Der Letzte macht das Licht aus

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"War nicht einfach, die Emotionen im Griff zu behalten"

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Die Lichter gingen aus, die Rapid-Viertelstunde wurde eingeklatscht und Alfred Körner trällerte die alte Hymne vor ausverkauftem Haus – zum letzten Mal nach 37Jahren.

Mit einer emotionalen Abschiedsfeier wurde „St. Hanappi“ gebührend verabschiedet, ehe es schon bald dem Erdboden gleichgemacht und in zwei Jahren durch das Allianz-Stadion ersetzt wird.

Alles was Rang und Namen hat und die Bezeichnung Rapid-Legende verdiente, versammelte sich im Westen Wiens, um dem bewegenden Moment beizuwohnen. Der eine oder andere verdrückte dabei auch schon Tränen.

„Für mich war es schwierig, weil ich sehr lange hier gespielt habe und es irgendwie doch mein Rapid-Stadion ist. Ich glaube, dass es vielen Zuschauern genauso gegangen ist“, war Steffen Hofmann im LAOLA1-Interview ergriffen.

„Bei mir ist ein richtiger Film abgelaufen“

Während der Kapitän im Testspiel gegen Celtic Glasgow zum letzten Mal den „heiligen Rasen“ betrat, genossen davor Allzeit-Größen wie Antonin Panenka, Andreas Herzog, Rene Wagner, Peter Schöttel und viele mehr die Bühne, um sich in einem Legendenspiel zwischen den „Rapid Allstars“ und der „96er Mannschaft“ zu messen.

„Es ist eine super Geste des Vereins, die alten Spieler und Legenden einzuladen. Ich habe mir nicht gedacht, hier noch einmal aufzulaufen“, freute sich Ehrenkapitän Heribert Weber über die Chance, noch einmal im Hanappi-Stadion spielen zu dürfen.

Für viele der Anwesenden war es eine Reise in die Vergangenheit, Erinnerungen kamen hoch und erfüllten Spieler, Trainer und Fans mit Wehmut.

„Bei mir ist ein richtiger Film abgelaufen. Es war nicht einfach, die Emotionen im Griff zu behalten. Es waren ganz gemischte Gefühle, aufgrund der besten Fans der Welt und diesem Stadion. Das hier war schon eine Festung“, musste Michael Konsel zugeben.

„Erinnerungen, die man nie vergessen wird“

Auch sein Nachfolger im Rapid-Tor, Ladislav Maier, schwärmte von seinen sieben Jahren in Hütteldorf und war von der Abschiedsvorstellung begeistert.

„Es war ein toller Augenblick. Für mich persönlich war es eine tolle Zeit hier im Hanappi-Stadion. Die Fans gehörten schon immer zur ersten Kategorie.“

Helge Payer, der aus der darauffolgenden Keeper-Generation stammte, konnte nur zustimmen. „Das sind unglaubliche Gänsehaut-Gefühle. Man verbindet so viel mit dem Stadion, wenn man zehn Jahre selbst hier gespielt hat, im Nachwuchs und schon als Fan hier war. Den Namen von den Fans zu hören – das sind Erinnerungen, die man nie vergessen wird.“

Doch auch die ehemaligen Stars mussten sich eingestehen, dass es Zeit ist, Abschied zu nehmen. Die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, nun soll mit einem neuen Stadion der Weg in die Zukunft bestritten werden.

„Alle, die hier spielen durften und Erfolge eingefahren haben, sind ein wenig wehmütig. Aber die Zeit dreht sich weiter, das Stadion ist nicht mehr zeitgemäß. Rapid muss den Sprung in die moderne Zeit schaffen“, gab Kurt Garger schweren Herzens zu.

„Kann es nicht fassen, dass es wirklich vorbei ist“

Schon bald rollen die Bagger an, um das Jahrhundert-Projekt Allianz-Stadion in die Tat umzusetzen. Doch selbst Initiator und Rapid-Präsident Michael Krammer fällt die Trennung von der alten Wirkungsstätte schwer.

„Jeder Abschied ist ein Neuanfang. Man muss sich überlegen, wie dieses Stadion zu St. Hanappi geworden ist. Das West-Stadion war 1977 unbeliebt, dann gab es Doppelveranstaltungen mit dem anderen Wiener Verein und wenig Zuschauer. Erst in den letzten zehn bis 15 Jahren ist dieser Mythos hier gewachsen. Was da entstanden ist, ist einzigartig“, so der 53-jährige Wiener, der die Anfänge des Hanappis noch als Fan mitbekam.

Während einige junge Spieler die Bedeutung dieser Sportstätte noch nicht nachvollziehen können, geht für andere ein Stück Fußball-Geschichte verloren.

„Man kann es noch nicht ganz fassen, dass es wirklich vorbei ist, da ich jedes zweite Wochenende hierhergefahren bin und mich auf das Spiel, die Fans und das Ambiente gefreut habe. Jetzt ist es Aus, Schluss, vorbei“, stellte Mario Sonnleitner fest.

„Heute beginnt eine neue Zeitrechnung“

In den kommenden zwei Spielzeiten nehmen Sonnleitner und Co. die Ausfahrt in Richtung Happel-Stadion, bis die neue Heimstätte am Gerhard-Hanappi-Platz eröffnet.

„Es war schön, ein kleiner Teil des Ganzen zu sein. Aber heute beginnt eine neue Zeitrechnung, weil hier ein neues Stadion entstehen wird“, wich bei Trainer Zoran Barisic die Trauer der Vorfreude.

In den Erinnerungen wird das Hanappi-Stadion weiterleben - ob ein 5:0 nach 0:3 gegen Dynamo Dresden, ein Heimsieg gegen Aston Villa oder der eine oder andere Meistertitel.

Nach 37 Jahren hat die geschichtsträchtige Sportstätte jedoch ausgedient. Die Lichter gingen hier zum letzten Mal aus.


Alexander Karper

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