"Damit muss man umgehen können"

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Die Tage von Franco Foda als Trainer des SK Sturm sind gezählt.

Nach der peinlichen Performance beim Cup-Aus gegen Erste-Liga-Schlusslicht Hartberg haben die Verantwortlichen der Grazer um Neo-Geschäftsführer Paul Gludovatz die Konsequenzen gezogen und sich vorzeitig vom Meistertrainer getrennt.

Die knapp sechsjährige Trainertätigkeit des Deutschen bei den "Blackies" endet damit einerseits um sieben Spiele früher als ursprünglich vorgesehen und andererseits mit einer riesigen Enttäuschung für Foda (seine Abrechnung nach der Cup-Blamage).

SMS von Gludovatz

"Es kam früher als geplant", bestätigte der Deutsche am Nachmittag seine Beurlaubung. Gefasst, so wie man den 45-Jährigen kennt.

"Ich wollte eigentlich meinen Vertrag erfüllen, das habe ich immer betont. Alles andere konnte ich nicht beeinflussen, der Verein hat sich anders entschieden. Das muss man akzeptieren und respektieren", so Foda, der am Vormittag eine folgenschwere SMS erhielt.

Gludovatz, der noch zur Mittagsstunde offiziell vorgestellt wurde (Hier geht's zu seiner Präsentation), war der Absender, der den Trainer um 13 Uhr in die Geschäftsstelle bat.

Foda lehnte einvernehmliche Trennung ab

In einem Vieraugengespräch wurde die Möglichkeit einer einvernehmlichen Trennung diskutiert. Diese lehnte Foda ab.

So musste ihm der wirtschaftliche Geschäftsführer Christopher Houben in der Folge mitteilen, dass er freigestellt sei.

"Das ist das Fußball-Business, damit muss man umgehen können. Das werde ich tun", blieb Foda bis zur letzten Sekunde als Sturm-Mitarbeiter professionell.

Die beiden Verantwortlichen (Foda: "Sie erklärten mir, es handle sich um einen Auftrag von Präsident Christian Jauk") hielten sich indes mit großartigen Erklärungen zurück.

Keine Erklärung seitens der Verantwortlichen

"Es gab eigentlich gar keine Begründung. Ich gehe aber davon aus, dass die gestrige Leistung ausschlaggebend war", mutmaßte Foda.

Nachfragen wollte der Erfolgscoach nicht. "Warum sollte ich?", blieb er weiterhin gelassen.

Seine allgemein gelassene Reaktion überraschte Außenstehende, Foda betonte aber, diese ebenso im Erfolgsfall immer gezeigt zu haben.

„Das tue ich auch jetzt. Das wird mir im Trainergeschäft noch öfter passieren, auch wenn es außergewöhnlich ist, sechs Jahre bei einem Verein wie Sturm  zu sein, wo die Erwartungshaltung traditionell hoch ist.“

Foda verabschiedete sich anschließend von der Mannschaft und wusste schon zuvor: "Da wird es anders aussehen."

15 Jahre bei Sturm

Kein Wunder, geht doch seine 15-jährige Sturm-Ära zu Ende.

Nachdem er 1997 als Abwehrchef an die Mur übersiedelt war, gewann er 1998 und 1999 unter Trainer-Legende Ivica Osim die ersten beiden Meistertitel der Vereinsgeschichte. Für den dritten war er im Vorjahr als Coach selbst verantwortlich.

Nicht einmal ein Jahr später ist die Ära Foda bei Sturm nun endgültig Geschichte.

„Lame-Duck“-Rolle zum Scheitern verurteilt

Seit am 19. März das Engagement von Gludovatz und gleichzeitig der Abschied Fodas bekanntgegeben wurde, hatte der 45-Jährige so etwas wie eine „Lame-Duck“-Rolle inne.

Eine Ausgangsposition, die bei einem strengen Trainer, der sehr auf seinen Status als Respektsperson vor der Mannschaft Wert legt, wohl nicht auf Dauer gut gehen konnte – noch dazu, wo die Mannschaft schon seit geraumer Zeit nicht vor Selbstvertrauen strotzt.

Die Blamage gegen Hartberg brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Nach Schlusspfiff soll es dem Vernehmen nach in der Kabine zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Foda und einigen Spielern gekommen sein.

Der Coach selbst wiederum betonte, dass er in sechs Jahren Trainertätigkeit noch nie so von seinen Schützlingen enttäuscht gewesen sei.

„Das darf unter Paul Gludovatz nicht mehr vorkommen“

Letztlich waren Gludovatz und Co. wohl gezwungen, die Reißleine zu ziehen, um die letzte verbleibende Chance auf eine Europacup-Teilnahme nicht zu gefährden. Mangels Qualifikations-Chance via Cup bleibt den Steirern nur noch die Option Meisterschaft.

„Wie sich die Mannschaft gegen Hartberg präsentiert hat, darf und wird unter Paul Gludovatz nicht mehr vorkommen“, stellte der neue Geschäftsführer bei seiner Präsentation unmissverständlich klar, ehe er die erste maßgebliche Entscheidung seiner Ära durchzog.

Interimistisches Trainer-Trio

Indes wurde am späteren Nachmittag die Frage nach der unmittelbaren Nachfolge Fodas bis Saisonende beantwortet.

Dabei wurde ein dreiköpfiges, interimistisches Trainer-Trio gebildet: Fodas bisheriger "Co" Thomas Kristl, Didi Pegam, der Trainer der Amateure, und sein dortiger "Co" Günther Neukirchner leiten ab sofort das Training.

"Auf die Suche nach einem Trainer für die Zukunft hat das keinen Einfluss. In der momentanen Situation sind wir sicher, die beste Entscheidung getroffen zu haben. Mit drei Punkten Rückstand auf Platz drei, punktegleich mit dem Vierten, sind wir noch voll im Rennen um einen internationalen Startplatz", erklärt Gludovatz.

Kristl, seit fast drei Jahren Co-Trainer, blickt ebenso nach vorne: "Es ist sicher ein Vorteil, dass wir am Samstag schon das nächste Spiel und die Gelegenheit haben, die Partie gegen Hartberg teilweise vergessen zu machen."

Peter Altmann

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