Die Unmöglichkeit der 3. Phase

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Drei Jahre Prudlo in Innsbruck - eine Bilanz

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Drei Jahre lang durfte Oliver Prudlo beim FC Wacker den Posten des Sportdirektors bekleiden.

Nun haben sich die Innsbrucker von ihm getrennt. Die Gründe dafür sind mehr schlecht als recht (LAOLA1-Kommentar).

„Ich fühle mich nicht gescheitert“, sagt der Wiener gegenüber der „TT“.

Tatsächlich fällt die Bilanz des 44-Jährigen ordentlich aus.

Der Drei-Phasen-Plan

Als der ehemalige Gewerkschaftler sein Amt im März 2010 antrat, fristeten die Innsbrucker ihr Dasein noch in der zweithöchsten Spielklasse.

Prudlo präsentierte damals einen Drei-Phasen-Plan. Aufstieg in die Bundesliga, Etablierung in der höchsten Spielklasse, Angriff auf die großen Vier.

Eine starke erste Transferzeit

Kein halbes Jahr später war die erste Phase auch schon abgeschlossen. Ende Mai feierte der neue Sportdirektor nach einem 2:0-Sieg gegen Salzburgs Amateure bei strömendem Regen im Paschinger Waldstadion die Rückkehr in die Bundesliga.

Die Aufgabe, mit eher geringen Mitteln ein schlagkräftiges Team für die kommende Saison zusammenzustellen, meisterte Prudlo in Folge mit Bravour.

In Österreich bis dahin unbekannte Legionäre wie Tomas Abraham, Miran Burgic und Inaki Bea wurden rasch zu Leistungsträgern und fügten sich auch charakterlich ausgezeichnet in die Mannschaft ein. Zudem wurde mit Harald Pichler ein Mann, der mittlerweile immerhin bei Rapid gesetzt ist, von den Red Bull Juniors geholt.

Souveräner Klassenerhalt

Der Umstand, dass die Tiroler mit 16 Punkten Vorsprung auf Schlusslicht LASK und nur sechs Zählern Rückstand auf den Dritten Salzburg überwinterten, belegt die gute Arbeit Prudlos – und freilich nicht zuletzt von Trainer Walter Kogler.

Im Winter ergänzten die Innsbrucker ihren Kader mit dem Spanier Carlos Merino, der seither zu den besseren Akteuren des Teams gehört. Außerdem kam Christopher Wernitznig vom Villacher SV – ein junger Mann, der sein Potenzial mittlerweile in 54 Meisterschaftsspielen (elf Tore, sieben Assists) unter Beweis stellen konnte.

Safar war einer der Goldgriffe Prudlos

Fabian Koch konnte indes nicht beim Verein gehalten werden – die Austria bemühte sich zu diesem Zeitpunkt schon mehr als ein halbes Jahr um den Rechtsfuß.

Der Klassenerhalt wurde souverän geschafft. Mit 13 Siegen, elf Remis und zwölf Niederlagen konnte der FC Wacker als Sechster sogar eine positive Bilanz aufweisen.

Goldgriff Safar

Dementsprechend wenig Handlungsbedarf bestand im Sommer. Einzig die Position des Tormanns galt es adäquat nachzubesetzen, nachdem Stammgoalie Pascal Grünwald nach einer starken Saison vom FAK abspenstig gemacht worden war.

Prudlo fand mit dem ablösefreien Routinier Szabolcs Safar eine Lösung, die sich als Goldgriff herausstellen sollte. Außerdem konnte mit Daniel Schütz ein Talent vom SCR Altach losgeeist werden.

Phase zwei abgeschlossen

Erneut spielte die Mannschaft einen guten Herbst. 14 Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Kapfenberg bzw. sechs Punkte Rückstand auf den Dritten Salzburg bedeuteten abermals eine ruhige Winterpause, in der sich in Sachen Transfers praktisch nichts tat.

In der Endabrechnung stand nach 36 Runden der siebente Platz. Klassenerhalt erneut problemlos geschafft, die Bilanz mit zehn Siegen, 15 Remis und elf Niederlagen nur ganz knapp negativ.

Phase zwei des Prudlo-Plans konnte als abgeschlossen betrachtet werden – der FC Wacker hatte sich in der Bundesliga etabliert.

Fehlendes Geld behindert

Um die dritte Phase, den Angriff auf die großen Vier, in die Tat umzusetzen, fehlte es dann aber an einem entscheidenden Faktor – dem Geld.

Bei Marcelo Fernandes leistete sich Prudlo einen Fehlgriff

Anstatt den Kader verstärken zu können, wurden nämlich die Verträge von Burgic und Bea nicht verlängert. Muhammed Ildiz kehrte zum SK Rapid zurück.

Und jene Leute, die neue Leistungsträger werden sollten, konnten nicht überzeugen. Christoph Saurer, der aus Hütteldorf kam, stellte sich als biederer Mitläufer heraus und der Brasilianer Marcelo Fernandes muss schlicht und ergreifend als Fehlgriff bezeichnet werden.

Immerhin gelang es Prudlo mit Christian Schilling (GAK) und Simon Piesinger (BW Linz) zwei Talente aus niedrigeren Ligen nach Innsbruck zu lotsen. Zudem gelang kurz vor Transferschluss mit der Verpflichtung von Roman Wallner noch ein beachtlicher Coup.

Kein Handlungsspielraum

In den darauffolgenden Wochen sollte es ganz schlimm kommen. Die Tiroler erwischten einen veritablen Fehlstart in die Saison und schlitterten in eine tiefe Krise, der auch Trainer Kogler zum Opfer fiel.

Im Winter ließ es die finanzielle Misere, die zur sportlichen hinzu kam, nicht zu, die Mannschaft zu verbessern. Im Bieten um Boris Prokopic zog man etwa gegen die Altacher den Kürzeren. Sebastian Siller aus Grödig blieb die einzige Neuverpflichtung.

Prudlo wirkte mehr und mehr verdrossen, war er doch ein Sportdirektor, der de facto keinen Handlungsspielraum mehr hatte.

Nun ist er der Suche nach finanzieller Hilfe zum Opfer gefallen. Was bleibt, sind drei Jahre gute Arbeit, die in der finalen Phase aufgrund des knapp bemessenen Budgets kaum mehr möglich war.


Harald Prantl

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