hoher Niederlage erinnert sich Kuen an ein „unglaubliches Gefühl“, vor 15.000 Zuschauern erstmals in der Bundesliga aufgelaufen zu sein.

Besonders gefördert sah er sich jedoch unter einem anderen Trainer. „Ich habe Wacker sehr viel zu verdanken, vor allem Roland Kirchler, unter dem ich viel zum Einsatz gekommen bin und der mich so früh hochgezogen hat. Auch wenn es im Verein nicht so gut gelaufen ist, wurde ich ab und zu eingesetzt.“

Von Schaub und Messi lernen

Schon damals hegte der aufstrebende Profi den Wunsch, irgendwann einmal für Rapid zu spielen. Heute kommt ihm das natürlich leicht über die Lippen, schließlich ging dieser Wunsch 2014 in Erfüllung.

Als jüngster Feldspieler im Kader muss er sich aber erst einmal beweisen. Als Beispiel nimmt er sich den nur vier Monate älteren Louis Schaub, der es bei den Hütteldorfern bereits auf 68 Bundesliga-Einsätze und insgesamt 86 Pflichtspiele schaffte.

„Louis hat, obwohl er noch sehr jung ist, schon viel erreicht. So möchte man sich natürlich auch einmal sehen, daran werde ich arbeiten.“

Als bekennender Barcelona-Fan seit seiner Kindheit schaut er jedoch vor allem zu Lionel Messi auf, schätzt aber auch Cristiano Ronaldo und versucht, aus internationalen Spielen viel im taktischen und spielerischen Bereich herauszulesen, um darauf für sich einen Nutzen zu ziehen.

Mit kleinen Schritten ganz nach oben

Irgendwann würde der 19-Jährige auch einmal in England, Deutschland oder Spanien auflaufen. Zuerst geht es aber einmal darum, sich in Österreich einen Namen zu machen.

„Jetzt braucht man noch nicht darüber reden. Ich hoffe natürlich, dass ich jetzt immer wieder im Kader stehe und zu Einsätzen komme. Ob rechts, links oder zentral spiele für ihn im ohnehin variablen System vorerst keine Rolle.

Schmerzfrei bezeichnet sich Kuen. Motiviert bis in die Haarspitzen, um nach seiner Leidenszeit das auf den Rasen zu zaubern, was ihm in die Wiege gelegt wurde.

Ob ihm wirklich die Zukunft gehört, wird sich erst weisen. Die Anlagen, der eingeschlagene Weg und die Einstellung zum Sport sind jedoch vielversprechend.


Alexander Karper

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