Hofmanns schmaler Grat

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"Muss sich einen Tag mehr als zu wenig Zeit geben"

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Während alle fitten Spieler gegen den Ball treten dürfen und sich in unterschiedlichen Trainingsübungen beweisen müssen, spult ein Spieler einsam seine Runden ab.

„Wie lange wird er noch brauchen?“, „Wann feiert er sein Comeback?“, „Und wie schwer ist seine Verletzung wirklich?“ – Fragen, die die Zuschauer auf dem Rapid-Trainingsplatz beschäftigen.

Die Rede ist natürlich von Kapitän Steffen Hofmann, der seiner Mannschaft weiterhin nicht zur Verfügung steht und Schritt für Schritt an seiner Rückkehr feilt. Allerdings mit Bedacht.

„Wenn man bei dieser Verletzung zu früh anfängt, passiert sicher was. Dann hat man ein größeres Problem“, gesteht Hofmann gegenüber LAOLA1, kein Risiko eingehen zu wollen.

„Laufen ist noch sehr weit weg vom Spielen“

Vor allem bei Muskelverletzungen wie aktuell beim Mittelfeldspieler ist Vorsicht geboten. Im Detail handelt es sich um einen leichten Muskelfasereinriss, der bei Überbeanspruchung drastische Folgen haben könnte.

„Ich denke, man muss sich da vielleicht eher einen Tag mehr als zu wenig Zeit geben, weil es sehr gefährlich ist, dass wieder etwas passiert.

Am Mittwoch beschränkte sich Hofmann auf Lauftraining und fühlte sich dabei schon recht gut. Allerdings sei noch nicht abzusehen, ob ein Einsatz am kommenden Sonntag gegen Sturm Graz im Bereich des Möglichen liegt.

„Laufen ist kein Problem, aber laufen ist noch sehr weit weg vom Spielen. Wir müssen schauen, wie es sich entwickelt. Wir haben noch ein paar Tage und ich hoffe natürlich, dass es sich ausgeht. Aber sicher sein, kann man sich nicht.“

Schmaler Grat zwischen Auskurieren und Risiko

Oft genug biss der 31-jährige Deutsche in der Vergangenheit auf die Zähne, spielte unter Schmerzen oder musste für die Spiele fitgespritzt werden. Seine Sichtweise, möglicherweise ein Risiko einzugehen, hat sich in den letzten Jahren aber nicht verändert.

„Ich denke, es liegt einfach an der Art der Verletzung. Bei Muskelverletzungen kann man einfach nichts machen. Da helfen weder Spritzen, noch alles andere. Es muss einfach heilen, erst wenn es gut ist, ist es gut.“

Während muskuläre Probleme keinen Spielraum zulassen, gäbe es laut Hofmann andere Verletzungen, „bei denen man schon einmal drübergehen und spielen kann.“

Ähnlich sieht es Trainer Peter Schöttel, der seinen Regisseur in Bezug auf die Verletzung keinesfalls unter Zeitdruck setzt.

Schöttel kein Freund vom Fit-Spritzen

„Wir werden ganz sicher kein Risiko eingehen. Er wird selber keines eingehen und wir schon gar nicht. Es gibt noch genug Spiele und wir hoffen, dass er auf alle Fälle bei dem einen oder anderen noch mitwirken kann.“

Ein Freund übereilter Genesungen oder unnatürlicher Einwirkungen ist der 44-jährige Wiener prinzipiell nicht.

„Ich bin schon immer ein Feind von Fit-Spritzen gewesen. Aber es gibt bestimmte Verletzungen, wo man einen Schmerz unterdrücken kann. Aber bei einer Muskelverletzung, die nur schlimmer werden kann, hat das überhaupt keinen Sinn und wäre verantwortungslos.“

Mit seinen 31 Jahren zählt Hofmann zwar noch nicht zum alten Eisen, jedoch bereits zu jenen Kickern im fortgeschrittenen Alter.

Hofmann spürt keine Verschleißerscheinungen

Hofmann findet aber nicht, dass sich seine Einstellung, Verletzungen gegenüber seit dem Beginn seiner Karriere verändert hat. Etwas zu erzwingen oder zu überhasten war auch früher nicht nach dem Geschmack des Ausnahmekönners.

„Ich fühle mich noch relativ jung. Es ist ja nicht so, dass ich sehr häufig verletzt bin. Es ist halt jetzt einmal passiert, aber ich denke, dass ich mich heute nicht anders verhalte als vor zehn Jahren oder dass Verletzungen anders heilen.“

Von Verschleißerscheinungen ist laut Hofmann „noch keine Spur“. Umso intensiver arbeitet er daran, seiner Mannschaft schon bald wieder tatkräftig zur Verfügung zu stehen.

Sollte dies im Heimspiel gegen Sturm noch nicht der Fall sein, steht Schöttel vor einem Problem. Denn Ersatzmann Boris Prokopic erwischte es noch schlimmer – er erlitt im Derby einen Kreuz- und Seitenbandriss.

Ersatz für den Ersatzmann von Hofmann gesucht

„Es ist eine traurige Sache, die Mannschaft ist sehr getroffen. Es ist schade, gehört aber leider zum Profigeschäft dazu. Sein Vertrag läuft aus, aber wir werden ihn natürlich nicht fallen lassen“, verspricht der Chefbetreuer.

Wer als Ersatz vom Ersatzmann von Hofmann in Frage kommt, lässt Schöttel offen. „Ich hoffe, dass mir Prager wieder zur Verfügung steht, auch Burgstaller kommt wieder zurück. Wir haben also immer noch genug Möglichkeiten.“

Insgeheim hofft man im Rapid-Lager aber sicherlich, dass Hofmann schon bis Sonntag seine Probleme überwunden haben könnte.

Wenn nicht, darf man sich noch immer auf die Statistik stützen, dass Rapid heuer in den drei Spielen ohne Hofmann bisher noch nicht verloren hat.


Alexander Karper

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