Drescher: "Es ist ähnlich wie bei der Admira"

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Der WAC steckt in einer Krise.

Die Liste an negativen Aspekten ist lang:

Lediglich fünf Punkte haben die „Wölfe“ nach zehn Runden am Konto, mit nur fünf erzielten Toren hat man die harmloseste Offensive der Liga und von der fast einjährigen Unserie in der Fremde (17 Liga-Spiele ohne Sieg) wird erst gar nicht gesprochen.

Die Tabelle spiegelt den schlechtesten Saisonstart zurecht wieder. Drei Punkte fehlen aktuell auf den Vorletzten SV Ried, jenen Gegner, der am Samstag als Gast in die Lavanttal-Arena kommt.

Aussagen wie: „Da erwartet uns ein sehr, sehr schwierige Spiel. Da müssen wir drei Punkte holen“ (Zitat: Didi Kühbauer), hören sich im Vorfeld wie die obligatorischen Durchhalteparolen an.

Denn abgesehen von der Chancenverwertung macht sich Ratlosigkeit breit. „Wenn wir wüssten, was falsch läuft, würden wir es abstellen“, sagt Joachim Standfest offen.

Der Routinier weiters: „Wir spielen nicht viel anders als letzte Saison. Klar, gab es auch richtig schlechte Begegnungen wie etwa in Mattersburg, aber grundsätzlich passt die Leistung. Ich weiß nicht, was wir viel ändern sollen. Letztes Jahr, wie alles perfekt zusammengelaufen ist, wussten wir nicht, warum das so ist. So ist es auch jetzt, nur eben um 180 Grad gedreht.“

Wieviel Schuld hat Kühbauer?

Guter Rat ist daher teuer. Schließlich blieben der Kader und der Spielstil quasi  unverändert, zudem wurden die anfänglich augenscheinlichen Abstimmungsprobleme in der Defensive mit der Rückholaktion von Nemanja Rinic minimiert. Seitdem der Serbe in der Innenverteidigung wieder die Fäden zieht, kassierte man pro Partie nur einen Gegentreffer.

Angeschrieben haben Hüttenbrenner und Co. dennoch nur einmal, beim 1:1 gegen Titelverteidiger Salzburg.

Wie im Fußballgeschäft üblich, muss die Frage in den Raum geworfen werden, wieviel Schuld Trainer Didi Kühbauer an der brenzligen Lage hat?

Bereits Anfang September forderten Fans in sozialen Netzwerken die Ablöse des Burgenländers, da er ihrer Meinung nach „keinen Draht mehr zur Mannschaft hat.“

Selben Probleme bei der Admira

Dass der Ex-Internationale scheinbar in seinem dritten vollen Amtsjahr sportliche Probleme bekommt, noch dazu, wenn zuvor sogar die Qualifikation für den Europacup geschafft wurde, zeigte sich schon in seiner Zeit bei der Admira.

Nachdem er die Südstädter Ende April 2010 von Walter Schachner in der Ersten Liga übernahm, folgte 2011 der Aufstieg in die Bundesliga und ein Jahr später der sensationelle dritte Platz in Österreichs höchster Spielklasse.

Doch eine Saison danach entging man nur um Haaresbreite und dank eines 1:0 am letzten Spieltag in Mattersburg dem Abstieg.

Ist es Zufall, oder gibt’s tatsächlich das verflixte dritte Kühbauer-Jahr?

„Das darf nicht passieren“

Jemand, der das gut beurteilen kann, ist Daniel Drescher. Schon bei der Admira trainierte der Wiener unter Kühbauer. Zuerst zwei Jahre bei den Amateuren, dann bei den Profis.

Im Sommer 2014 folgte der Verteidiger dem Ruf seines Coaches und heuerte in Wolfsberg an. Bei der aktuellen Misere der „Wölfe“ sieht der 25-Jährige durchaus Parallelen zu jener der Admira.

„Es ist ziemlich ähnlich. Vielleicht ist es so wie der Trainer gesagt hat, der Fluch der Europacup-Starter. Alles konzentriert sich auf die Europa League und die Bundesliga, das tägliche Brot, bleibt im Hintergrund. Doch das darf nicht passieren“, meint Drescher im Gespräch mit LAOLA1.

Die Ablöse-Forderungen mancher Fans empfindet er als Humbug. „Der Trainer ist leider der Erste, dessen Kopf rollt. Aber dass er uns nicht mehr erreicht, kann ich nicht bestätigen.“

Drescher verteidigt Kühbauer

Vielmehr verteidigt der WAC-Akteur seinen Vorgesetzten: „Der Trainer steht nicht am Platz. Er macht zwar die Aufstellung und stellt uns auf den Gegner ein, aber wir Spieler müssen es am Platz richten. Klar gab es etliche schlechte Partien, aber das nur auf den Trainer zu schieben, wäre der falsche Weg.“

Auch die Theorie, dass Kühbauers Motivations-Reden nach jahrelanger Zusammenarbeit abgenutzt seien, widerspricht Drescher vehement.

„Natürlich wiederholen sich die Dinge, aber das trifft auf jeden Trainer zu, wenn man mehrere Jahre zusammenarbeitet. Dass da irgendwann dieselben Sprüche oder Ansprachen kommen, ist doch normal. Als Profi musst du dir das halt zum dritten Mal anhören. Aber ich glaube nicht, dass man dadurch weniger motiviert ist oder weniger Ansporn, seine Leistung abzurufen, hat.  Im Prinzip sollte der Trainer unmittelbar vor der Begegnung  sowieso nicht viel sagen – egal ob das Didi Kühbauer oder Jose Mourinho ist. Wir sind Profis und müssen am Wochenende im Spiel Vollgas geben. Dafür muss uns niemand motivieren.“

Die Stimmung in den Trainingseinheiten „war trotz der schlechten Liga-Ergebnisse gut. Man merkt, dass alle an einem Strang ziehen und da unter raus wollen.“

„Irgendwo liegt der Hund begraben“

Die anhaltende Negativspirale im Lavanttal bereitet aber auch dem dreifachen U20-ÖFB-Teamspieler Kopfzerbrechen.

„Bei uns liegt einfach irgendwo der Hund begraben. Obwohl sich nicht viel geändert hat, können wir einfach nicht an den Leistungen der Vorsaison anknüpfen.“

Die Europacup-Teilnahme und damit wohl das höchste der Gefühle, was ein WAC-Spieler erreichen kann, möchte Drescher nicht als Ausrede hernehmen.

„Gut, wenn du gegen Dortmund spielst – eine absolute Topmannschaft in Europa –, schwebst du auf Wolke sieben und lässt alles andere vielleicht etwas schleifen. Du bist auch etwas abgelenkt, wenn du so wie es gegen den BVB war, die Zeitung aufschlägst und nur Berichte über dich liest. Das sollte zwar nicht vorkommen, kann es aber. Doch man muss relativ schnell in den Alltag zurückkehren. Der heißt für uns eben Spiele gegen Admira, Altach, Grödig… Die Europa League ist schon lange vorbei, im Cup sind wir leider auch ausgeschieden. Unsere volle Konzentration gilt der Meisterschaft, da müssen wir ganz schnell einen Dreier einfahren.“

Denn sonst wird aus der Krise schon bald ein Desaster.

 

Martin Wechtl

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