Warum klappt das Pressing nicht?

Aufmacherbild
 

Pressing-Gegenmittel beunruhigt Glasner nicht

Aufmacherbild
 

Trotz mäßigem Saisonstart bleibt Oliver Glasner gelassen.

„Ich habe mit Salzburg die Düdelingen-Pleite miterlebt. Seither kann mich nichts mehr aus der Ruhe bringen“, sagte der Ried-Trainer in den „Oberösterreichischen Nachrichten“.

Sein Team holte aus den ersten fünf Runden nur vier Punkte. Zuletzt musste man beim WAC eine 1:4-Pleite hinnehmen – in Wolfsberg die erste Rieder Niederlage überhaupt.

Glasner weiß: „Momentan funktionieren einige Sachen schlechter, als sie beim ersten Testspiel nach der ersten gemeinsamen Trainingswoche funktioniert haben.“

Rieder Angriffspressing klappt nicht

Der ehemalige Salzburger Co-Trainer wurde auch deswegen ins Innviertel geholt, um eine ähnliche Spielweise zu etablieren, wie sie sein Ex-Verein prägt. Die Rieder wollen in dieser Saison hoch attackieren, den Gegner schon frühzeitig zu Fehlern zwingen und dann schnell in die Spitze spielen.

Das klappt momentan aber nicht. Glasner spricht die fehlende Abstimmung an: „Wir greifen erst ein, wenn es schon vorbei ist. Wir spekulieren, anstatt zu attackieren.“

Das hat auch damit zu tun, weil sich die Bundesliga-Teams mittlerweile auf das Angriffspressing eingestellt haben. Als Gegenmittel versuchen viele Mannschaften, sich gar nicht erst auf das Forechecking einzulassen, sondern den Ball aus der Abwehr schnell und womöglich hoch nach vorne zu spielen. Die Verteidiger wollen sich beim Herausspielen nicht zum Fehlpass verleiten lassen.

Auch der WAC griff beim 4:1-Sieg gegen Ried auf dieses Mittel zurück. Auf der Taktik-Tafel mit den erfolgreich gespielten Pässen der Wolfsberger sind die vertikalen Pässe von hinten nach vorne auf die Flügelspieler gut erkennbar. Horizontale Zuspiele waren bei der Mannschaft von Didi Kühbauer in diesem Spiel relativ selten zu sehen.

Glasner: „Sehe darin kein Problem“

„Man sieht jetzt mehr lange Pässe. Aber ich sehe darin kein Problem. Mir ist lieber, der Gegner schlägt die Bälle unkontrolliert nach vorne, als kontrolliert ins Mittelfeld. Das wäre schwieriger zu verteidigen“, erklärt Glasner schon vor dem Spiel gegen den WAC im Gespräch mit LAOLA1.

Der 39-Jährige, der derzeit den ÖFB-Trainerkurs für die UEFA-Pro-Lizenz absolviert, beobachtet die Entwicklung aufmerksam: „In Wahrheit gehen viele Spielzüge erst mit dem zweiten Ball los. Dann greifen die bekannten Muster: Nach dem Ballgewinn wird schnell umgeschaltet, während das andere Team das Pressing aufzieht. Deswegen spielt sich momentan viel im Mittelfeld ab.“

Genau dort finden also die entscheidenden Szenen statt. „Der Mannschaft, der es gelingt, die erste Pressingwelle zu umspielen, schaut besser aus“, meint Glasner.

Mittelfristig soll Ried flexibler werden

Der Jung-Coach hält trotz dieses vermeintlichen Gegenmittels an seiner Spielphilosophie fest. Mittelfristig schielt er aber auf eine variablere Spielweise: „Das Angriffspressing ist nur ein Mittel von vielen. Vielleicht wollen wir zukünftig erst ab der Mittellinie oder noch weiter hinten attackieren.“

Solche Spielformen einzuüben sei aber ein längerer Prozess. „Es ist schwierig, sich ganz zurückzuziehen, passiv abzuwarten und dann den Hebel schnell umzulegen. Für uns ist das erst der zweite oder dritte Schritt. Jetzt geht es einmal darum, die Muster des Angriffspressings reinzubekommen.“

Wie die Rieder das in der vergangenen Trainingswoche hinbekommen haben, wird sich schon bald zeigen. Am Samstag (19 Uhr) wartet mit Grödig der nächste Gegner.

Danach wird Glasner auch im Falle einer Niederlage kontinuierlich weiterarbeiten. Denn nach Düdelingen bringt ihn ohnehin nichts mehr aus der Ruhe.

 

Jakob Faber

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen