Sein Ziel ist ein internationaler Startplatz

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"Vorwärts, wir müssen zurück."

Der SK Sturm setzt das in die Tat um, was kaum einer für möglich gehalten hat. 

Zwei Jahre nach seiner Beurlaubung, einer improvisierten Pressekonferenz am Parkplatz in Messendorf und viel bösem Blut, ist Franco Foda pötzlich wieder Cheftrainer bei den Schwarz-Weißen.

Möglich macht das Präsident Christian Jauk. Jener Mann, der nach dem Cup-Aus gegen Hartberg das Ende der zweiten Ära des Mainzers erwirkte, holte ihn wieder zurück.

"Viele wundern sich", sagt Jauk daher auch zu Beginn der Präsentation des alten, neuen starken Mannes auf der Sturm-Betreuerbank. 

"Es war erforderlich, dass wir Vieraugengespräche geführt haben. Das waren gute Gespräche, richtige Männergespräche", schildert der Banker den Beginn der Rückholaktion. 

Jauk sprach sich mit Foda aus

"Irgendwann sind wir zu dem Punkt gekommen, dass wir uns den gemeinsamen Weg wieder zutrauen", wurden sich die beiden Herren relativ schnell einig. Erst nach dieser Zusammenkunft wurden Generalmanager Gerhard Goldbrich und die anderen Vorstandsmitglieder informiert. 

Wie also schon bei der Bestellung von Darko Milanic als Coach nahm auch diesmal der Präsident die Zügel in die Hand. 

Dagegen einzuwenden hatte offensichtlich niemand etwas. "Es gab letztlich einen einstimmigen Beschluss. Das war nicht immer so in meiner Amtszeit. Sportliche und wirtschaftliche Ziele standen im Zentrum dieser Entscheidung. Es ist ein Zeichen für Stabilität und Nachhaltigkeit", so Jauk.

Dieses Zeichen sitzt zu Mittag in Messendorf inmitten der Verantwortungsträger. Er ist jetzt auch wieder einer davon. Franco Foda. Nach seinem Rauswurf in Graz verlief auch ein Engagement in Kaiserslautern am Ende glücklos.

Nun ist er zurück unter alten Bekannten. Mindestens bis Sommer 2017. Bis dorthin läuft der neue Vertrag des Trainers, der "den Erfolg verkörpert", wie es Goldbrich formuliert.

Foda: "Sollten Vergangenheit ruhen lassen"

Die Freude über seine Rückkehr ist Foda anzusehen. Auch er streicht aber zu Beginn den Austausch mit Präsident Jauk heraus.

"Christian hat zu mir Kontakt aufgenommen und wir haben positive Gespräche geführt. Wir haben uns ausgesprochen und alles aus der Welt geräumt. Nun sollten wir die Vergangeheit ruhen lassen. Wir sind beide von einer guten Arbeit überzeugt", sagt Foda klipp und klar.

Auch um sein Ziel für die aktuelle Saison redet er nicht lange herum: "Wir wollen versuchen, im nächsten Jahr wieder international zu spielen."

Das vielzitierte Anforderungsprofil habe letztlich genau auf ihn zugetroffen. Entscheidend war logischerweise auch seine Vergangenheit. "Seine Leidenschaft zum Thema Fußball, zu Sturm und sein sportlicher Erfolg. Das hat ihn von vielen anderen unterschieden", erklärt Präsident Jauk.

Von seiner Fußball-Idee werde er nicht großartig abrücken, sagt Foda, der Thomas Kristl wieder als Co-Trainer mitbringt. Allerdings habe er sich in den letzten Wochen und Monaten ein genaues Bild vom nationalen und internationalen Fußball gemacht.

Weiterbildung bei Bayern und Dortmund

"Heute wird natürlich viel über Pressing, Gegenpressing und Umschaltspiel gesprochen. Das sind wichtige Bestandteile, aber keine neue Erfindung. Gerade in den ersten Jahren meiner letzten Zeit hier haben wir den besten Fußball Österreichs gespielt. Das sind einfach Basics, die wir versuchen, tagtäglich abzuarbeiten", so Foda, der sich auch bei seinem Vorgänger Darko Milanic für das Hinterlassen einer "intakten Mannschaft" bedankt.

Ganz der Alte sei der Meistertrainer aus dem Jahr 2011 aber nicht, wie er sagt: "Ich war zwar arbeitslos, aber nicht faul. Ich war viel unterwegs und habe versucht, mich weiterzuentwickeln. Auch menschlich. Wir werden alle älter und klüger. Dazu habe ich bei Bayern, Dortmund und Gladbach hospitiert."

Auch seine Tätigkeit als TV-Experte lässt ihn nun etwas anders auf das Fußballbusiness blicken. "Es war wichtig, zu sehen, wie Journalisten ticken, um sie vielleicht besser zu verstehen", meint Foda.

Sehr schnell verstehen wird er wohl seine Mannschaft, immerhin kennt er noch einige Kicker von früher. Dazu nützte er auch jede sich ihm bietende Gelegenheit, um die Spiele der Blackies zu verfolgen. 

"Jeder, der sich anbietet, hat die Möglichkeit, zu spielen"

"Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Qualität hat. Es fehlt aber die Konstanz im Spiel, da müssen wir an den richtigen Schrauben drehen. Generell glaube ich aber, dass die Mannschaft Potenzial hat. Es gibt viele junge Spieler, auch in der Amateurmannschaft. Bei mir hat jeder, der sich im Training anbietet, die Möglichkeit, zu spielen", eröffnet der ehemalige Verteidiger den Konkurrenzkampf.

Das klingt alles sehr positiv, auch wenn das nicht alle so sehen. Seit dem Bekanntwerden seiner Rückkehr äußerten einige Anhänger ihren Unmut über diesen Schritt zurück in die Zukunft. Eine Tatsache, die Foda nicht weiter kümmert.

"Ich kann das schwer beurteilen, weil ich keine Foren lese. Mit diesen Dingen beschäftige ich mich weniger. Es gibt in Graz tolle Fans, aber man soll nicht gewisse Dinge schon im Vorhinein abwerten. Aber das betrifft auch größere Trainer wie Klopp und Guardiola, damit muss man einfach umgehen können und die Leute von sich überzeugen", meint der 48-Jährige, der auch noch ein Versprechen abgibt:

Zurück zur Heimmacht?

"Wir wollen zuhause wieder eine Macht werden, damit die Fans zufrieden sind. Ich bin zwar kein Harry Potter, zaubern kann ich nicht, aber was ich garantieren kann, ist, dass wir 24 Stunden für den Verein da sind, um zu erreichen, dass wir international dabei sind."

Auf längere Sicht strebt Foda auch nach Höherem: "Wenn man Trainer ist und sich persönlich hohe Ziele steckt, will man natürlich in naher Zukunft wieder einen Titel an Land ziehen."

Sollte dies im Rahmen seines bis Sommer 2017 datierten Vertrags gelingen, stünde einer erneut langen Zusammenarbeit wohl kaum etwas im Wege. "Ich würde mich freuen, wenn ich wieder sechs Jahre hier arbeiten kann. Ich bin sicher nicht hier hergekommen, um nach drei Jahren wieder abzureisen", sagt Foda.


Andreas Terler

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