Als Kind gekommen, als Mann am Weg

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Als wäre es ein Zeichen gewesen.

Just nachdem Anel Hadzic das letzte Mal als Spieler der SV Ried den Rasen der Keine-Sorgen-Arena verließ, wurde der Spatenstich vollzogen.

Dieser Tage wird der Rasen abgetragen, nicht weil der 23-Jährige nie mehr hier spielen, sondern weil eine Rasenheizung eingebaut wird. Im zehnten Jahr nach der Eröffnung.

Vier Jahre länger war Hadzic in Ried. 1999 wechselte der in Bosnien geborene Österreicher vom nördlich gelegenen Andorf in den Rieder Nachwuchs.

Beim 2:2 gegen Salzburg zog sich der Mittelfeldspieler am Mittwoch ein letztes Mal in der Heimkabine im Innviertel um.

Tränen beim Abschied

"Es waren schon Tränen dabei", gesteht Hadzic im Gespräch mit LAOLA1.

Wie seine scheidenden Teamkollegen Markus Hammerer, Ivan Carril und Nacho ("Bleibe zu 80-90 Prozent in Österreich") wurden auch er vor dem Spiel vom wiedergewählten Präsident Hans Wilminger verabschiedet.

Dabei musste sich der Protagonist die Augen reiben, wie auch beim Abschied von den Fans nach dem Spiel.

"Richtig bewusst wurde mir der Abschied, als ich draußen am Feld stand. Es waren eben 14 bewegende Jahre: Vom Nachwuchs über die Akademie in die Kampfmannschaft bis hin zum Cupsieg", erzählt der Neo-Sturm-Kicker.

Als Kind gekommen, als Mann am Abgang

Hadzic kam als Kind und geht nun als Mann, als gestandener Bundesliga-Kicker. Als einer der wenigen, die als Allrounder gelten. Als einer, der vor allem im variablen 3-3-3-1-System der "Wikinger" dort und da eingesetzt werden konnte.

Der kampfstarke Kicker bahnte sich in der Akademie OÖ West seinen Weg, war kurz Kooperationsspieler beim FC Wels und debütierte als frischgebackener 18-Jähriger am 29. September 2007 beim 3:1-Heimsieg gegen Austria Kärnten.

Diesem Bundesliga-Einsatz, der eine Minute dauerte, sollten in den nächsten fünfeinhalb Jahren über 160 folgen.

"Ich habe Ried alles zu verdanken", sagt Hadzic wehmütig.

Sein langjähriger Manager beim Verein wollte seinen Vertrag verlängern, kann aber  aus privater Sicht diese Veränderung in seiner Karriere nachvollziehen.

Wehmut auch bei Reiter

Aber auch Stefan Reiter fällt der Abschied nicht leicht, handelt es sich hier nicht um irgendeinen Spieler. Nur Thomas Gebauer gehört länger dem Profikader an.

"Natürlich ist auch bei mir Wehmut dabei, wenn du ihm praktisch die Schuhbänder geschnürt hast und er dann Bundesliga spielt", gibt Reiter zu.

"Aber wir sind auch stolz, wenn wir als Verein in so einer Region solche Spieler hervorbringen und er ist ja nicht der Erste", ist der Rieder Macher zufrieden.

"Sturm nicht Plan B"

The Show must go on - das weiß Reiter genauso wie Hadzic, und der hat zu Beginn der Woche bei Sturm Graz unterschrieben. Schon länger hatte er sich für einen Abschied entschieden, nun wird es der Sommer, in dem er Ried gratis verlässt.

Im Winter klappte ein Wechsel zu Rapid nicht, auch mit Hajduk Split wurde es nichts. So machte nun Sturm das Rennen, das sich neben den Wienern als einziger österreichischer Verein um seine Dienste bemühte. Auch Klubs aus der zweiten deutschen Bundesliga sollen mit im Pool gewesen sein.

Aufgrund der Vorgeschichte klingt die Grazer Wahl nicht unbedingt als Realisierung des "Plan A", dem entgegnet der sechsfache Saisontorschütze.

"Es gab keinen Plan A, B, C. Am Ende ist das herausgekommen, was ich mir erhoffte, nämlich dass ich den nächsten Schritt mache. Und man muss nicht immer gleich den größten Schritt wagen, auch nicht finanziell, um dann vielleicht auf der Tribüne zu sitzen."

Gespräche gab es in Graz ausschließlich mit Gerhard Goldbrich, dem sportlichen Chef bei Sturm. Dieser unterhielt sich mit Interims-Trainer Markus Schopp über Hadzic, der Coach aber nicht persönlich mit dem Spieler. Das werde aber sicher noch folgen, so der Neuling.
 
Falls Schopp Trainer bleibt. Am Donnerstag tauchte etwa auch der Name Karl Daxbacher, der sich beim LASK wieder ins Rampenlicht trainiert hat, in der Gerüchteküche auf.
 
Bei den Verhandlungen mit Goldbrich kristallisierte sich für Hadzic jedenfalls schnell heraus, dass er diesen Wechsel machen möchte. Das zuletzt oft titulierte Thema "Handgeld" war dabei kein Thema.
 
"Nein, war es nicht", möchte er die aus seiner Sicht leidige Causa nicht mehr bemühen. Die angedachten 150.000 Euro Ablöse von Rapid für Ried im Winter, einem halben Jahr vor Vertragsende, sollten im Sommer an Hadzic und sein Management gehen. Die Wiener verzichteten.
 
Kein Handgeld im Spiel
 
Die Forderung selbst habe es gegeben, wenngleich Hadzic beteuert, dass es sich nicht um diesen genannten Betrag gehandelt habe, sondern um einen niedrigeren.
 
Für ihn Vergangenheit. Ebenso wie das Middlesbrough-Transfertheater 2012, von dem viele von einem Angebot und sportmedizinischen Tests wussten, nur nicht der englische Zweitligist. "Spielchen des Beraters", nannte es damals Reiter. Hadzic vertraut weiterhin auf diesen.
 
Die Zukunft heißt mit Saisonbeginn Sturm. Am Sonntag läuft Hadzic ein letztes Mal für Ried auf. Und das ausgerechnet gegen Rapid im Hanappi-Stadion.
 
Dort erzwang er in der Saison 2011/12 auf dem Weg ins Cup-Finale mit einem Weitschuss-Traumtor zum 2:1 in der Verlängerung den Sieg. Der bis dato einzige Rieder Triumph im Hanappi-Stadion. Sollte sich das wiederholen und Sturm zu Hause gegen Wiener Neustadt nicht über ein Remis hinauskommen, wäre sein neuer Klub international nicht dabei.
 
Möglicherweise aber sein baldiger Ex-Verein, sollte auch der WAC gegen Wacker nicht gewinnen. "Ich werde jedenfalls 100 Prozent gegeben", sagt Hadzic.
 
Wie er es in jedem Spiel für die SV Ried tat. Für 14 Jahre. Eine Ära lang.
 
 

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