Konkurrenz belebt das Geschäft

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Beachtliche zwölf Punkte beträgt der Vorsprung von Tabellenführer Austria Wien bei einem Spiel mehr bereits auf Verfolger Salzburg.

Eines der Erfolgsgeheimnisse in dieser Saison ist der beinharte Kampf um einen Platz in der Startelf. Dieser Kampf fördert die Leistung jedes einzelnen, denn angesichts des qualitativ hochwertigen Kaders besitzt niemand eine Einsatzgarantie. Dementsprechend geht es in jedem Training zur Sache.

„Wenn alle Spieler fit sind, dann schaffen es Klasseleute teilweise nicht einmal in den Kader. Doch so ist es im Mannschafts-Sport. Wenn du 24 Mann zur Verfügung hast, aber alles dem Ziel Meistertitel unterordnest, geht es über das Persönliche hinaus. Das ist für einzelne manchmal sehr bitter“, gesteht Peter Stöger.

„Du musst deine Möglichkeiten nutzen“

Laut dem 46-Jährigen bekommen alle aus einer Truppe eine faire Chance. „Wir behandeln die Spieler korrekt. Wir sind gefragt, die Elf zu bringen, die am besten zum Gegner passt. Die, die den besten Eindruck im Training machen, werden auch spielen“, versichert der Wiener.

Doch spielen alleine ist dem Ex-Internationalen zu wenig. „Bei einem Verein wie Austria Wien musst du die Möglichkeiten, die du bekommst, zu 100 Prozent nutzen. Dann kannst du in der Mannschaft drinnen bleiben. Es gibt drei, vier andere Vereine, bei denen du mit Leistungs-Schwankungen dennoch immer spielen wirst. Für mich ist Austria ein großer Klub in Österreich. Da musst du permanent gute Leistungen bringen.“

Kein Luxusproblem

Alex Grünwald dürfte den Wink des Trainers verstanden haben. Einer schwachen Derby-Vorstellung folgte eine überzeugende Leistung gegen die Admira.

„Alex hat eingesehen, dass wir nach dem Derby nicht ganz zufrieden waren. Er hat gegen die Admira noch einmal die Chance bekommen, damit er nicht das Gefühl hat, er wäre schuld gewesen, dass es spielerisch gegen Rapid nicht so gut gelaufen ist.  Er hat aber auch zu verstehen bekommen, dass hinter ihm die Leute auf einen Einsatz brennen, weil wir in diesem Geschäft keine Zeit haben, jemanden permanent zu begleiten und zu warten, dass sich etwas entwickelt. Wenn er aber so spielt, wie jetzt am Samstag, wird er noch öfters spielen“, erklärt Stöger.

Als Luxusproblem würde der violette Feldherr die Situation nicht bezeichnen. „Wenn, dann ist es Luxus, aber kein Problem. Dieser Umstand begleitet uns schon die gesamte Saison. Wenn alle fit sind, kommt es immer wieder vor, dass wir Spieler bringen, die Tore bzw. gute Partien machen.

Dilaver macht auf sich aufmerksam

So wie Emir Dilaver. Der Blondschopf schlüpfte gegen die Niederösterreicher anstelle des gesperrten Fabian Koch in die Rolle des rechten Verteidigers und lieferte eine bärenstarke Performance mit zwei Assists und seinem zweiten Saisontor ab – dem ersten in der heimischen Generali-Arena.

„Es war ein tolles Gefühl. Ich freue mich für den Klub und natürlich auch für mich“, strahlt der 21-Jährige bei LAOLA1.

Und bringt seinen Trainer in die Zwickmühle. „Fabian steht wieder zur Verfügung. Für den Trainer ist es ein Pech. Wie auch immer er entscheidet, wer spielt - im Mittelpunkt steht die Mannschaft.“

Aufwärtstrend bei Kienast

Roman Kienast hat ebenfalls ein deutliches Zeichen gesetzt. Dem 28-Jährigen gelang gegen die Südstädter nach seiner Einwechslung in der Schlussphase ein Doppelpack.

„In zehn Minuten ist nicht mehr drinnen“, grinst der Angreifer. Die persönliche Erleichterung ist ihm sichtlich anzusehen. Angesichts der Überform eines Hosiners erhält der Wiener aktuell nicht besonders viel Einsatzzeit, versucht aber das Beste daraus zu machen.

„Philipp hat eine super Statistik. Ich versuche im Training einfach Gas zu geben, dass ich meine Chance bekomme. Und die muss man dann natürlich ausnutzen.“ Gesagt getan.

„Wäre schlimm, wenn es anders wäre“

Wie wichtig heuer aber auch die Männer von der Ersatzbank sind, zeigen einmal mehr die beiden Kienast-Treffer. Eingewechselte Spieler weisen nicht weniger als 19 Tor-Beteiligungen auf - neun Mal haben die Joker des FAK-Coaches getroffen, zehn Mal haben sie ein Tor vorbereitet.

Dass Dilaver und Kienast dennoch in die Startformation wollen und mit ihrer Reservistenrolle nicht allzu glücklich sind, ist Stöger bewusst. „Es wäre schlimm, wenn es anders wäre, dann würde irgendetwas nicht stimmen.“

Die Qual der Wahl wird in den nächsten Tagen und Wochen – sofern alle verletzungsfrei bleiben – jedoch das nächste Level erreichen. Warum? Drei Namen: Tomas Jun, einer der wertvollsten Akteure des Herbsts, kehrt nach seiner Rotsperre zurück. Tomas Simkovic, der bereits gegen die Admira eingewechselte wurde, hat seine Knieprobleme überwunden. Und Rückkehrer Nacer Barazite.

„Keine Spielgarantie“

Dieses Trio scharrt selbstverständlich ebenfalls in den Startlöchern, wobei Stöger zum Thema Barazite, der aktuell jedoch mit einer Reizung einer Muskelsehne im Kniegelenk ausfällt, folgende Meinung vertritt:

„Wir hatten in der ersten Saisonhälfte eine funktionierende Mannschaft. Dann gab es die Option, Nacer Barazite dazuzubekommen, weil uns mit Roland Linz ein offensiver Kaderspieler verlassen hat. Wir werden uns nicht wehren, wenn Nacer Spiele für uns entscheidet. Aber wir haben vorher schon recht gut gespielt. Wir haben immer gesagt, dass er trotz seiner Historie bei der Austria dennoch keine Spielgarantie bekommt.“

Man darf also gespannt sein, wie Stöger seine Truppe bei Laune hält. Und eigentlich hat sie es auch selbst in der Hand: „Jeder kann sich über Leistungen im Training aufdrängen. Mit guten Leistungen im Spiel kannst du deine Position stärken.“

Eine Win-Win-Situation, die sich in Form der überlegenen Tabellenführung auch widerspiegelt.

 

Martin Wechtl

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